Stehender Hirtenknabe
Adriaen van de Velde
um 1663
Adriaen van de Velde war der Sohn des Marinemalers #Willem van de Velde des Älteren (Inv. 10038) Während sein älterer Bruder, #Willem van de Velde der Jüngere (Inv. 31521), den Spezialismus des Vaters ausübte, widmete Adriaen sich in seinen Gemälden, Zeichnungen und Radierungen hauptsächlich der Wiedergabe von niederländischen und südlichen Landschaften mit Figuren und Tieren. Arnold Houbraken zufolge wurde er beim Haarlemer Landschaftsmaler #Jan Wynants ausgebildet (Houbraken, 1753, Bd. 2, S. 90). Seit spätestens 1657 war er wieder in Amsterdam, wo er bis zum Ende seines kurzen Lebens - er starb mit 36 Jahren - tätig war. Adriaen van de Velde zog täglich "ins Feld" (Houbraken), um Tiere und Landschaften zu zeichnen. Ob er in Italien war, ist nicht bekannt. Angenommen wird, dass van de Velde in seinen südlichen, pastoralen Landschaftsmotiven von den niederländischen Italianisanten inspiriert wurde. In diesem Zusammenhang werden Künstler wie #Pieter van Laer, #Nicolaes Berchem, #Karel Dujardin und andere genannt.
Trotz dieser Einflüsse war Adriaen van de Velde eine durchaus authentische Künstlerpersönlichkeit. Seine - bisher nicht katalogisierten - Zeichnungen weisen ihn als eine souveräne Begabung in verschiedenen Techniken und Methoden aus.
Ab 1660 spielen die Figuren in seinen Landschaften eine zunehmend wichtige Rolle; aus den 1660er-Jahren stammt ein Großteil seiner Figurenstudien, auf die er in seinen Kompositionen vielfach zurückgriff.
Auch die auffallend signierte Zeichnung eines stehenden Knaben diente als Vorarbeit für ein kleines, 1663 datiertes und signiertes Gemälde mit der Darstellung eines jungen Hirten oder Bauernburschen; sogar im Schattenwurf stimmen die beiden Kompositionen überein. Der Verbleib des Gemäldes ist jedoch unbekannt (Foto: RDK Den Haag). Die Gestalt des kleinen "lazzarone" oder Hirtenknaben knüpft, wie Otto Benesch feststellt, an die Werke von Italianisanten wie Pieter van Laer an. Das Blatt gehört zur Kategorie der sorgfältig ausgeführten Rötelstudien, die sich durch ein sicheres Formgefühl, eine sorgfältige Modellierung und eine äußerst subtile Lichtführung auszeichnen. Peter Schatborn bezeichnet die Figurendarstellungen von Adriaen van de Velde sogar als einen Höhepunkt der holländischen Zeichenkunst des 17. Jahrhunderts (AK Amsterdam/Washington 1981/82, S. 118).
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 90, S. 198.
