Zwei Bojer vor Anker
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Anfang 1640er-Jahre
Vermutlich in den frühen vierziger Jahren hielt Rembrandt in der wasserreichen Umgebung von Amsterdam zwei aneinander befestigte, vor Anker liegende Bojer fest (die Bezeichnung für einen kleinen, für offene Gewässer geeigneten Schiffstypus mit einer Rahe). Vom vorderen der beiden ist das Segel zusammengerollt, die Rahe ist schräg am Mast entlang aufgestellt; auf dem anderen Boot ist ein summarisch gezeichneter Mann sichtlich angestrengt mit dem Bergen des Segels beschäftigt. Die leise Bewegung der oben hängenden Fähnchen und die nur leicht gebrochenen Wasserspiegelungen links unten deuten auf ein ruhiges Wetter hin. Die schräggestellte Rahe wirft einen Schatten auf das zusammengerollte Segel; der Schatten des vorderen Schiffes zeichnet sich auf der linken Bugseite des nächsten Schiffes ab. Diese Schattenpositionen deuten auf ein hoch von rechts einfallendes Sonnenlicht hin; auch die betonten Helldunkel-Kontraste des halb eingezogenen Schwertes und die an den beleuchteten Stellen angebrachten Deckweiß- Akzente weisen auf die kräftige Wirkung der Sonne hin. Den Kern der Komposition bildet die Aktion des Mannes, bei dem die Falten des Segeltuchs zusammenlaufen.
Im Bereich der Landschaftszeichnungen stellt diese blattfüllende Wiedergabe der beiden Boote durch ihre betonte Objektbezogenheit eine Seltenheit dar; Boote und Schiffe sind bei Rembrandt zumeist in weit gefassten Landschaftskompositionen anzutreffen. Ebenso selten ihrer Art sind Darstellungen wie "Die Schnecke" (Inv. DG1926/286) oder "Die Kutsche" (The British Museum, London), in denen Rembrandt sich jeweils auf einen einzelnen Gegenstand konzentriert.
Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 154, S. 318.
