Claude Gillot, Vermählung eines Satyrs mit einer Nymphe  (Vorzeichnung zur Serie "La vie des sa…
Vermählung eines Satyrs mit einer Nymphe (Vorzeichnung zur Serie "La vie des satyres")
Claude Gillot, Vermählung eines Satyrs mit einer Nymphe (Vorzeichnung zur Serie "La vie des satyres"), Inv. Nr.: 11965
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Vermählung eines Satyrs mit einer Nymphe (Vorzeichnung zur Serie "La vie des satyres")

Claude Gillot

Vor 1700




Ein Satyrclan feiert seine Feste. Gillot beschreibt mit Witz und Drastik das menschliche Leben am Beispiel frivoler Aktivitäten triebhafter Geschöpfe. Die beiden bühnenmäßig arrangierten Szenen zeigen Gillots Vorliebe für die Welt des Theaters, insbesondere der Commedia dell´arte. Bukolik, Pikanterie und spielerische Heiterkeit treten bei Gillot an die Stelle inhaltsschwerer Historienbilder und monumentaler Prachtentfaltung, die charakteristisch für das ausgehende Zeitalter Ludwigs XIV. waren. Gillots lebendig gezeichnete Darstellungen fantasievoller Traumwelten markieren den Beginn des Rokoko und wirken auf seinen Schüler Watteau ikonografisch wie stilistisch entscheidend weiter.



Künstler:in (Langres 1673 - 1722 Paris)
DateVor 1700
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSpuren schwarzer Kreide, Feder in Schwarz, Pinsel in rot, rötlichbraun laviert, mit Deckweiß gehöht, Durchgriffelungen
Dimensions21,7 x 32,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number11965
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die Albertina besitzt zwei finale Vorzeichnungen zu der vier Radierungen umfassenden Serie Gillots, "Les vies des sartyrs", die von Jean Audran im Medium des Kupferstiches überarbeitet und ergänzt wurden (siehe Populus 1930, pp. 79-81, Nr. 5-8). Die vier Radierungen Gillots bzw. die Kupferstiche Audrans geben Geburt, Ausbildung, Hochzeit und Tod von Satyrn wieder. Mit Grasselli (in: Cambridge 1998, pp. 166/167, Nr. 33) glauben wir, daß es sich bei den beiden Zeichnungen der Albertina (F. 1042/Inv. 11966, F. 1043/Inv. 11965) um Vorlageblätter handelt, die der Übertragung in das Medium der Radierung unmittelbar vorangegangen waren. Eine nur mit der Feder ausgeführte Zeichnung in der Jeffrey E.Horvitz-Sammlung aus derselben Serie, "Das Begräbnis eines Satyrs" (Populus 1930, Nr. 8), zeigt hingegen Gillots Zeichenkunst in einem früheren Stadium der Bildentstehung; es wäre daher denkbar, daß mit dem Horvitz-Blatt vergleichbare und den Albertina-

Zeichnungen vorangegangene Vorzeichnungen noch aufgefunden werden könnten. Es ist auch nicht auszuschließen, daß dieser Serie ursprünglich noch weitere Szenen angehören sollten, könnte doch ein in Maßen, Sujet und Technik verwandtes Blatt im Metropolitan Museum in New York ("Der zum Stillstand gekommene Satyrnzug", siehe New York 1999, pp. 2/3, Nr. 1) für einen umfangreicheren Zyklus oder aber für einen letztlich verworfenen Entwurf sprechen. Darüber hinaus nimmt ein technisch mit den Albertina-Blättern vergleichbares, im Format allerdings unterschiedliches Blatt in der Pierpont Morgan Library in New York (Paris 1993 [3], p.78. Nr. 33) einen weiteren, den Albertina-Blättern thematisch verwandten Zyklus von Radierungen, "Les Quatre Ages du Satyre" (Populus 1930, Nr. 390-393), vorweg, zu dem die übrigen Vorzeichnungen heute, nachdem sie noch im 19. Jahrhundert in der Paignon-Dijonval Sammlung vereint waren, verschollen scheinen (Denison, in Paris 1993 [3], Nr.33).

 

Zum Blatt: Vorzeichnung im Gegensinn zu "Le mariage" der aus vier Radierungen bestehenden Serie "La vie des satyres" (siehe F. 1042/Inv. 11966; Populus 1930, pp. 80/81, Nr. 7).






Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004,  S. 216f., Nr. 1043.





Catalogue raisonné
  • Widauer 2004, F 1043
  • Bibliography
  • Joachim Poley, Claude Gillot. Leben und Werk. 1673-1722. Ein Beitrag zur französischen Kunstgeschichte des XVIII. Jahrhunderts, Würzburg 1938, S. 51, Nr. 84
  • Wien 1950, p.19, Nr. 63
  • Morgan-Grasselli, in: Cambridge 1998, p.166, Nr. 33 (Erwähnung)
  • New York 1999, pp. 2/3, Nr. 1 (Erwähnung)
  • Albertina, Meisterzeichnungen: Tiepolo bis Goya, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.15
  • Claude Gillot. Comédies, fables & arabesques, Ausst.-Kat. Paris, Musée du Louvre 2023/2024, fig. 27 und Detail auf S. 43
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited08.09.2025