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Texte

Ausstellungstext

Eva Michel (2012)

Maximilians Theuerdank ist das einzige seiner Buchprojekte, dessen Fertigstellung der Kaiser selbst noch erlebt hat. Die mit Holzschnitten illustrierte Erzählung handelt von Maximilians Erlebnissen als Jäger und den Abenteuern während seiner Brautfahrt. Der Name des Titelhelden verweist auf „edle Gedanken“; der seiner Braut Ehrenreich („reich an Ehre“) steht für Maria von Burgund. Die Geschichte handelt also von der Tapferkeit Maximilians, der alle noch so großen Hindernisse überwindet, um die Gunst seiner Braut zu erlangen. Schließlich wird Theuerdank sogar von einem Engel besucht, der ihn zu einem Kreuzzug ins Heilige Land auffordert – ein letztlich unerfüllter Wunschtraum Maximilians. Für den Text wurde eigens eine Zierschrift entworfen, die den Luxus einer kostbaren Handschrift imitiert.

Katalogtext

Larry Silver (2012)

Maximilians Theuerdank (1517), das einzige seiner Buchprojekte, dessen Fertigstellung der Kaiser selbst noch erlebt hat, ist ein hö?sches Ritter­epos in Versform. Es erzählt von seinen eigenen Erlebnissen als Jäger oder als Abenteurer während seiner Brautfahrt, in deren Verlauf der junge Prinz mit seinen Rivalen um die Gunst seiner späteren Ehefrau buhlt. Der Name des Helden der Geschichte, Theuerdank, verweist auf »edle oder hochgestimmte Gedanken«, und der seiner königlichen Braut, Ehrenreich, bedeutet natürlich »reich an Ehre« (und steht für Maria von Burgund). Der letzte Teil des Buches (Kapitel 98–112) beschreibt die erfolgreiche Werbung des Helden um seine neue Königin durch Turnierkämpfe zu Pferd mit Lanze und zu Fuß. Der volle Titel lautet:
Die geuerlicheiten vnd einsteils der geschichten des loblichen streytparen vnd hochberümbten helds vnd Ritters herr Tewrdannckhs (Die Gefahren und ein Teil der Geschichten des löblichen, streitbaren und hochberühmten Helden und Ritters, Herrn Theuerdank). Die in ihren Grundzügen wohl von Maximilian selbst konzipierte Geschichte handelt von der Tapferkeit und von anderen ritterlichen Tugenden eines Helden, der alle Hinder­nisse überwindet, seien sie nun naturgegeben oder von Menschen berei­tet. Dabei folgte Maximilian dem Beispiel ehrwürdiger Vorbilder, den Heldenbüchern der deutschen Literatur des Mittelalters.
Theuerdanks unzählige Abenteuer entwickeln sich aus den Gefah­ren, denen sich der Held auf der Jagd oder in Kämpfen, zu Wasser oder in den Bergen stellen muss. Seine ritterlichen Tugenden werden durch dieselben Herausforderungen auf die Probe gestellt – nämlich Jagd und Krieg –, die auch in Maximilians anderen Auftragswerken, etwa dem Triumphzug (inv. 25205 - inv. 25263) und dem Weißkunig (Albertina, Inv. Cim. II/6), im Mittelpunkt stehen. Die meisten Fährnisse ereignen sich im Widerstreit mit Geg­nern, die als Personi?kationen negativer Eigenschaften Gefahren für den Ritter heraufbeschwören: Fürwitz oder Übermut (Fürwittig, mit Jugend assoziiert), Unfall (Unfalo) und Neid oder Missgunst (Neidel­hart). In einem Bild (Nr. 10, von Hans Schäufelein) wird der junge Held sogar von einem ganz besonderen Widersacher in Versuchung geführt, einem »bösen Geist«, der zwar in Gelehrtentracht auftritt, sich durch seine klauenbewehrten Füße aber als Teufel offenbart. Der weise und standhafte Theuerdank entscheidet sich jedoch für ein Leben zur »Ehre Gottes« und wird schließlich in Kapitel 115 von einem Engel besucht, der ihn zu einem Kreuzzug ins Heilige Land ermutigt. Die beiden letzten Bilder öffnen den Blick auf die Zukunft des Helden: In der ersten Szene zieht der junge Herrscher als geharnischter Ritter unter dem Banner des hl. Georg in den Kreuzzug (Nr. 117, von Leonhard Beck), die letzte zeigt, wie er mit seinem Freund und Herold, Ehrenhold, unerschrocken und unter Gottes Schutz dem Kommenden entgegentritt (Nr. 118, von Hans Burgkmair). Einige Verse in Kapitel 113 sprechen den Wunsch der Königin Ehrenreich aus, er möge einen Angriff gegen die Feinde der Christenheit (gemeint sind die Osmanen) anführen.
Drei Künstler arbeiteten an den Illustrationen: Den Großteil schuf mit 77 Holzschnitten Leonhard Beck, der auch einige kleine Korrektu­ren an den Probedrucken ausführte (bewahrt in Wien, ÖNB, Cod. 2833; 101 Holzschnitte mit fünf Tuscheskizzen). Beck, seit dem Jahr 1503 Meis­ter in Augsburg, entwarf auch viele der Holzschnitte für den Weißkunig und die Die Heiligen der Sipp-, Mag- und Schwägerschaft (Kat. 23). Hans Burgkmair d. Ä. (13) und Hans Schäufelein (20) fertigten die meisten übrigen Illustrationen und bezeichneten etliche davon mit ihren Mo­nogrammen. Der Aufenthalt Schäufeleins in Augsburg (vgl. Metzger 2002), der zuvor in Nürnberg in Verbindung mit der Dürer-Werkstatt tätig war, ist für die Produktionsphase des Theuerdank archivalisch do­kumentiert. Die acht verbleibenden Blätter konnten bisher nicht zuge­schrieben werden.
300 Exemplare des Theuerdank wurden auf Papier gedruckt, da­rüber hinaus eine limitierte Auflage von 40 Ausgaben im Folioformat auf Pergament. Seine Illustrationen wurden oft von Hand koloriert, um den hö?schen Luxus illuminierter Manuskripte vorzuspiegeln. Der Text wurde in einer sorgfältig ausgearbeiteten gotischen Fraktur gesetzt, die Zierschriften nachahmte und, einem Wunsch Maximilians folgend, der kaiserlichen Kanzleischrift nachempfunden war. Kennzeichnend für die Schrifttype des Theuerdank sind die bewegten s-förmigen Schnörkel (sog. Elefantenrüssel), die von Vinzenz Rocker gezeichnet und von Jost de Negker geschnitten wurden. Die Herstellung des Buches wurde vom kaiserlichen Hofbuchdrucker (»geheimen Drucker«) Johann Schönsper­ger besorgt, der vier Jahre zuvor auch Maximilians unvollendet geblie­benes Gebetbuch herausgegeben hatte. Die Produktion lief also wie ge­wöhnlich in Gemeinschaftsarbeit ab. Die Schlussredaktion übernahm 1514 der Stiftspropst von St. Sebald in Nürnberg, Melchior P?nzing, der einen »Schlüssel« (»Clavis«) für die Identitäten der Hauptpersonen hinzufügte, Hinweise auf aktuelle Ereignisse gab und zur weiteren Erklärung auf den Weißkunig verwies. Maximilian plante sogar, eine lateinische Übersetzung des Theuerdank herauszubringen, doch eine dem König Ferdinand gewidmete Übertragung aus der Feder des itali­enischen Humanisten Riccardo Sbruglio unter dem Titel Magnanimus wurde nie veröffentlicht (Wien, ÖNB, Cod. 9976).

Online Ressourcen

zur Person (Melchior Pfinzing)

zur Person (Melchior Pfinzing)

zur Person (Marx Treitzsaurwein von Ehrentreitz)

zur Person (Kaiser Maximilian I. von Habsburg)



Künstler_in
Anonym

Zugeschrieben an
Melchior Pfinzing um 1517 (Nürnberg 1481 - 1535 Mainz)  

Zugeschrieben an
Deutsch um 1517

Verfasser_in
Melchior Pfinzing (Nürnberg 1481 - 1535 Mainz)  

Verfasser_in
Marx Treitzsaurwein von Ehrentreitz (Mühlau bei Innsbruck, um 1450 - 1527 Wiener Neustadt)  

Verfasser_in
Kaiser Maximilian I. von Habsburg (Wiener Neustadt 1459 - 1519 Wels)

Land / Region
Deutschland
Titel
Theuerdank: Bild 31 - Theuerdank versucht, im Hochgebirge bei einer Jagd mit seiner Stange zu springen
Serie / Zyklus
Der "Theuerdank" Kaiser Maximilians I.
Datierung
1517
Objektbezeichnung
Druckgraphik
Technik / Bildträger
Holzschnitt
Maße
Blatt: 34,7 x 24,3 cm Platte: 16 x 14 cm Andere (Band): 35,5 x 25,5 x 6,4 cm (14 x 10 1/16 x 2 1/2 in.)
Inventarnummer
DG2012/128/31
Permalink
http://sammlungenonline.albertina.at/?query=Inventarnummer=[DG2012/128/31]&showtype=record

Weitere Informationen

Provenienz
Albertina Altbestand
Katalog / Verzeichnis
Laschitzer 139
Literatur
Laschitzer 1888; Ausst.-Kat. Wien 1959, Nr. 70-75; Ausst.-Kat. Augsburg/Stuttgart 1973, 167-177; Ziegeler 1982, S. 67-110; Müller 1982, S. 108-130, 159-172; Tennant 1989; Ausst.-Kat. Innsbruck 1992a, Nr. 124-125 (Eva Irblich); Füssel 2003; Silver 2008a, S. 5-7, 21-22,138-140, 176-180; Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 73 (Larry Silver)

Zitieren aus Sammlungen Online

Eintrag mit Autor:
Name des Autors / Künstler, Titel des Objekts, Inventarnummer, Art und Datum des Dokuments / Name der Datenbank, Permalink, Datum des Zugriffs

Beispiel:
Achim Gnann, Leonardo da Vinci: Zwei groteske Köpfe im Profil, Inv. 66, Katalogtext 2008. In: Sammlungen Online http://www.albertina.at/Sammlungenonline (Zugriff/access 28.3.2012)

Eintrag ohne Autor:
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