Kopfstudie zu Johannes dem Täufer für das Kuppelfresko in Val-de-Grâce
Pierre Mignard
um 1663 - 1666
Die Darstellung ist eine Studie für das Kuppelfresko in Val-de-Grâce. Die bedeutendste Pariser Barockkirche ist eine Stiftung der Königinmutter Anne d’Autriche. Aus Anlass der Geburt des künftigen Königs Ludwig XIV. beauftragte sie 1645 Mansart mit dem Bau und 1663 Mignard mit der Ausmalung. Mignard malte »al fresco«, eine Technik, die er in Italien kennengelernt hatte. Die Figuren bereitete er mit Einzelstudien vor, wie er es in Italien, aber auch im Atelier bei Simon Vouet gelernt hatte. Die Gesichtszüge des Johannes wirken individualisiert und nicht zuletzt durch die Ausführung mit drei Kreiden sehr lebendig, sodass der Kopf unmittelbar nach dem Modell gezeichnet worden sein muss.
Das Albertina-Blatt ist eine von nur zwei bekannten Studien zu Figuren für Pierre Mignards zwischen 1663-66 ausgeführtes Kuppelfresko "Der himmlische Ruhm" ("La Gloire céleste") von Val-de-Grâce. Es bereitet den Kopf der rechts unterhalb Gottvaters erscheinenden Figur des hl. Johannes des Täufers vor. Das Museum von Rochester, New York, besitzt eine Studie zum Kopf der hl. Cäcilie (Colloque Mignard, p. 172, Abb. 7; https://magart.rochester.edu/objects-1/info?query=mfs%20any%20%22Mignard%22&sort=9&page=3§). Sowohl für die in konzentrischen Kreisen angelegte Komposition als auch für die Figurentypen sind italienische Vorbilder, insbesondere Correggio und Domenichino, verantwortlich. Michel II Corneille (1642-1708) wiederholte das Kuppelfresko später in Form eines Grisaille-Rundbildes auf Leinwand in verkleinertem Maßstab (Louvre, Inv. 6680; https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010062216§) als beispielhaftes Vorbild an der Académie royale de peinture et sculpture. Dieses Grisaillebild erlaubte Gérard Audran (1640-1703) zwischen 1691 und 1693 einen aus sechs Einzelteilen bestehenden Kupferstich mit identen Maßen (130 cm Durchmesser) herzustellen. Die Albertina besitzt darüber hinaus eine Zeichnung (siehe F. 434 = Inv. 15238) des gesamten Kuppelspiegels, deren Zuschreibung an Antoine Dieu (1662-1727) mehr als fragwürdig ist und deren tatsächlicher Schöpfer leider noch nicht identifiziert werden konnte.
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 42, Nr. 433.
The sheet is a study for the head of Saint John the Baptist in Val-de-Grâce. Apart from another sheet in the Museum of Rochester in New York (https://magart.rochester.edu/objects-1/info?query=mfs%20any%20%22Mignard%22&sort=9&page=3§), which prepared the head of Sainte Cécile in the fresco, this drawing is the only preserved figure study for the monumental decoration in the cupola.
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