Das Abendgebet (Erzherzogin Sophie mit ihren Kindern)
Peter Fendi
1839
Das Motiv der Mutterliebe und die Schilderung kindlicher Andacht nehmen einen breiten Raum im Œuvre Peter Fendis ein. Eine Verquickung der beiden Themen findet sich im Auftragswerk Das Abendgebet, das Erzherzogin Sophie mit ihren vier Kindern zeigt und das, wie aus historischen Quellen hervorgeht, als Weihnachtsgeschenk für ihren Gemahl, Erzherzog Franz Carl, gedacht war.
In diesem Familienbild wird durch die Darstellung des herumliegenden Spielzeugs sowie dadurch, dass kein Gesicht dem Betrachter zugewandt ist, die absolute Privatheit und Intimität des Moments betont. Wiederholt wurde Fendi von der Erzherzogin auch als Porträtist ihrer Kinder engagiert. Die Bildnisse dienten vor allem dazu, Verwandte über die Entwicklung des Nachwuchses zu unterrichten.
Rahmenaußenmaß 46,5 × 55,5 × 3,6 cm
Durch seine sprechenden Kinderszenen und seine ungewöhnlich brillante Aquarellkunst war Fendi einer der beliebtesten Maler des Wiener Biedermeier. Das Figurenentwerfen und -komponieren lernte er an der Wiener Akademie (seit 1810) sowie durch das Nachzeichnen antiker Skulpturen. Sein Fleiß, seine Zuverlässigkeit und seine Umgänglichkeit - trotz einer Behinderung - trugen ihm 1818 die Stelle eines Illustrators am k. k. Münz- und Antikenkabinett ein, die bis zum Schluss eine sichere Lebensgrundlage blieb. Daneben entwickelte er jedoch seit den späten 1820er-Jahren ein ganz eigenständiges Profil als Spezialist für Darstellungen aus dem Alltag einfacher Leute. Er gab deren Sorgen und Nöte mit einer rührenden Naivität und mit einem feinen, an der holländischen Malkultur des 17. Jahrhunderts geschulten Gespür für koloristische Stimmungen wieder, die damals nicht nur bürgerlichen Kunstsammlern entsprachen, sondern insbesondere die hocharistokratische Kundschaft anzogen.
Das vorliegende Aquarell wurde 1839 von #Erzherzogin Sophie, der Mutter des späteren #Kaisers Franz Joseph I. als Weihnachtsgeschenk für ihren Gemahl #Erzherzog Franz Carl in Auftrag gegeben. Man sieht Sophie mit ihren vier Kindern, wie sie sich zur Andacht vor einer durch einen Vorhang und einen Faltparavent abgeschirmten Bilderwand versammelt haben. Franz Joseph (geb. 1830), der Älteste und Thronfolger, kniet neben seiner Mutter, ganz vorne auf dem Gebetsstuhl erscheinen #Ferdinand Max (geb. 1832) und der kleine #Ludwig Viktor (geb. 1842), links hinten #Karl Ludwig (geb. 1833).
Ihre rituelle Haltung verkörpert einen gewissen Kontrast zum lockeren Ensemble der Zimmereinrichtung - eigentlich nur ein Wohnraum, den die Kinder offenbar gerade noch zum Spielen benützt haben. Diese Momentaufnahme aus dem privaten Bereich kommt auch in der Rückenansicht der Personen zur Geltung, als würden sie tatsächlich unbeobachtet agieren. Das Gebet der Familie erscheint damit nicht nur als ein offizielles repräsentatives, "gestelltes", sondern als ein von persönlicher Überzeugung und spontaner Motivation getragenes Anliegen.
Maren Gröning, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 170.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/38022/das-abendgebet-erzherzogin-sophie-mit-ihren-kindernImage Request