Ansicht des Hafens von Beirut (Guckkastenblatt)
Leander Russ
1842
Beirut – seit dem Zweiten Weltkrieg Hauptstadt des Libanon – war bereits unter den Phöniziern ein bedeutender Stadtstaat. Im Jahr 551 zerstörten ein Erdbeben und eine Flutwelle die antike Stadt, doch blieb Beirut während seiner wechselvollen Geschichte ein wichtiges Handelszentrum. Die von einem erhöhten Standpunkt aus gemalte Ansicht der belebten Hafenstraße mit der pittoresk im Wasser gespiegelten Kreuzfahrerfestung vor der Kulisse des schneebedeckten Libanongebirges gehört zu Leander Russ’ besten und atmosphärisch dichtesten Blättern. Das Aquarell zählt zu den Vorläufern der Orientmalerei, der sich vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele österreichische Maler, darunter #Leopold Carl Müller (1835–1892), widmeten. Zugleich enthält die idyllische Hafenansicht mit der österreichischen Flagge auf dem Fahnenmast rechts einen unübersehbaren Hinweis auf die damalige Zeitgeschichte und den militärischen Ruhm Österreichs: Im Zuge der Orientkrise (1839–1841) wurde Beirut im September 1840 von britischen, österreichischen und türkischen Truppen besetzt.
AK: Jakob und Rudolf von Alt, Im Auftrag des Kaisers, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder und Maria Luise Sternath, Bad Vöslau 2010, S. 174, Abb. 96.
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