Leander Russ, Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842 (Guckkastenblatt), Inv. Nr.: 22783
Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842 (Guckkastenblatt)
Leander Russ, Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842 (Guckkastenblatt), Inv. Nr.: 22783
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842 (Guckkastenblatt)

Leander Russ

1842




Der Bestand der "Guckkastenblätter" umfasst insgesamt 281 Blätter, 227 davon befinden sich in der Albertina. Sie waren für die Betrachtung durch ein optisches Gerät vorgesehen. Hierbei sollte durch einen Hohlspiegel und eine differenzierte Beleuchtung eine besondere Seherfahrung erreicht werden. Die Darstellungen wurden von den Künstlern Eduard, Gurk, Leander Russ, Jakob Alt und seinem Sohn Rudolf von Alt im Auftrag von Kaiser Ferdinand I. ausgeführt. Sie zeigen vor allem Veduten und Naturschönheiten aus dem Reich der Habsburger Monarchie, aber auch Ansichten von Italien und dem Orient (weiterführende Informationen in: Jakob und Rudolf von Alt. Im Auftrag des Kaisers, AK Albertina 2010).


Künstler:in (Wien 1809 - 1864 Kaltenleutgeben)
Date1842
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesAquarell, Deckfarben, Glanzhöhungen (Spuren einer Bleistiftvorzeichnung)
DimensionsPassepartoutausschnitt: 42,1 x 56,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number22783
Signedr.u. "Leander Russ 1842" (Großteils vom Passepartout verdeckt)
Text

„Der Mond stand mitten in der Sonne, aber nicht mehr als schwarze Scheibe, sondern gleichsam halb transparent, wie mit einem leichten Stahlschimmer überlaufen, rings um ihn kein Sonnenrand, sondern ein wundervoller, schöner Kreis von Schimmer, bläulich, rötlich, in Strahlen auseinanderbrechend, nicht anders, als gösse die oben stehende Sonne ihre Lichtflut auf die Mondeskugel nieder, daß es rings auseinanderspritzte.“ (Adalbert Stifter, Die Sonnenfinsternis, mit einem Nachwort von Johannes Urzidil, Stuttgart 1963). #Adalbert Stifters (1805–1868) berühmte Beschreibung der totalen Sonnenfinsternis vom 8. Juli 1842 entspricht ganz der romantischen Stimmung des im selben Jahr entstandenen Aquarells von Leander Russ. Vom Leopoldsberg blickt man über die wolkenverhangene, noch unregulierte Donau auf das in fahles Licht getauchte Marchfeld (ein Teil davon gehört heute zum XXI. Wiener Gemeindebezirk), bis zu den Ausläufern der Kleinen Karpaten. Der verdunkelte Himmel ist von flackerndem Licht durchzogen, während die Sonne für wenige Augenblicke zur Gänze vom Mond verdeckt wird. Mit dem niedrigen Horizont und der verfallenen Steinmauer auf dem schmalen Wiesenstreifen im Vordergrund erinnert die stimmungsvolle Komposition an Werke #Caspar David Friedrichs (1774 –1840). In Rückenansicht dargestellte Frauen, Männer und Kinder fungieren als Identifikationsfiguren, in die sich der Betrachter hineinversetzen soll, um das seltene Naturereignis nachzuempfinden.

AK: Jakob und Rudolf von Alt, Im Auftrag des Kaisers, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder und Maria Luise Sternath, Bad Vöslau 2010, S. 170, Abb. 94.

Bibliography
  • AK Albertina 1973, Nr. 234
  • Koschatzky 1975, S. 85, Abb. 81
  • Koschatzky 1991, S. 75, Nr. 203, Abb. S. 69, S. 94, Taf. 9
  • AK Albertina 2010, Nr. 94 (E. Michel)
  • AK: Jakob und Rudolf von Alt, Im Auftrag des Kaisers, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder und Maria Luise Sternath, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2010, S.171 Abb.94
  • Provenance
  • Familien-Fideikommiss-Bibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen

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    Last edited06.05.2026