Schloss Swieten
Roelant Roghman
1646/47
Roelant Roghman war der Sohn des Kupferstechers Hendrick Lambertsz. Roghman. Sein Großvater mütterlicherseits war Jacob Savery. Der Großteil seines OEuvre besteht aus Zeichnungen von Landschaften und topografischen Ansichten. Zudem sind fünfzig Radierungen und auch einige Gemälde bekannt.
Innerhalb des Gesamtwerks seiner Zeichnungen, die im Allgemeinen schwer datierbar sind, nehmen die großformatigen Darstellungen von Schlössern, die er 1646/47 als etwa 20-Jähriger an mehreren Orten in Utrecht und Holland anfertigte, eine eigene Stellung ein. Über Entstehungsgeschichte und Funktion dieser außergewöhnlichen Blätter ist nichts bekannt. Doch könnte in vorliegender Vedute die Wiedergabe des zeichnenden Künstlers, zu dem sich zwei Hunde gesellen, auf die Funktion eines Titelblatts hinweisen. Vom Schloss Swieten, das sich in der Nähe von Leiden befand, fertigte Roghman insgesamt vier Zeichnungen an, von denen die Versionen in Wien und im Rijksmuseum Amsterdam (Inv. RP-T-1879-A-81) weitgehend identisch sind. Es ist anzunehmen, dass die Wiener Federzeichnung vor allem aufgrund der vielen Pentimenti früher entstanden ist als das Amsterdamer Blatt, das die Formen monumentaler behandelt.
Diese sachlich beschreibenden und gleichzeitig atmosphärisch wirkenden Schlosszeichnungen sind im niederländischen 17. Jahrhundert als einmalige Leistung zu bezeichnen, die umso mehr beeindruckt, da es sich hier um Jugendwerke handelt. Erst im 18. Jahrhundert sollte dieses Genre eine weitere Verbreitung finden. Die klare Monumentalität der Blätter von Roelant Roghman blieb jedoch unerreicht.
