Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842 (Guckkastenblatt)
Leander Russ
1842
„Der Mond stand mitten in der Sonne, aber nicht mehr als schwarze Scheibe, sondern gleichsam halb transparent, wie mit einem leichten Stahlschimmer überlaufen, rings um ihn kein Sonnenrand, sondern ein wundervoller, schöner Kreis von Schimmer, bläulich, rötlich, in Strahlen auseinanderbrechend, nicht anders, als gösse die oben stehende Sonne ihre Lichtflut auf die Mondeskugel nieder, daß es rings auseinanderspritzte.“ (Adalbert Stifter, Die Sonnenfinsternis, mit einem Nachwort von Johannes Urzidil, Stuttgart 1963). #Adalbert Stifters (1805–1868) berühmte Beschreibung der totalen Sonnenfinsternis vom 8. Juli 1842 entspricht ganz der romantischen Stimmung des im selben Jahr entstandenen Aquarells von Leander Russ. Vom Leopoldsberg blickt man über die wolkenverhangene, noch unregulierte Donau auf das in fahles Licht getauchte Marchfeld (ein Teil davon gehört heute zum XXI. Wiener Gemeindebezirk), bis zu den Ausläufern der Kleinen Karpaten. Der verdunkelte Himmel ist von flackerndem Licht durchzogen, während die Sonne für wenige Augenblicke zur Gänze vom Mond verdeckt wird. Mit dem niedrigen Horizont und der verfallenen Steinmauer auf dem schmalen Wiesenstreifen im Vordergrund erinnert die stimmungsvolle Komposition an Werke #Caspar David Friedrichs (1774 –1840). In Rückenansicht dargestellte Frauen, Männer und Kinder fungieren als Identifikationsfiguren, in die sich der Betrachter hineinversetzen soll, um das seltene Naturereignis nachzuempfinden.
AK: Jakob und Rudolf von Alt, Im Auftrag des Kaisers, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder und Maria Luise Sternath, Bad Vöslau 2010, S. 170, Abb. 94.
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