Hirtenlandschaft
Claude Gellée gen. Claude Lorrain
Die Zeichnung wird von der rechten Baumgruppe dominiert, an der Lorrain weniger die Baumkronen als vielmehr die rhythmisch gekrümmten Stämme sowie die Darstellung ihrer knorrigen Rinde interessiert haben dürfte. Als Kontrast zu der geschlossenen Wirkung und vertikalen Monumentalität der Bäume wird der Blick des Betrachters über horizontale, in Licht-und Schattenzonen unterteilte Bildebenen in die Tiefe gelenkt. Die Weite und atmosphärische Stimmung erfährt durch den blauen Papierton noch eine zusätzliche Steigerung. Das Motiv einer dekorativ angeordneten Baumgruppe findet sich bei Lorrain häufig, entweder als zentrales Bildthema wie hier oder z.B. einer Zeichnung des Teyler Museums, Haarlem (Röthlisberger 1968, Nr.675), wo die rechte Bildhälfte ebenfalls in verwandter Weise von emporragenden Baumstämmen eingenommen wird, oder weitaus am meisten als Repoussoirelement einer größeren Bildkomposition. Knab hielt die "Hirtenlandschaft" zunächst nicht für eigenhändig und schrieb sie einem Nachahmer Claudes in der Art des Giovanni Domenico Desiderii (Knab 1953, Nr.48) zu. 1993 wurde das Blatt wieder unter Lorrain angeführt (F.263) und wegen der "grobschlächtigen Manier" in die frühen sechziger Jahre datiert. Röthlisberger ordnet die Landschaft dagegen zwischen 1640 und 1645 ein, was stilistische Vergleiche wie z.B.mit der Zeichnung "Samuel salbt David" (Röthlisberger 1968, Nr.523r) doch näherliegender erscheinen lassen, wo ein auffallend ähnlich rigider, kleinteiliger graphischer Duktus und eine verwandte räumliche Gestaltung von parallel abfolgenden Hell/Dunkelzonen zu finden sind.
Christine Ekelhart, in: A Qintessece of Drawing, Masterworks from the Albertina, New York, Solomon R.Guggenheim Museum, 1997, Nr. 44. (in englischer Sprache)
