Der Triumphzug des Bacchus in Indien
Raffaello Santi
1517
Die Entwurfszeichnung für den "Triumph des Bacchus in Indien" war traditionell #Perino del Vaga zugeschrieben. Später sah man sie als Werk der Raphael-Werkstatt oder #Giovanni Francesco Pennis an, bis Oberhuber (1986) Raphael als Zeichner erkannte.
Die äußerst komplizierte Geschichte des Bildauftrages kann hier nur in groben Zügen wiedergegeben werden: #Alfonso I. d´Este, Herzog von Ferrara, hatte Raphael zwischen dem 21. und dem 30. März 1517 beauftragt, eine "Triumph des Bacchus in Indien" zu malen, der neben Werken von #Giovanni Bellini, #Dosso Dossi, #Fra Bartolomeo und #Tizian für seine Sammlung bestimmt war. Kontakte mit Raphael hatte man vermutlich bereits früher geknüpft. (Steiner 1977, S. 97, Anm. 7; Shearman 1987, S. 212 ff.). Am 16. Juni 1517 war das Bild noch nicht begonnen, aber vor dem 11. September 1517 hatte er eine kleine Zeichnung nach Ferrara geschickt und hörte von einem Gehilfen, dass der Maler #Pellegrino da Daniele ein Tafelbild danach gemalt hatte. Aus diesem Grunde wollte Raphael dem Herzog eine andere Darstellung liefern (Golzio 1936, S. 53-55). #Girolamo Bagnacavallo berichtet jedoch in einem Brief vom 28. Februar 1519, zwei Zeichnungen Raphaels mit dem "Triumph des Bacchus" und der "Jagd des Meleager" gesehen zu haben. Vermutlich handelt es sich dabei aber um andere Darstellungen (Shearman 1987). Zur Ausführung von Raphaels Gemälde "Triumph des Bacchus" ist es nie gekommen.
Die Albertina-Zeichnung ist ein früher Entwurf, den Raphael dann bis hin zum Modello weiter ausgearbeitet hat. Die Komposition war von großer künstlerischer Auswirkung und ist u .a. bekannt durch Stiche (Faksimile von #C. M. Metz, Jones/Penny 1983, S. 178, Abb. 190), durch Zeichnungen (Gere/Pouncey 1983, Nr. 362), durch Fresken von Perino del Vaga in Genua und von #Girolamo da Carpi in Ferrara (Steiner 1977, Taf. 65, 67a) und ein Tafelbild von #Garofalo in Dresden (Fioravaldi Baraldi 1993, Nr. 185, Taf. XXIX), von dem #Vasari (Bd. VI, S. 467) berichtet, dass es nach einer Zeichnung Raphaels entstand.
Raphaels Zeichnung mit Bacchus und Ariadne links auf dem Wagen, einem Festzug mit Panthern, Elefanten, Löwen und Kamelen und dem trunkenen Silen nahm seinen Ausgangspunkt von römischen Reliefdarstellungen mit bacchischen Prozessionen. Sicherlich kannte er den Bacchussarkophag des Casino Rospigliosi (Quednau 1987, S. 430, Fig. 18). Wahrscheinlich waren ihm auch Textstellen von #Ovid und #Lucian bekannt (Wind 1950; Steiner 1977). Die Schraffuren zwischen den Figuren in Raphaels Skizze geben deutlich diesen Reliefcharakter an. Die darunterliegende, ganz spontane Kreidevorzeichnung ist stark abweichend, am auffälligsten ist der hochgenommene Kopf und Rüssel des mittleren Elefanten. Oberhuber hat festgestellt, dass die Federskizze aus verschiedenen Tinten besteht und in drei sukzessiven Stadien entstand. Zu einzelnen Figuren müssen bereits Vorstudien existiert haben. Panisken und Bacchantinnen tauchen bereits auf dem Stich #Agostino Venezianos nach Raphael von 1516 auf, sie sind hier aber bereits eleganter und schwungvoller. Und auf einer Rötelzeichnung in Oxford mit Elefantenstudien, die wir nun Raphael zuschreiben (Ferino 1989, Abb. S. 263), erscheint der frontal gesehene Kopf des Tieres. Die Figuren im Hintergrund sind ohne Vorlage skizziert wie auf Raphaels Skizze für die "Hochzeit von Alexander und Roxane" in Haarlem von ca. 1517-1518, die mit denselben leichten Federlinien wiedergegeben ist und unserer Zeichnung sehr nahe steht. Im Gegensatz zu Raphaels vergleichbarer Federskizze des "Wunderbaren Fischzuges" in Wien von ca. 1515 (Inv. 192v) sind die Bewegungen geschmeidiger, erhalten geradezu eine federnde Leichtigkeit. Neben den stilistischen Argumenten legen die Dokumente nahe, dass die Wiener Zeichnung im Sommer 1517 entstanden ist. Bis zum endgültigen Modello haben noch einige Veränderungen stattgefunden. In der Albertina-Zeichnung fehlen oben rechts noch Jupiter und Juno. Raphael gibt später auch den strengen Reliefcharakter der Komposition auf. Er bemüht sich freilich schon hier um Symmetrie und setzt durch den Elefanten einen kräftigen Akzent in der Mitte. Steiner hat darauf hingewiesen, dass Perino interessanterweise in seinem Fresko im Palazzo Doria der Wiener Zeichnung folgt und nicht dem Modello. Er muss daher diese oder eine ähnliche Zeichnung gekannt haben. Raphael verzichtet in der endgültigen Version auf einige Figuren, komprimiert die Darstellung stärker und wählt ein annähernd quadratisches Format. Er gab damit dem mythologischen Gemälde eine Monumentalität, die seinen großen Kampfesdarstellungen gleichkommt.
Raphael und der klassische Stil in Rom, Mantua/Albertina 1999, Abb. 82, S. 142.
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