Bildnis Henriette Schnorr von Carolsfeld
Julius Veit Hans Schnorr von Carolsfeld
1817
Die Verbindung des vorliegenden Blattes mit dem zuerst von Jens Christian Jensen in AK Lübeck 1957, Nr. 179 unter dem Namen Julius Schnorrs publizierten Bildnis von Schnorrs älterer Schwester Ottilie im Besitz des Lenbachhauses München ist stilistisch nicht ganz nachzuvollziehen (vgl. Trenkwald 1985, a.a.O.; bereits kritischer AK München 1993, a.a.O.). Diese Zeichnung, wie auch durch eine mündliche Mitteilung von Stephan Seeliger freundlicherweise bestätigt wurde, dürfte vielmehr von Hans Veit Schnorr von Carolsfeld, dem Vater der Geschwister, stammen.
Mit der gestochen scharfen, glasklaren Optik sowie der grafisch gestalteten Beschriftung dieses Bildnisses seiner Halbschwester Henriette rekapituliert Julius Schnorr Muster der altdeutschen Porträtmalerei, die er etwa bei #Albrecht Dürer und #Hans Holbein d. J. in der Kaiserlichen Gemäldegalerie in Wien finden konnte. Er war 1811 hierher zum Studium an der Akademie der bildenden Künste gekommen, hatte sich aber bald dem Romantikerkreis um die Gebrüder #Ferdinand und #Friedrich Olivier angeschlossen. In Korrespondenz mit dem akademiekritischen Programm des 1809 gegründeten "Lukasbundes" bemühte man sich um eine Wiederbelebung von Kunsttraditionen des Mittelalters und der frühen Renaissance, von denen man sich zugleich eine religiöse Erneuerung versprach.
Anfang Juni 1817 fuhr Schnorr zu seiner Familie nach Leipzig. Wenig später begab er sich zu einem Sommeraufenthalt mit Wiener Kollegen ins Salzburger und Berchtesgadener Land, und noch im Herbst des Jahres trat er seine Reise nach Italien an, die vor allem das Kunstmekka Rom zum Ziel hatte und ihn dort tatsächlich bis 1827 festhielt.
Henriette Schnorr von Carolsfeld, 1797 geboren, entstammte der zweiten Ehe Hans Veit Schnorrs von Carolsfeld mit Eleonora Wilhelmine Irmisch. Über ihre Beziehung zu Julius, der noch eine ältere Schwester namens Ottilie hatte, ist nichts bekannt. Ihr Bildnis gehört zu den frühesten Zeichnungen in einem Stil, den Schnorr bewusst noch einmal für sein so genanntes "Römisches Porträtbuch" aufgerufen hat, um seinen besten Freunden ein bleibendes Denkmal zu setzen.
Maren Gröning, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 159.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/19408/bildnis-henriette-schnorr-von-carolsfeldImage Request