Rembrandt Harmensz. van Rijn, Zeichnung nach dem Porträt des Baldassare Castiglione von Raffael…
Zeichnung nach dem Porträt des Baldassare Castiglione von Raffael
Rembrandt Harmensz. van Rijn, Zeichnung nach dem Porträt des Baldassare Castiglione von Raffael, Inv. Nr.: 8859
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Zeichnung nach dem Porträt des Baldassare Castiglione von Raffael

Rembrandt Harmensz. van Rijn

1639




Künstler:in (Leiden 1606 - 1669 Amsterdam)
Date1639
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, weiße Deckfarbe
Dimensions16,3 x 20,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number8859
Inscribedl.o. "de Conte / batasar de / Kastijlyone / van raefael"; r.o. "verkoft / voor 3500 gulden"; M.u. "het geheel caergesoen tot Luke van Nuffeelen / heeft gegolden fl 59456: - :Ano 1639"
Markingsl. u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174) (Porträtrahmung)
Text

Unter den radierten Selbstbildnissen Rembrandts wird die sehr detailliert ausgeführte Arbeit, die den Künstler im Renaissance-Kostüm wiedergibt, von vielen am meisten bewundert (Inv. DG1926/22). Gleichzeitig sind wir in Bezug auf die anregenden Vorbilder sowie die begleitenden Umstände bei keinem Selbstbildnis so gut informiert wie bei diesem. In einem engen Zusammenhang mit dieser Radierung steht die hier gezeigte Skizze nach dem "Bildnis des Baldassare Castiglione" von #Raffael.
Eine wichtige Inspirationsquelle für seine Radierung war neben dem "Porträt eines Mannes" von #Tizian (um 1512, London, The National Gallery) das von Raffael gemalte "Bildnis des Baldassare Castiglione" (vor 1516, Paris, Musée du Louvre), das der spanische Diplomat Alfonso Lopez (1572-1649) am 9. April 1639 auf der Versteigerung der Sammlung Lucas van Uffelen in Amsterdam erworben hatte. Anlässlich dieser Versteigerung hielt Rembrandt das Raffael-Gemälde in einer spontanen Federskizze fest, wobei er die Position des Kopfes und des Baretts weitgehend änderte; auch der Blickkontakt des Dargestellten mit dem Betrachter ist hier wesentlich direkter. Angesichts der auffallend freien und ungezwungenen Interpretation des Motivs ist es sehr wohl denkbar, dass Rembrandt diese Skizze nach der Versteigerung in seiner Werkstatt aus der Erinnerung angefertigt und mit einigen schnellen Notizen versehen hat, aus denen unter anderem hervorgeht, dass das Gemälde um 3500 Gulden verkauft wurde. 
Das um ein Jahr später gemalte "Selbstbildnis" (1640, London, National Gallery) nimmt, wie die Radierung, nicht nur auf die erwähnten Gemälde von Tizian und Raffael Bezug, sondern orientiert sich gleichzeitig an der nördlichen Porträt-Tradition. Rembrandts große Vorbilder waren #Albrecht Dürer und #Lucas van Leyden, die - wie er selbst - sowohl in der Malerei als auch in der Druckgrafik herausragende Talente waren. Dass Rembrandt sich selbstbewusst in diese Tradition des 16. Jahrhunderts einzubinden beabsichtigte, geht sowohl im radierten als auch im gemalten Bildnis aus der phantasievoll kombinierten, eleganten Bekleidung hervor, die auf die heroische Vergangenheit hinweist.

Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 8, S. 68-70.

Catalogue raisonné
  • Benesch 1954-1957 (1973), Bd. 2, Nr. 451, Abb. 508 (1973: Abb. 538)
  • Bibliography
  • Hofstede de Groot 1906, Nr. 1430
  • AK Amsterdam 1935, Nr.46
  • AK Paris 1950, Nr.107
  • AK Wien 1956, Nr.43
  • AK Stockholm 1956, Nr.94
  • AK Rotterdam/Amsterdam 1956, Nr.91, Abb.32
  • AK Albertina 1969/70, Nr. 18, Abb.
  • A.K. Rembrandt. A Genius and his Impact, bearb. von A. Blankert, National Gallery of Victoria, Melbourne
  • National Gallery of Australia, Canberra, Melbourne/Sydney 1998, S. 128, Abb. 13d (unter Nr. 13)
  • A.K. Rembrandt’s Treasures, hg. von B. van den Boogert, Museum het Rembrandthuis Amsterdam, 1999, S. 38 f., Abb. 19 (Abb. S. 59, Detail)
  • A.K. Rembrandts Selbstbildnisse, hg. von C. White und Q. Buvelot, The National Gallery, London
  • Koninklijk Kabinet van Schilderijen Mauritshuis, Den Haag, 1999/2000, S. 172, Abb. 53c
  • A.K. Rembrandt, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien 2004, Nr. 8 (M. Bisanz-Prakken)
  • Stephanie Dickey, Rethinking Rembrandt's Renaissance, in: Canadian Journal of Netherlandic Studies, 28/2007, S. 1-22
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/29724/zeichnung-nach-dem-portrat-des-baldassare-castiglione-von-raImage Request
    Last edited20.07.2021