Visor
Alex Katz
2003
Rahmenaußenmaß: 194 × 366 × 5,5 cm
Alex Katz, Sohn osteuropäischer Einwanderer, wurde 1927 in Brooklyn geboren und studierte zwischen 1946 und 1949 Malerei an der New Yorker Cooper Union. Er war einer der ersten Künstler, der sich von der gestischen Malerei Ende der 50er-Jahre abwandte und sich dem "Neuen Realismus" widmete. Die Künstler des Abstrakten Expressionismus und der "New York School" - vor allem #Jackson Pollock und #Arshile Gorky - beeinflussten ihn jedoch in seiner Auseinandersetzung mit dem gestischen, pastosen Farbstrich. Katz' erste Werke waren Bilder von Bäumen und Ästen, die in ihrer Gegenständlichkeit auch abstrakte Tendenzen aufweisen. Er verwendete auch alte, gefundene Fotografien von Kindern als Vorlage für seine ersten Ölbilder. In diesen frühen Darstellungen findet man trotz ihres Realismus abstrakte Farbfelder sowie unausgeführte Gesichter; sie wirken eher durch ihren gestischen Farbduktus als durch ihre Linienführung.
Ab 1959 beginnt Katz, seinen später unverkennbaren Stil zu entwickeln: Er verzichtet in seinen Porträts immer mehr auf gestische, dicke Farbfelder zugunsten von flach gemalten Gesichtern. Konturen und präzise abgestimmte Farbnuancen verleihen den Porträts eine malerische, aber dennoch sehr differenzierte Form von Realismus. Für distanzierte Kunst wurde in den 90er-Jahren analog zum Cool Jazz eines Miles Davis der Begriff des Cool Painting geprägt. Für seine Malerei charakteristisch sind überlebensgroße Motive, exzentrische Kompositionen und die Vorliebe für das Wide-Screen-Format sowie das Arbeiten nach Fotografien bei gleichzeitiger forcierter, plakathafter Flächigkeit der Erscheinung.
Landschaftsausschnitte, Familienmitglieder und Freunde werden zu den langjährigen Sujets in Katz' Bilderwelt. Seine unverkennbare Handschrift ändert sich ab 1965 nur mehr wenig. Der flache Pinselstrich weist oft einen grafischen Charakter auf. Starke Farbkontraste wie rote und schwarze Hintergründe für ein hellhäutiges Gesicht präzisieren die Physiognomien der dargestellten Figuren nur noch mehr, deren Eigentümlichkeiten stark hervorgehoben werden. Ab Mitte der 60er-Jahre schafft Katz, beeinflusst von Henri Matisse' Cut-outs, großformatige, mit Schablonen ausgeschnittene stehende Figuren. Der flächige Bildaufbau seiner Werke unterscheidet den Künstler von den gestischen, aber auch von der realistischen Malerei seiner Zeit (New Perceptual Realism), wie sie Philip Pearlstein vertritt.
Als Vorstufe der kontrastreichen, großformatigen Ölbilder dient dem Künstler die Vorzeichnung, mit deren Hilfe er die Komposition seiner Bilder definiert. Es sind Umrisszeichnungen, die auf Packpapier mit Kohle und Kreide skizziert werden. Im Anschluss daran paust Katz zur Übertragung der Komposition die Farbpigmente durch perforierte Umrisslinien auf die Leinwand.
Barbara Steffen, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 263.
