Marcantonio Raimondi, Martha führt Magdalena zu Christus, Inv. Nr.: DG1970/289
Martha führt Magdalena zu Christus
Marcantonio Raimondi, Martha führt Magdalena zu Christus, Inv. Nr.: DG1970/289
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Martha führt Magdalena zu Christus

Marcantonio Raimondi

um 1520-1522




Künstler:in ((Argini bei Bologna?) um 1480 - 1527/34 Bologna)
Nach (Urbino 1483 - 1520 Rom)
Dateum 1520-1522
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesKupferstich
Dimensions23 x 34,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1970/289
Text

Die Darstellung "Martha führt Magdalena zu Christus" steht in Verbindung mit der Dekoration im oberen Bereich der Massimi-Kapelle (Delaborde 1888, S. 98), die sich an fünfter Stelle links in der Kirche SS. Trinità dei Monti befindet. Laut Vasari (Bd. V, S. 417, S. 620 f.) war das Gewölbe mit den vier Evangelisten und die Lünetten mit vier Bildern aus dem Leben der heiligen Maria Magdalena von #Giulio Romano und #Giovanni Francesco Penni bemalt und mit Stuck verziert. Das ebenfalls erwähnte Altarbild mit dem "Noli me tangere" befindet sich im Prado (Ferino Pagden 1989, S. 85, Abb. S. 82). Die Ausstattung der Kapelle, die einst einer römischen Kurtisane gehörte, erfolgte wohl erst in den Jahren nach Raphaels Tod. Sie wurde aber erst unter dem neuen Kapellenbesitzer #Angelo Massimi vollendet, der von #Perino del Vaga zwischen 1537 und 1539 die untere Wandzone dekorieren ließ (Parma Armani 1986, S. 284-286; Cordellier/Py 1992, S. 595-597). Von der ursprünglichen Ausmalung, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts verlorenging, sind nur einige abgenommene Fragmente erhalten. Darunter befindet sich das Giulio zugeschriebene Fresko mit der "Mystischen Erhebung der heiligen Maria Magdalena" (Ferino Pagden 1989, S. 79). Vasari schreibt zwar, dass die vier Magdalenenszenen in den Lünetten dargestellt waren, doch laut Mariette (Abecedario, Bd. 4, S. 285 f.) befand sich das Fresko "Martha führt Magdalena zu Christus" im Gewölbe direkt über dem Bogen am Kapelleneingang und das "Gastmahl im Hause Simons des Pharisäers" über dem Fenster. Auch hat Marcanton nur diese beiden Szenen gestochen und nicht alle vier Darstellungen, wie Vasari angibt.
Zu der Darstellung auf dem Stich haben sich zwei Zeichnungen in München und in Chatsworth erhalten, die oben allerdings bogenförmig abschließen. Das Blatt in Chatsworth kommt dem Stich in den Maßen sehr nahe und könnte laut Shoemaker (1981, S. 172) daher als direkte Vorlage gedient haben. Marcanton hat die Darstellung auf ein Rechteckfomat vergrößert und die Perspektive der Architekturen verändert, was die Raumwirkung jedoch beeinträchtigt. So ist die Verkürzung der Treppenstufen unstimmig, und die verbindende Funktion des Tempels, der die Bewegung von Martha und Magdalena direkt zu Christus weiterleitet, ist abgeschwächt. Die Münchner Zeichnung gibt sicher ein früheres Entwurfsstadium als das Blatt in Chatsworth und der Stich von Marcanton wieder (Ferino Pagden 1989, S. 252 f.). Vasari erwähnt (Bd. IV, S. 417) den Stich von Marcanton einmal im Zusammenhang mit Entwürfen Raphaels, während er kurz darauf davon spricht, dass Giulio die Szene erst nach Raphaels Tod stechen ließ. Die Technik entspricht tatsächlich Marcantons Stil um 1520-1522 und dürfte zur gleichen Zeit wie "Paulus predigt den Athenern" (Inv. DG1970/288) entstanden sein. Charakteristisch ist das kontrastreiche Helldunkel, das dem Blatt ein holzschnittartiges Aussehen gibt. Darin unterscheidet er sich von dem noch malerischeren Stich "Christus, Maria, Johannes der Täufer und die heiligen Katharina von Alexandrien und Paulus" (Inv. DG1970/330), der aus der Zeit um 1520 stammen dürfte. Die Figuren werden durch die Modellierung nun stark voneinander abgesetzt und erhalten durch das dichte Liniengefüge ein extrem plastisches Aussehen. Hierbei sind die Gewänder steif und bilden scharfkantige Falten. Die Architektur ist in einfachen und regelmäßigen Linien wiedergegeben, wodurch ihre monumentale Wirkung erhöht wird.
Von #Georg Matheus existiert eine Clair-obscur-Holzschnitt nach dem Druck (Bartsch 1803-1821, Bd. 12, S. 37, Nr. 12; AK Paris 1983/84, S. 393, Nr. 91), während eine Zeichnung in der Albertina gegenseitig mit dem Stich übereinstimmt (Birke/Kertész I, S. 103). Weitere Kopien sind bei Delaborde (1888, S. 98) aufgelistet.

Raphael und der klassische Stil in Rom, Mantua/Albertina 1999, Abb. 118, S. 180-181.

Catalogue raisonné
  • Bartsch 1803-1821, 14, S. 51 f., 45
  • Passavant 1860-1864, 6, S. 15, 18
  • Le Blanc, 3, S. 274, 20
  • TIB 26.64.45 (51)
  • Bibliography
  • Delaborde 1888, S. 98, Nr. 15
  • Oberhuber 1972, S. 29
  • AK München 1977, S. 116-118
  • Frerichs 1978, S. 111. Abb. 6
  • Shoemaker 1981, S. 172 f., Nr. 56
  • AK Paris 1983/84, S. 355 f., Nr. 40 (P. Jean-Richard)
  • AK Rom 1985, S. 221 f., Nr. XI, 1
  • Ferino Pagden 1989, S. 252
  • Cordellier/Py 1992, S. 597 f.
  • AK Mantua/Albertina 1999, Nr. 118 (A. Gnann)
  • Provenance
  • Albertina, Altbestand

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/124177/martha-fuhrt-magdalena-zu-christusImage Request
    Last edited04.11.2025