Ansicht des Tibers bei Trastevere mit der Tiberinsel
Daniel Schellinks
1660er-Jahre
Daniel Schellinks, Bruder von #Willem Schellinks (Inv. 15179), war Seidenhändler und übte seine künstlerische Tätigkeit als Dilettant aus; #Arnold Houbraken, der ihn kurz erwähnt (De Groot Schouburgh der Nederlantsche Kunstschilders en Schilderessen, Bd. 2, 2. Aufl., Den Haag, S. 273), bezeichnet ihn als einen tüchtigen Landschaftsmaler.
Unter den wenigen gesicherten Zeichnungen des Künstlers bildet das präsentiere Blatt aufgrund der südlichen Thematik eine Ausnahme. Ob die Darstellung vor Ort entstanden ist, kann nicht beurteilt werden. Die Informationen zu Leben und Werk des Künstlers sind spärlich; ob er in Italien war, ist nicht bekannt. Möglicherweise wurde Daniel Schellinks bei der Tiberansicht von Vorbildern seines Bruders Wilhelm angeregt. Dieser hatte, bevor er selber in den Süden zog, eine Reihe von römischen Brückenansichten gezeichnet; dabei könnte er aus dem reichen Motivrepertoire von #Jan Asselyn geschöpft haben, von dem er auch stilistisch beeinflusst wurde.
Auffallend an der Zeichnung ist, dass der von unten gesehene Vordergrund mit der verwachsenen Uferpartei, dem Treppensteg und dem Lagerschuppen den Blick auf den repräsentativen Teil - die Tiberinsel - dramatisch verstellt. Der einfache Holzbau schiebt sich sogar in aller Detailschärfe vor die weiter entfernte Kirche und wird so zum Blickfang der Darstellung. Auch Daniels Bruder Willem bevorzugt in seinen von #Lambert Doomer angeregten Loire-Ansichten (Inv. 9024) zumeist einen niedrigen Betrachtungsstandpunkt, verbunden mit einer tiefen Horizontlinie. In weiteren Reisezeichnungen zeigt Willem Schellinks eine besondere Vorliebe für von Vegetation überwucherte, malerische Repoussoirs. In der präsentierten Arbeit Daniel Schellinks' verrät sich stellenweise der Dilettant, zum Beispiel in den mechanisch gezeichneten Zickzacklinien der etwas flachen Terraingestaltung. In der Wiedergabe der Oberflächenwerte und der subtilen Lichteffekte jedoch ist Schellinks durchaus souverän. Mit dem Grafitstift verstärkt er die Konturen der Häuser, der Brücken und des Ufers, was der Ansicht eine eigentümliche lineare Schärfe verleiht.
In den späten 1660er-Jahren zog der mit Daniel Schellinks bekannte Architekturmaler #Jan van der Heyden das Blatt als Ausgangspunkt für ein Gemälde heran, das sich in Wien in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste befindet. Das Gemälde zeigt einen Ausschnitt des Motives der hier besprochenen Zeichnung von Daniel Schellinks, der die Tiberinsel klein im Hintergrund wiedergibt.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 179, S. 378-379.
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