Marcantonio Raimondi, Venus und Adonis, Inv. Nr.: DG1971/436
Venus und Adonis
Marcantonio Raimondi, Venus und Adonis, Inv. Nr.: DG1971/436
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Venus und Adonis

Marcantonio Raimondi

um 1516




Künstler:in ((Argini bei Bologna?) um 1480 - 1527/34 Bologna)
Nach (Rom 1499 - 1546 Mantua)
Dateum 1516
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesKupferstich; 1. Zustand
Dimensions26,5 x 17,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1971/436
Text

Marcantons Darstellung entspricht gegenseitig dem Bild an der Nordwand der Stufetta des #Kardinals Bernardo Dovizi da Bibbiena (Redig de Campos 1983, Abb. 16). Venus und Adonis hatten sich nach der Jagd im Schatten einer Pappel niedergelassen, wobei sich Venus rücklings an die Brust des Jünglings lehnte, der sie liebkoste (Ovid, Metamorphosen, X, 555-558). Der Stich unterscheidet sich in vielen Details von dem Fresko und kann daher nicht nach diesem entstanden sein. Vielmehr basiert er auf Giulios Rötelzeichnung in der Albertina (Inv. 17632), die auch #Agostino Veneziano (The Illustrated Bartsch 27, S. 158, Nr. 485) für seinen gleichseitigen Stich verwendete. Dieser hält sich in der Wiedergabe des Gesichts von Adonis oder in der Gestaltung des linken Armes von Venus enger an die Zeichnung als Marcanton. Agostinos Stich kann daher keine Kopie mit Veränderungen im Hintergrund nach Marcanton sein, wie u.a. Bartsch vermutete. Andererseits kann Marcantons "Venus und Adonis" keine Kopie nach Agostinos Stich sein, da Adonis wie auf der Zeichnung eine Sandale trägt, zwischen seinen Fingern das Gewand der Venus gleitet und der Zeigefinger von Venus linker Hand hochgespreizt ist. Auf diese Details hat Agostino verzichtet. Die Tatsache, dass beide Stecher unabhängig voneinander und wohl zur gleichen Zeit (1516) nach derselben Entwurfszeichnung gearbeitet haben, ist außergewöhnlich. Zunächst fällt die wesentlich reichhaltigere Landschaft bei Marcanton auf, die zudem in der Gestaltung der Baumgruppe hinter dem Paar dem Fresko näher steht. Das üppige Laubwerk mit dem Waldstückchen auf dem Hügel lichtet sich allmählich und lässt im Hintergrund ein Städtchen am Fluss erkennen, hinter der sich ein hohes Bergmassiv ausbreitet. Diese Elemente hat Marcanton von #Dürers Kupferstich mit dem so genannten "Großen Herkules"  (Bartsch 1803-1821, 7, S. 86, Nr. 73) entnommen, während der Baumstumpf rechts im Vordergrund von Stichen #Lucas van Leydens angeregt sein mag (vgl. "Kreuztragung", Bartsch 1803-1821, 7, S. 375, Nr. 67). Das detailliert gezeichnete Blattwerk und die Wiedergabe des Baumes mit seinem silbrig schillernden Stamm und den Unregelmäßigkeiten der Rinde offenbart das Studium von Dürers "Adam und Eva" (Bartsch 1803-1821, 7, S. 30, Nr. 1), aus dem im Übrigen auch der Schafbock entnommen ist. Marcanton hat ihn hier eingefügt, da er ein Attribut der Venus ist und ihre Wollust ("Luxuria") verkörpert (G. P. Valeriano, Buch X, Kap. XXXII; Ripa, 1603, S. 77, 295).
In der charakteristischen Gestaltung der Landschaft bildet Marcantons Stich geradezu das Pendant zu #Marco Dentes "Venus, die sich einen Dorn aus dem Fuß zieht" (The Illustrated Bartsch 27, S. 11 f., Nr. 321). Es wäre möglich, dass Raphael Agostinos Stich nicht befriedigte und er eine größere Homogenität der Stichserie anstrebte. Aus diesem Grund mag er Marcanton gebeten haben, die Szene ein zweites Mal zu stechen.

Raphael und der klassische Stil in Rom, Mantua/Albertina 1999, Abb. 41, S. 102.

Catalogue raisonné
  • Bartsch 1803-1821, 14, S. 359, 484-I
  • Passavant 1860-1864, 6, S. 30 f., 93
  • Le Blanc, 3, S. 281, 292
  • TIB 27.156.484-I (359)
  • Bibliography
  • Passavant 1860, Bd. 2, S. 231, Nr. 214
  • Dollmayr 1890, S. 280
  • Delaborde 1888, S. 167 f., Nr. 123
  • Bianchi 1968, S. 685, Anm. 219
  • AK Albertina 1983, S. 182
  • AK Rom 1985, S. 62, VI 1 (S. Massari)
  • AK Mantua/Albertina 1999, Nr. 41 (A. Gnann)
  • Provenance
  • Albertina, Altbestand

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    Last edited30.09.2025