Frans Crabbe, Esther vor Ahasver, Inv. Nr.: DG1949/619
Esther vor Ahasver
Frans Crabbe, Esther vor Ahasver, Inv. Nr.: DG1949/619
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Esther vor Ahasver

Frans Crabbe

ca. 1525




Um ihr Volk vor der Vernichtung zu retten, nähert sich die schöne Jüdin Esther trotz ausdrücklichen Verbots und unter Lebensgefahr dem Perserkönig Ahasver. Dieser berührt die vor Angst fast Ohnmächtige zum Zeichen seines Wohlwollens mit dem Szepter am Kopf.

Frans Crabbe, der mindestens 38 Radierungen schuf, orientierte sich für seine Darstellung der biblischen Szene an einem Kupferstich Lucas van Leydens. Durch lange und kurze Striche, Punkte und Schraffuren schuf er Hell- und Dunkeleffekte und grenzte die dargestellten Gegenstände deutlich voneinander ab. Selbst eine chemische Reaktion setzte er bewusst ein, um die dunkle Fläche der großen Fensteröffnung ornamental mit Kreisformen zu beleben: Diese entstanden durch Bläschen, die sich beim Ätzvorgang des Kupfers mit Salpetersäure bilden und normalerweise weggewischt werden.



Künstler:in (Mechelen um 1480 - 1553 Mechelen)
Dateca. 1525
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesRadierung
Dimensions25,6 × 19,1 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1949/619
WatermarkWasserzeichen auf der Rückseite des Cahierblattes kopiert
Im Kontext der Sammlung
Mit der Radierung hielten Physik und Chemie Einzug in die Kunsttechnik. Das Verfahren mit dem so eigenartigen Namen – es hat nicht mit Radieren im geläufigen Sinn zu tun – zählt zu den Tiefdruckverfahren, bei denen die zu druckenden Linien in die metallenen Druckformen (Eisen oder Kupfer) eingetieft werden. Bei der Radierung geschieht das mithilfe einer Säure. Das Prinzip der Radierung besteht darin, diejenigen Bereiche, die im Säurebad nicht angegriffen werden sollen, mit einem säureresistenten Ätzgrund zu bedecken. Das sog. Ätzwasser (etwa Essig- oder Salpetersäure) greift offen liegenden Partien an, die vom Ätzgrund abgedeckten Bereiche bleiben intakt. Für die Radierung wird nun der Ätzgrund mittels einer Nadel angeritzt – im Deutschen: radiert (engl. erased) –, so dass entlang dieser Linien die Metalloberfläche wieder freiliegt und an eben diesen Stellen die Säure einwirken kann.
Der oft spontane Duktus des Strichbildes einer Radierung steht der Anmutung einer Zeichnung näher als andere Hoch- und Tiefdruckverfahren, was ihre zunehmende Beliebtheit erklärt, bis sie im 18. Jahrhundert alle übrigen druckgrafischen Techniken dominierte.
Wie viele bahnbrechende Erfindungen bietet die Radierung Vor-, aber auch Nachteile: Sie ist, da die Radiernadel wie ein Stift geführt werden kann, wesentlich schneller und Kräfte sparender auszuführen als der mit unterschiedlichen Sticheln vorzubereitende Kupferstich. Der Nachteil sind die durchwegs gleichartigen und bei genauem Hinsehen stumpf ausgefransten Linien, die, wenn sie allzu dicht beieinanderliegen, jede noch so gelungene Komposition verunklären können. Bei Eisenradierungen besteht außerdem die Gefahr der allmählichen Plattenkorrosion, aus der im Druckbild wolkige graue Flecken resultieren.
Der erste, der eine nach diesem Verfahren geätzte Platte auf Papier abdruckte, war nach heutigem Kenntnisstand Daniel Hopfer (Kaufbeuren 1471–1536 Augsburg). Sein "Christus als Schmerzensmann" ist die älteste in der Albertina verwahrte Eisenradierung und überhaupt eines der frühesten Beispiele für diese Technik.
Catalogue raisonné
  • Popham, Crabbe 25
  • Passavant 1860-1864 25
  • Hollstein Dutch & Flemish 1
  • Bibliography
  • AK The Renaissance of Etching - Frühe Radierung, Metropolitan Museum of Art, New York und Albertina, Wien 2019/20, S. 81 f,., Kat. 32 (N. Orenstein)
  • Provenance
  • Albertina, Altbestand

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    Last edited07.03.2022