Sägewerk
Adolf Friedrich Erdmann Menzel
1892
Das Wirken des Menschen in der Natur thematisiert diese Ansicht eines in die Landschaft eingebetteten Sägewerks. Der Werksschuppen, Schienen und herumliegende Baumstämme sind realitätsgetreu festgehalten. Die lockeren, teils gewischten Bleistiftstriche und der angeschnittene Bildausschnitt täuschen einen nur flüchtigen Blick vor, der einem willkürlichen Schnappschuss gleicht. Tatsächlich gab Menzel genau wieder, was er sah: »Kein Gegenstand war ihm zu gering, und er zeichnete, wo er ging und stand, mit geradezu krankhaftem Eifer« (Paul Meyerheim über Adolph Menzel 1906). Seine enorme Begabung, jeden Realitätsausschnitt zeichnerisch zu durchdringen, macht seine Arbeiten zu einem visuellen Erlebnis eigener Art.
Wahrscheinlich wurde die vorliegende Ansicht in Süddeutschland oder Österreich aufgenommen, wohin Menzel bereits seit den 1850er-Jahren viele Sommerreisen führten. Er liebte außerdem die in diesen Regionen verbreitete Barockarchitektur mit ihrer virtuos ausschweifenden Ornamentik.
Dieser Aspekt scheint hier allerdings eher an den Rand gedrängt. Es sind der Werksschuppen, die Schienen und verstreuten Lager einer direkt in die Landschaft eingebetteten Sägerei, die den Beobachter mit einer fast ungeheuren Formverflechtung konfrontieren. Bei genauerem Hinsehen merkt man jedoch, dass Menzel sich von einer solchen Vielfalt von Details kaum irritieren lässt. Jeder Strich, jede Linie, jeder Punkt und jeder Fleck steht im Zusammenhang mit konkreten Gegebenheiten. Alle Verkürzungen, Schattierungen und Überschneidungen stimmen, auch wenn die Lockerheit der Faktur einen nur flüchtigen Blick vortäuscht.
Menzels enorme Begabung, die grenzenlose Dichte jedes Realitätsausschnittes zeichnerisch zu durchdringen, machen seine Arbeiten zu einem visuellen Erlebnis eigener Art (vgl. Inv. 28041).
Maren Gröning, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 180.
