Bildnis einer Dame mit Cape und Hut
Gustav Klimt
1897-1898
Rahmenaußenmaß 59,3 × 45,4 × 3,4 cm
Gustav Klimt, der älteste Sohn des Goldgraveurs Ernst Klimt sen., studierte von 1876 bis 1883 an der Wiener Kunstgewerbeschule; seine Hauptfächer waren Zeichnung und Malerei. Mit #Franz Matsch und seinem Bruder #Ernst bildete Gustav Klimt von 1880 bis 1892 eine erfolgreiche Arbeitsgemeinschaft, die in öffentlichen Gebäuden mehrere dekorative Aufträge ausführte. Im Laufe der 1890er-Jahre vollzog sich seine Wende vom Historismus zum Symbolismus; 1897 wurde er zum Präsidenten der neu gegründeten "Secession" ernannt.
Meilensteine seiner modernen Monumentalkunst sind die drei Fakultätsbilder, deren Präsentationen in der Secession (1900, 1901 und 1903) jeweils großes Aufsehen erregten. Den Höhepunkt seiner secessionistischen "Stilkunst" bildet der "Beethovenfries" (1902). 1905 verließ Klimt mit einer Gruppe von gleichgesinnten Kollegen die Vereinigung. In der Kunstschau (1908) stellte er die Hauptwerke seiner "Goldenen Periode" aus, darunter das Gemälde "Der Kuss". In seinen Landschaften, Porträtbildern und Allegorien lockert sich ab 1910 sein Pinselstrich; er lässt den "Goldenen Stil" hinter sich und malt - vor allem beeinflusst von seinen französischen Zeitgenossen - in kräftigen, leuchtenden Farben.
Seine rund 4000 erhaltenen Zeichnungen entstanden zum Großteil im Zusammenhang mit den Allegorien und den Porträtgemälden; fast alle Blätter sind dem Studium großteils weiblicher Modelle gewidmet. Schon zu Lebzeiten war Klimt vor allem durch seine erotischen Linienschöpfungen berühmt.
Zu den herausragenden Zeichnungen der späten 1890er-Jahre gehört das Halbbildnis einer im Gegenlicht dargestellten Frau, deren hell schimmernde Gesichtsform sich scharf von der in feinsten Schwarz-Grau-Nuancen angelegten, dämmrigen Umgebung abhebt; den Kontrapunkt zu den dunklen, diffusen Formen bildet die schmale, helle Öffnung des Fensters. Dass Klimt diese Arbeit selbst sehr geschätzt hat, zeigt sich in dem Umstand, dass er sie im ersten Jahrgang der Secessionszeitschrift "Ver Sacrum" (1898) abbilden ließ. Das Blatt gehört zu einer Reihe von Bildnisdarstellungen in schwarzer Kreide, die - kurz vor 1900 entstanden - von weichen Schwarz-Weiß-Übergängen geprägt sind. Sehr wirksam waren für Klimt die Anregungen, die er in dieser Phase der symbolistischen "Stimmungskunst" von den Zeichnungen des Belgiers #Fernand Khnopff, der Franzosen #Albert Besnard und #Eugène Carrière sowie des Schweden #Anders Zorn empfing.
vgl. Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 206.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/1990/bildnis-einer-dame-mit-cape-und-hutImage Request