Anton Josef Trčka, Egon Schiele, Inv. Nr.: ESA679
Egon Schiele
Anton Josef Trčka, Egon Schiele, Inv. Nr.: ESA679
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Egon Schiele

Anton Josef Trčka

1914




Künstler:in (Wien 1893 - 1940 Wien)
Dargestellt (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Date1914
Object TypeFotografie
Object typePhotograph
Materials / TechniquesBromöldruck auf Untersatzkarton
DimensionsFotopapier: 19,5 × 16,4 cm (7 11/16 × 6 7/16 in.)
Karton: 27 × 21,5 cm (10 5/8 × 8 7/16 in.)
Rahmenaußenmaß: 42,6 × 32,6 × 3,7 cm
Passepartout (ESA PPA 1): 40 × 30 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberESA679
Inscribedl.o. "EGON / SCHIELE" (weißer Farbstift); Untersatzkarton: verso: l.u. "679" (Bleistift)
SignedM.l. "ANT / IOS / 1914" (weißer Farbstift)
MarkingsUntersatzkarton: r.u. "EGON / SCHIELE / ARCHIV" (violetter Stempel)
Text

Nur drei Jahre jünger als Egon Schiele wurde #Anton Josef Trčka als Fotograf zum kongenialen Partner des Älteren. So epigonal #Trčka als Maler, Graphiker und Bildhauer ist; als Fotograf schuf er Akte, Landschaften und vor allem Porträts, die zum Besten der Zwischenkriegszeitfotografie zählen: eine Symbiose aus Piktorialismus, secessionistischer Stilisierung, expressiver Körpersprache und der für das Art Deco typischen mondän-kapriziösen Bildsprache. #Trčkas bekannteste Werke wurden die noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs entstandenen Bildnisse von Egon Schiele und #Gustav Klimt. (Faber 1999, S. 36 ff.)


 

Die Frage nach der eigentlichen Autorschaft der sechs Fotografien von Schiele – der sich inszenierende Schiele oder der hinter der Kamera stehende #Trčka – lässt sich nicht sinnvoll nach nur einer Seite beantworten. Für die ästhetische Wirkung sind der knappe Bildausschnitt und die flächenfüllende Komposition mit der nah an den Betrachter und an den Bildrand herangerückten Figur des Dargestellten essentiell. Das sind räumlich-kompositorische Gestaltungsprinzipien, die Schiele in seinen Gouachen nie, in den kleinformatigen Gemälden der sogenannten Bretter selten anwendet. Am nächsten kommt dem nahen Bildausschnitt der Porträtfotografien Schieles Öl-Studie zu den Eremiten, das „Selbstbildnis mit gesenktem Kopf“ von 1912 (Leopold Museum, Wien). Im Jahr der Entstehung der Fotografien schafft Schiele längst wieder Distanz zwischen Modell und Betrachter. Auch die klare innerbildliche Rahmung der fotografischen Porträts und die orthogonale Gliederung des Hintergrunds zählen nicht zu Schieles Formvokabular. Vollends ist die von #Trčka vor allem durch die Nachbearbeitung in der Dunkelkammer, die durch Retusche bewerkstelligte Präsentation Schieles in einem eigenen Vordergrundraum und seine Hinterlegung mit einem lichtvollen, diaphanen Hintergrund #Trčkas ureigenste Lösung. Licht und Dunkelheit als eigenständige Medien spielen für Schiele keine Rolle mehr. Deren Darstellung ist an ein Konzept des ästhetisierenden Naturalismus gekoppelt, das Schiele längst überwunden hat.

 

Umgekehrt sollte aber der gestalterische Anteil Schieles an den Fotografien nicht unterschlagen werden. Das performative Sich-In-Szene-Setzen; die betonte Körpersprache – sie kombiniert auch hier die verkrampften Hände entweder mit einem ruhigen oder mit einem zielgerichtet konzentrierten Blick ; diese gestisch-mimisch vermittelte Wirkungsästhetik ist Schieles eigenem Verständnis von Inszenierung, theatralem Rollenspiel und der für ihn so typischen Inkohärenz zwischen Gesichtsausdruck und Körpersprache zu danken. Diese Exaltiertheit fällt so sehr auf, dass #Trčkas Bildkomposition und Lichtregie sowie die ebenfalls allein dem Fotografen geschuldete präzise gestaltete Figur-Rahmen-Konstellation leicht übersehen wird. Die Serie der sechs Fotografien mit Egon Schiele sind in ihrer formalen Eigenart nur als partnerschaftlich gleichberechtigte Arbeit zu verstehen: Bildnisfotografie und Selbstporträt zugleich.

Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, S. 270-272.

Bibliography
  • Nebehay 1979, Abb. 117
  • Faber 1999, S. 11
  • Klaus Albrecht Schröder (Autor und Hg.), Egon Schiele (Kat. Ausst., Albertina, Wien 2005/2006), München, Berlin, London, New York 2005, Nr. 148
  • Natter/Trummer 2006, S. 173
  • Helmut Friedel und Helena Pereña (Hg.), Egon Schiele "Das unrettbare Ich". Werke aus der Albertina, Ausst.- Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Köln 2011, Nr. 9
  • Klaus Albrecht Schröder in: Museo Guggenheim Bilbao (Hg.), Egon Schiele. Obras del Albertina Museum, Viena, (Kat. Ausst., Museo Guggenheim Bilbao, Bilbao 2012/2013), Bilbao 2012, S. 147 (in spanischer Sprache)
  • Agnes Husslein-Arco/Rolf H. Johannsen (Hg.), Experiment Expressionismus. Schiele meets Nosferatu (Ausst. Kat. Heidi Horten Collection Wien 2025), Wien 2025, S. 105
  • Provenance
  • Egon Schiele-Archiv Max Wagner-Stiftung
  • erworben 1954 durch Legat Max Wagners

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    Last edited18.03.2026

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