Giuseppe Nicola Vicentino (Rossigliani), Die Anbetung der Könige, Inv. Nr.: DG2002/418
Die Anbetung der Könige
Giuseppe Nicola Vicentino (Rossigliani), Die Anbetung der Könige, Inv. Nr.: DG2002/418
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Anbetung der Könige

Giuseppe Nicola Vicentino (Rossigliani)

um 1527-1529




Künstler:in (Italien, geboren 1501/1515)
Nach (Parma 1503 - 1540 Casalmaggiore)
Dateum 1527-1529
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesClair-obscur-Holzschnitt von drei Platten
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2002/418
Signedr.u. ".F.P"
Im Kontext der Sammlung
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Dieses Blatt befindet sich auf Seite It/I/2/18 des Klebebandes Italien nach Sektionen I/2. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich die vorliegende Seite befindet, umfasst Arbeiten aus dem Raum Italien. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 1, welche vornehmlich Grafiken beinhaltet, bei welchen Erfindung und druckgrafische Ausführung meist in der Hand derselben Künstlerin bzw. desselben Künstlers liegt. Es ist der 2. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Text

Die Anbetung der Könige gilt seit der Zuschreibung von A. Bartsch  traditionell als ein Werk von Niccolò Vicentino. Die Buchstaben »F. P.«  (beschnitten) am rechten unteren Rand sind die Initialen des Namens  Francesco Parmigianino, auf den die Erfindung der Komposition  zurückgeht. Die seiten- und annähernd maßgleiche Vorzeichnung  des Künstlers, die zudem Nicolas Beatrizet in einem Kupferstich  wiedergegeben hat (B. XV, S. 235f., Nr. 13), befindet sich in Frankfurt  (Städel Museum; Wien 2013, Abb. 54). Sie könnte auf der rechten Seite geringfügig  beschnitten sein, da der Kopf des Esels, der auf vollständigen  Exemplaren des Clair-obscurs erscheint, nicht mehr zu erkennen  ist. Niccolò folgt in seinem Chiaroscuroschnitt dem Entwurf ansonsten  getreu, verzichtet aber auf die genaue Wiedergabe von Details  in den Schattenzonen, die durch parallele Linien mit der schwarzen  Strichplatte angedeutet sind. Die Gestalten verlieren dadurch  an plastischer Substanz und werden zu einer einheitlichen Gruppe  verschmolzen, wohingegen sie in der Vorzeichnung ihre Individualität  bewahren. Der vermutlich speziell für die Wiedergabe im Holzschnitt  geschaffene Entwurf wird gewöhnlich in die bolognesische  Periode datiert, und in der Tat erinnert der kraftvolle Stil der Figuren  mit ihren aneinandergedrängten Bewegungen an Blätter wie die  Heilung der Aussätzigen in Chatsworth aus der Zeit um 1527 bis 1529  (Popham 1971, Nr. 690, Pl. 133). Möglicherweise hat Niccolò in dieser  Zeit auch den Holzschnitt geschaffen, zumal sich der malerische  Stil mit seinen wässrigen, auseinanderfließenden Farbflächen von  vermutlich späteren Blättern wie das der Flucht der Cloelia (Albertina, Inv. DG2002/363) unterscheidet. In diesem ist das Liniensystem der Strichplatte  feiner und dergestalt auf die Farbplatten abgestimmt, dass die Körper  plastischer und raumhafter wirken. Engere Bezüge ergeben sich  zu Holzschnitten wie die Heilung der Aussätzigen (Albertina, Inv. DG2002/422), in denen  die Gliedmaßen ähnlich biegsam und die Gesichter rein zeichnerisch  angedeutet sind. In diesen schließt Niccolò unmittelbar an  den Stil von Ugo da Carpi an, dessen Schüler er möglicherweise in  Rom war. Im Hinblick auf Parmigianinos Zeichnung mag die Einfügung  schmückender Details, wie der Kamele im Hintergrund, auf  den Einfluss von Baldassare Peruzzis Anbetung der Könige hinweisen,  die der Maler 1522/23 für den Grafen Bentivoglio in Bologna geschaffenen  hat (siehe Frommel 1967–1968, Kat. 76). Die mit einer Fülle erzählerischer  Einzelheiten prachtvoll ausgestaltete Anbetungsszene  Peruzzis hatte großen Einfluss auf Darstellungen dieses Themas in  der Malerei Bolognas. Zugleich beruft sich Parmigianino noch auf  eigene Werke aus der römischen Zeit wie die von Gian Giacomo Caraglio  nach einer Zeichnung in den Kunstsammlungen zu Weimar  im Jahre 1526 gestochene Anbetung der Hirten (Gnann 2007, Kat.  521; B. XV, S. 68f., Nr. 4), in der die Figuren ebenfalls entlang einer abfallenden  Schräglinie zu der am Boden sitzenden Muttergottes und  dem Christuskind vordrängen, die durch eine Säule als einziger vertikaler  Akzent hervorgehoben werden. Wie K. Oberhuber (Wien 1963)  bemerkt hat, überliefert das hier ausgestellte Blatt den zweiten Zustand (vgl. Albertina, Inv. DG2002/417, Inv. DG1140), bei dem die Spitze des zweiten horizontal verlaufenden Balkens  der Stallarchitektur mit der zweiten Farbplatte charakterisiert  wird, während diese Stelle im ersten Zustand (Albertina, Inv. DG2002/416) ein Stück der schwarzen  Strichplatte markiert.   

 

Literatur: Nagler 1835–1852, Bd. 20, 1850, S. 208, Nr. 2; Pittaluga 1930, S. 248f.; Copertini  1932, Bd. 2, S. 42; Servolini 1932, S. 71; Wien 1963, Nr. 100; Popham 1969, S. 51,  Anm. 9; Popham 1971, S. 13, unter Nr. 137; Trotter 1974, S. 258f.; Frankfurt 1980, unter  Nr. 25; Karpinski 1983, S. 87; Gnann 2002, S. 292; Parma und Wien 2003, Kat. 2.4.11  (Text v. A. Gnann); Ottawa und New York 2003–2004, Nr. 63; Tokio 2005, Kat. 28;  München und Frankfurt 2007–2008, Kat. 70; Paris, Rouen, Ajaccio 2011–2012, Kat.  31 (Text v. D. Vandecasteele) 

Catalogue raisonné
  • Bartsch XII.30.3
  • Le Blanc IV.116.2
  • Bibliography
  • vgl. Achim Gnann, AK, In Farbe! Clair-obscur-Holzschnitte der Renaissance. Meisterwerke aus der Sammlung Georg Baselitz und der Albertina in Wien, München 2013, S. 206-207
  • Provenance
  • Albert von Sachsen-Teschen
  • Albertina

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/136142/die-anbetung-der-konigeImage Request
    Last edited19.01.2015

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