Das Château Noir und die Montagne Sainte-Victoire
Paul Cézanne
um 1890-1895
Das Gebirgsmassiv Sainte-Victoire nahe seiner Heimatstadt Aix-en-Provence ist das bekannteste Motiv Paul Cézannes und geradezu Synonym für seine intensive Auseinandersetzung mit der Landschaft, die er in diesem Aquarell aus zarten Linien, Farbflecken und dem Weiß des Papiers aufbaut. Anders als die Impressionisten, die den flüchtigen Seheindruck festhielten, wollte Cézanne die Natur unabhängig von Zufälligkeiten der Lichtstimmung in ihrer beständigen Existenz darstellen. Auch hier hat er versucht, das Gesehene in eine gültige künstlerische Formensprache zu übersetzen – im Bild mittels kalkuliert nebeneinandergesetzter Farbflächen eine »Harmonie parallel zur Natur« zu erzielen. Damit bereitet er den Weg in die moderne Abstraktion.
Rahmenaußenmaß 52,5 × 69 × 4,4 cm
Das zwischen 1890 und 1895 entstandene Aquarell ist charakteristisch für Cézannes Spätstil: Mit größter Ökonomie werden Linie und Farbwerte verwendet, wodurch dem Weiß des Papiergrundes eine wichtige Rolle zufällt: "[...] nicht der große Umriß, die lapidare Körper- und Raumform sind die wahren Träger des Bildgerüstes, sondern die Bildfestigkeit beruht im Gefüge der kleinen Bildteile, in allen den Strukturformen der Farb- und Helligkeitsmodulationen, der Umriß- und Volumenbildung, die die charakteristische Art der Bildräumlichkeit Cézannes ergeben." (Novotny 1937, S. 13)
Das Gebirgsmotiv Sainte-Victoire gehörte zu Cézannes bevorzugten Motiven seiner letzten zwanzig Jahre. Einen besonderen Anziehungspunkt bildete für ihn das Château Noir, ein in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichteter, unvollendet gebliebener neugotischer Gebäudekomplex zwischen Aix-en-Provence und Le Tholonet. Da Cézanne viel in dieser Gegend arbeitete, mietete er im Château Noir von 1887 bis 1902 einen Raum zur Aufbewahrung seiner Malutensilien. Nach dem Tod seiner Mutter und dem Verkauf des elterlichen Besitzes Jas de Bouffan versuchte er vergeblich, dieses bizarr-romantische Anwesen zu erwerben.
Das Ölbild "La Montagne Sainte-Victoire et le Château Noir" (Venturi 1936, Nr. 765) im Bridgestone Museum (Tokio; https://www.artizon.museum/en/collection/art/22500§) gibt das Motiv aus dem nahezu gleichen Blickwinkel wie das Aquarell der Albertina wieder.
Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 191.
This watercolor, which dates from between 1890 and 1895, is typical of Cézanne’s mature style: line and color value are used with the utmost economy, with the result that the white tone of the paper plays a major role “[...] not the large contour or the terse bodily and spatial form are what truly carries the structure of the picture, but the strength of the composition lies in the juxtaposition of the small sections of the picture, in all the structural forms of the modulations of color and light, and in the development of contour and volume that together make up to the three-dimensionality of picture that is characteristic of Cézanne” (translated from Novotny 1937, p. 13).
The mountain of Mont Sainte Victoire was one of Cézanne’s favorite subjects in the last twenty years of his life. The Château Noir, an unfinished group of neo-Gothic buildings erected in the second half of the nineteenth century between Aix-en-Provence and Le Tholonet, had a special fascination for him. Since Cézanne worked a great deal in this area, he rented a room in the Château Noir, from 1887 to 1902, as a place to store his painting utensils. After the death of his mother and the sale of his parents’ property, Jas de Bouffan, he tried in vain to purchase this bizarrely romantic estate.
The oil painting La Montagne Sainte-Victoire et le Château Noir (Venturi 1989, no. 765) in the Bridgestone Museum (Tokyo) depicts the motif from almost the same view as the watercolor from the Albertina.
Christine Ekelhart, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), The great masters of the Albertina (Kat. Best. Albertina, Vienna 2008), Petersberg 2008, Nr. 191.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/34014/das-chateau-noir-und-die-montagne-saintevictoireImage Request