Zeichnung nach dem Porträt des Baldassare Castiglione von Raffael
Rembrandt Harmensz. van Rijn
1639
Unter den radierten Selbstbildnissen Rembrandts wird die sehr detailliert ausgeführte Arbeit, die den Künstler im Renaissance-Kostüm wiedergibt, von vielen am meisten bewundert (Inv. DG1926/22). Gleichzeitig sind wir in Bezug auf die anregenden Vorbilder sowie die begleitenden Umstände bei keinem Selbstbildnis so gut informiert wie bei diesem. In einem engen Zusammenhang mit dieser Radierung steht die hier gezeigte Skizze nach dem "Bildnis des Baldassare Castiglione" von #Raffael.
Eine wichtige Inspirationsquelle für seine Radierung war neben dem "Porträt eines Mannes" von #Tizian (um 1512, London, The National Gallery) das von Raffael gemalte "Bildnis des Baldassare Castiglione" (vor 1516, Paris, Musée du Louvre), das der spanische Diplomat Alfonso Lopez (1572-1649) am 9. April 1639 auf der Versteigerung der Sammlung Lucas van Uffelen in Amsterdam erworben hatte. Anlässlich dieser Versteigerung hielt Rembrandt das Raffael-Gemälde in einer spontanen Federskizze fest, wobei er die Position des Kopfes und des Baretts weitgehend änderte; auch der Blickkontakt des Dargestellten mit dem Betrachter ist hier wesentlich direkter. Angesichts der auffallend freien und ungezwungenen Interpretation des Motivs ist es sehr wohl denkbar, dass Rembrandt diese Skizze nach der Versteigerung in seiner Werkstatt aus der Erinnerung angefertigt und mit einigen schnellen Notizen versehen hat, aus denen unter anderem hervorgeht, dass das Gemälde um 3500 Gulden verkauft wurde.
Das um ein Jahr später gemalte "Selbstbildnis" (1640, London, National Gallery) nimmt, wie die Radierung, nicht nur auf die erwähnten Gemälde von Tizian und Raffael Bezug, sondern orientiert sich gleichzeitig an der nördlichen Porträt-Tradition. Rembrandts große Vorbilder waren #Albrecht Dürer und #Lucas van Leyden, die - wie er selbst - sowohl in der Malerei als auch in der Druckgrafik herausragende Talente waren. Dass Rembrandt sich selbstbewusst in diese Tradition des 16. Jahrhunderts einzubinden beabsichtigte, geht sowohl im radierten als auch im gemalten Bildnis aus der phantasievoll kombinierten, eleganten Bekleidung hervor, die auf die heroische Vergangenheit hinweist.
Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 8, S. 68-70.
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