Die Apostel Petrus und Johannes
Ugo da Carpi
um 1524-1525 (Neuauflage Andreani um 1602-1610)
Die traditionelle Zuschreibung des mit drei Platten gedruckten Clair-obscur-Holzschnittes mit den beiden Aposteln Johannes und Petrus an Ugo wurde u. a. von Copertini (1932) und Servolini (1977) übernommen. Nach Popham (1971) könnte der Holzschnitt jedoch späteren Datums sein, und auch Johnson (1982) hat das Blatt nicht in seinen Katalog aufgenommen. Eindeutig für Ugo spricht jedoch die Feinheit der Ausführung, die sensible Unterscheidung zwischen dem energischen und würdevollen Haupt des Petrus und den weichen und jugendlichen Gesichtszüge des Johannes, und die Sicherheit, mit der das ausgesparte Weiß des Blattgrundes die Raumhaftigkeit der Gesten anschaulich macht. So vermag Ugo durch wenige unregelmäßige Lichtakzente den abgewinkelten Arm des Johannes, die Rundung der Schulter, den gestauten Stoff und die zupackende Handbewegung wiederzugeben, an dem wie später beim "Diogenes" (Inv. DG2003/3031) sogar die feinen Adern hervortreten. Bei keinem Blatt der #Antonio da Trento (Bartsch 1803-1821, Bd. 12) zugeschriebenen Apostelserie ist eine vergleichbare Feinheit in der Zeichnung und Komplexität in der Abstimmung der Farbplatten zu erkennen. Der Clair-obscur-Holzschnitt von Ugo gibt ein maßgleiches Blatt Parmigianinos im Louvre gleichsinnig wieder (Popham 1971, Nr. 376, Taf. 384). Bacou (AK Paris 1964, S. 57) hat zu Recht bemerkt, dass die mit schwarzer Kreide, brauner Lavierung und Weißhöhung ausgeführte Zeichnung mit den Entwürfen für das "Martyrium des heiligen Paulus und die Verurteilung des heiligen Petrus" verwandt ist, doch Popham (1971, S. 138) datierte sie in die zweite Parmaer Periode (1530-1540) des Künstlers. Dies ist jedoch auszuschließen, da Parmigianinos Figuren in der Spätzeit wesentlich plastischer aufgefasst sind. Die beiden Apostel Johannes und Petrus wirken dagegen in ihren überlängten Körpern, den leichten, federnden Schritten noch wesentlich flächiger und lassen sich gut mit Parmigianinos Entwürfen für die "Grablegung Christi" vergleichen. Wie auf einem Entwurf hierzu in Parma (Popham 1971, Nr. 555, Taf. 158) werden die Gestalten von breiten Helldunkelpartien umhüllt, und es finden sich dieselben überlängten Körper mit den kleinen Köpfen und dieselben schwungvollen Umrisse, die die heftige innere Erregung zum Ausdruck bringen. Die Figur am linken Rand der Zeichnung in Parma ist im Ausdruck vollkommen mit der des Apostel Petrus identisch. Möglicherweise ist der Clair-obscur-Holzschnitt zur gleichen Zeit wie der Entwurf dazu, somit um 1524-1525 entstanden. Im zweiten Zustand trägt das Blatt das Monogramm von Andrea Andreani.
Raphael und der klassische Stil in Rom, Mantua/Albertina 1999, Abb. 254, S. 346.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/136312/die-apostel-petrus-und-johannesImage Request