Gustav Klimt, Bildnis einer Dame mit Cape und Hut, Inv. Nr.: 36058
Bildnis einer Dame mit Cape und Hut
Gustav Klimt, Bildnis einer Dame mit Cape und Hut, Inv. Nr.: 36058
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Bildnis einer Dame mit Cape und Hut

Gustav Klimt

1897-1898




Künstler:in (Wien 1862 - 1918 Wien)
Date1897-1898
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze und rote Kreide auf Papier
Dimensions44,6 × 31,8 cm
Rahmenaußenmaß 59,3 × 45,4 × 3,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number36058
Inscribedverso "Klimt, Mädchenkopf/Secessions-Ausstell. 30/5 98 fI 100.-" l.o. "1"
Signedr.u. "GVSTAV | KLIMT∙"
Markingsverso Stempel der Zentralstelle für Denkmalschutz (Dreieck mit der Inschrift "von der Zentralstelle für Denkmalschutz zur Ausfuhr freigegeben")
Text

Gustav Klimt, der älteste Sohn des Goldgraveurs Ernst Klimt sen., studierte von 1876 bis 1883 an der Wiener Kunstgewerbeschule; seine Hauptfächer waren Zeichnung und Malerei. Mit #Franz Matsch und seinem Bruder #Ernst bildete Gustav Klimt von 1880 bis 1892 eine erfolgreiche Arbeitsgemeinschaft, die in öffentlichen Gebäuden mehrere dekorative Aufträge ausführte. Im Laufe der 1890er-Jahre vollzog sich seine Wende vom Historismus zum Symbolismus; 1897 wurde er zum Präsidenten der neu gegründeten "Secession" ernannt.
Meilensteine seiner modernen Monumentalkunst sind die drei Fakultätsbilder, deren Präsentationen in der Secession (1900, 1901 und 1903) jeweils großes Aufsehen erregten. Den Höhepunkt seiner secessionistischen "Stilkunst" bildet der "Beethovenfries" (1902). 1905 verließ Klimt mit einer Gruppe von gleichgesinnten Kollegen die Vereinigung. In der Kunstschau (1908) stellte er die Hauptwerke seiner "Goldenen Periode" aus, darunter das Gemälde "Der Kuss". In seinen Landschaften, Porträtbildern und Allegorien lockert sich ab 1910 sein Pinselstrich; er lässt den "Goldenen Stil" hinter sich und malt - vor allem beeinflusst von seinen französischen Zeitgenossen - in kräftigen, leuchtenden Farben.
Seine rund 4000 erhaltenen Zeichnungen entstanden zum Großteil im Zusammenhang mit den Allegorien und den Porträtgemälden; fast alle Blätter sind dem Studium großteils weiblicher Modelle gewidmet. Schon zu Lebzeiten war Klimt vor allem durch seine erotischen Linienschöpfungen berühmt.
Zu den herausragenden Zeichnungen der späten 1890er-Jahre gehört das Halbbildnis einer im Gegenlicht dargestellten Frau, deren hell schimmernde Gesichtsform sich scharf von der in feinsten Schwarz-Grau-Nuancen angelegten, dämmrigen Umgebung abhebt; den Kontrapunkt zu den dunklen, diffusen Formen bildet die schmale, helle Öffnung des Fensters. Dass Klimt diese Arbeit selbst sehr geschätzt hat, zeigt sich in dem Umstand, dass er sie im ersten Jahrgang der Secessionszeitschrift "Ver Sacrum" (1898) abbilden ließ. Das Blatt gehört zu einer Reihe von Bildnisdarstellungen in schwarzer Kreide, die - kurz vor 1900 entstanden - von weichen  Schwarz-Weiß-Übergängen geprägt sind. Sehr wirksam waren für Klimt die Anregungen, die er in dieser Phase der symbolistischen "Stimmungskunst" von den Zeichnungen des Belgiers #Fernand Khnopff, der Franzosen #Albert Besnard und #Eugène Carrière sowie des Schweden #Anders Zorn empfing.

vgl. Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 206.



Catalogue raisonné
  • GKZ389, Strobl 389
  • Bibliography
  • Ver Sacrum, Heft 3, März 1898, S. 18
  • Ver Sacrum, Gustav Klimt, XVIII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs, Nov. – Dez. 1903 (Sonderheft)
  • Christian M. Nebehay, Gustav Klimt. Dokumentation, Wien 1969, S. 119 (Abb. 177)
  • Gustav Klimt. Zeichnungen aus Albertina- und Privatbesitz (Ausst. Kat. Museum Folkwang, Essen 1976), Essen 1976, Nr. 9 (Abb.)
  • Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878-1903, Bd. I, Salzburg 1980, WV-Nr. 389, S. 126 (Abb. S. 127)
  • F. Koreny, in: Vom Biedermeier zur Moderne, 12 ausgewählte Blätter aus dem Besitz der Graphischen Sammlung Albertina, Wien, in Faksimile-Wiedergaben, Neuerwerbungen seit 1962, Festgabe für Walter Koschatzky zum 65. Geburtstag, Graz 1986, Nr. IX (Taf.), Veröffentlichungen der Albertina Bd. XXI
  • Ilona Sármány-Parsons, Gustav Klimt, New York 1987 (Abb. S. 30)
  • Gottfried Fliedl, Gustav Klimt. 1862-1918. Die Welt in weiblicher Gestalt, Köln 1989 (Farbabb. S. 203)
  • Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen Nachtrag 1878-1918, Bd. IV, Salzburg 1989, WV-Nr. 389, S. 236
  • Toni Stooss / Christoph Doswald (Hg.), Gustav Klimt (Ausst. Kat. Kunsthaus Zürich, Zürich 1992), Ostfildern-Ruit 1992 , S. 236, Kat. Z 29 (Abb. S. 237)
  • Marian Bisanz-Prakken, Heiliger Frühling. Gustav Klimt und die Anfänge der Wiener Secession 1895–1905 (Ausst. Kat. Albertina, Wien 1998/99), Wien 1998, Nr. 128
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Slg. Kat. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 206 (Marian Bisanz-Prakken)
  • Marian Bisanz-Prakken, Nuda Veritas. Gustav Klimt and the origins of the Vienna Secession 1895 – 1905 (Ausst. Kat. Szépmüvésti Muzeum, Budapest 2010/11), Budapest 2010, Nr. 47, S. 82
  • Marian Bisanz-Prakken, Gustav Klimt. Die Zeichnungen (Ausst.-Kat. Albertina, Wien 2012 / The J. Paul Getty Museum, Los Angeles 2012), München 2012, Nr. 22
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Meisterzeichnungen der Albertina. Schiele bis Giacometti, Wien 2003, Abb.6
  • Marian Bisanz-Prakken, Klimts zeichnerisches Universum: Grundhaltungen – Seelenstimmungen, in: Tobias G. Natter (Hg.), Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Köln 2012, S. 370-457, hier S. 439 (Abb. 91)
  • Klimt / Schiele: Drawings from the Albertina Museum, Vienna, (Ausst. Kat. Royal Academy of Arts, London 2018/19), London 2018, S. 109, 110, Kat. 56 (Abb. S. 38 Detail)
  • Elisabeth Dutz (Hg.), Gustav Klimt. 100 Meisterwerke aus der Albertina (Ausst. Kat. Albertina, Wien 2022), Wien 2022
  • Provenance
  • vermutlich bis 1933 Karl Lanckoroński-Brzezie, Wien
  • vermutlich ab 1933 Karolina (1898-2002) und Adelheid Lanckorońska (1903-1980), Wien (als Erbinnen von Karl Lanckoroński, Wien)
  • 1971 Albertina, Wien (erworben von Karolina und Adelheid Lanckorońska, Wien)
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/1990/bildnis-einer-dame-mit-cape-und-hutImage Request
    Last edited03.05.2026