Baumgruppe am Wasser
Johannes Leupenius
1665
Johannes Leupenius war vermutlich um 1660 Schüler bei #Rembrandt. Ungefähr 25 Zeichnungen mit Landschaftsmotiven werden dem Künstler zugeschrieben, der beruflich als Landmesser und Kartograf tätig war. Die hier gezeigte, 1665 datierte und signierte Arbeit zählt zweifellos zu den Höhepunkten seines kleinen zeichnerischen Œuvres. Den Haupteindruck dieser lichtdurchfluteten Landschaft bildet der Kontrast zwischen der ruhigen, breit fließenden Bewegung der Wasserfläche und dem diagonalen Linienzug der dichten Laubmassen, hinter denen sich ein Gebäude mit einem Turm befindet. Die ausgeprägte Horizontalität und die Art, in der Leupenius den freigelassenen Papierton als Lichtwert einsetzt, erinnert - ebenso wie die kurzen Strichelungen der Baumpartien - an Rembrandts Landschaftszeichnungen der 1650er-Jahre. Es zeigen sich aber auch Berührungspunkte mit dem Zeichenstil von #Jan Lievens, vor allem in der Art, in der dieser durch kurze Diagonalstriche seine Baupartien wie vom Wind bewegt erscheinen lässt. Das Blatt entstand gleichzeitig mit der sehr ähnlich signierten und vermutlich 1665 datierten Zeichnung "Schloss Nijenrode an der Vecht" im Amsterdamer Rijksprentenkabinet, die sowohl im Motiv als auch in der Ausführung eine große Ähnlichkeit aufweist. In beiden Blättern beeindruckt die souveräne, großzügige Feder- und Lavierarbeit, verbunden mit den lebhaften Helldunkelwirkungen. Man nimmt an, dass auch die Albertina-Zeichnung eine Stelle an der Vecht wiedergibt, an deren malerischen, baumreichen Ufern sich viele Schlösser und Landsitze befanden. Leupenius' Interesse für diese Gegend wird auch durch eine Reihe von sechs Radierungen mit Darstellungen von Schlössern und Häusern an der Vecht und der Amstel bezeugt, die er zwischen 1668 und 1671 angefertigt hat (Hollstein 10, S. 54 f., Nr. 1-6).
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 128, S. 274.
