Der Drususbogen in Rom
Willem Romeijn
1655
Willem Romeijn ist 1642 als Schüler von #Nicolaes Berchem in Haarlem registriert. 1644 wurde er Mitglied der Haarlemer Sankt-Lukas-Gilde, in der er in den Jahren 1659, 1660 und 1677 auch offizielle Ämter innehatte. Berchem war aller Wahrscheinlichkeit nach nie in Italien, aber sein Schüler Romeijn hielt sich zwischen 1650 und 1652 in Rom auf. Das Auftauchen 1695 datierter Zeichnungen führte jüngst zu einer Korrektur seines zuvor mit 1694 (oder früher) angegebenen Todesjahres. Während Romeijn als Maler vor allem für südliche Pastoralen bekannt ist, die von weidenden Kühen und rastenden Hirten dominiert werden, tritt er als Zeichner vielfach durch die Wiedergabe architektonischer Motive in Erscheinung. Die meisten der heute bekannten Zeichnungen stammen aus der Zeit nach seiner Rückkehr aus Italien; als Vorlagen für diese Arbeiten dienten seine in Rom entstandenen Blätter, von denen heute allerdings nur wenige Beispiele erhalten sind. Auch die architektonischen Motive, die der Künstler versatzstückartig in seine Gemälde integrierte, gehen zweifellos auf die vor Ort angefertigten Zeichnungen zurück.
Die vorliegende Darstellung des Drususbogens wurde, wie fast immer bei Willem Romeijn, in schwarzer Kreide und mit dem Pinsel in Grau ausgeführt. Mit der Entstehung im Jahre 1655 ist dieses Blatt – soweit bekannt – die früheste datierte Zeichnung des Künstlers (sein frühestes datiertes Gemälde stammt aus dem Jahre 1644). Romeijn muss diese Arbeit also nach seinem italienischen Aufenthalt geschaffen haben; wie in den meisten Fällen ist die originale Vorlage verloren gegangen.
Die Zeichnung lässt sich motivisch mit einer gleichfalls monochromen Arbeit in Zusammenhang bringen, die #Willem van Bemmel (1630-1708) – der sich gleichzeitig mit Willem Romeijn in Rom aufhielt – vielleicht unmittelbar vor Ort gezeichnet hat. Die Zeichnung van Bemmels (Kupferstichkabinett, Dresden), dessen Stil mit der Arbeitsweise Romeijns eine große Ähnlichkeit aufweist, gibt denselben Bogen von der anderen Seite wieder, mit dem Blick auf die Porta San Sebastiano.
Beide Zeichnungen vertreten einen weit verbreiteten Typus. Seit #Jan Asselyn (1610/1614-1652), einem Hauptvertreter der zweiten Italianisantengeneration, erfreuten sich bildhaft geschlossene, monochrome Zeichnungen von römischen Architekturfragmenten einer großen Beliebtheit. Später geborene Künstler wie Willem Romeijn oder Willem van Bemmel setzten diese Praxis fort und traten durch Zeichnungen hervor, in denen die Erfassung des aus archäologischer Sicht Interessanten und die subtile Wiedergabe der vom südlichen Licht definierten Oberflächenwerte nach wie vor eine harmonische Verbindung eingehen.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 168, S. 356.
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