Vermählung eines Satyrs mit einer Nymphe (Vorzeichnung zur Serie "La vie des satyres")
Claude Gillot
Vor 1700
Ein Satyrclan feiert seine Feste. Gillot beschreibt mit Witz und Drastik das menschliche Leben am Beispiel frivoler Aktivitäten triebhafter Geschöpfe. Die beiden bühnenmäßig arrangierten Szenen zeigen Gillots Vorliebe für die Welt des Theaters, insbesondere der Commedia dell´arte. Bukolik, Pikanterie und spielerische Heiterkeit treten bei Gillot an die Stelle inhaltsschwerer Historienbilder und monumentaler Prachtentfaltung, die charakteristisch für das ausgehende Zeitalter Ludwigs XIV. waren. Gillots lebendig gezeichnete Darstellungen fantasievoller Traumwelten markieren den Beginn des Rokoko und wirken auf seinen Schüler Watteau ikonografisch wie stilistisch entscheidend weiter.
Die Albertina besitzt zwei finale Vorzeichnungen zu der vier Radierungen umfassenden Serie Gillots, "Les vies des sartyrs", die von Jean Audran im Medium des Kupferstiches überarbeitet und ergänzt wurden (siehe Populus 1930, pp. 79-81, Nr. 5-8). Die vier Radierungen Gillots bzw. die Kupferstiche Audrans geben Geburt, Ausbildung, Hochzeit und Tod von Satyrn wieder. Mit Grasselli (in: Cambridge 1998, pp. 166/167, Nr. 33) glauben wir, daß es sich bei den beiden Zeichnungen der Albertina (F. 1042/Inv. 11966, F. 1043/Inv. 11965) um Vorlageblätter handelt, die der Übertragung in das Medium der Radierung unmittelbar vorangegangen waren. Eine nur mit der Feder ausgeführte Zeichnung in der Jeffrey E.Horvitz-Sammlung aus derselben Serie, "Das Begräbnis eines Satyrs" (Populus 1930, Nr. 8), zeigt hingegen Gillots Zeichenkunst in einem früheren Stadium der Bildentstehung; es wäre daher denkbar, daß mit dem Horvitz-Blatt vergleichbare und den Albertina-
Zeichnungen vorangegangene Vorzeichnungen noch aufgefunden werden könnten. Es ist auch nicht auszuschließen, daß dieser Serie ursprünglich noch weitere Szenen angehören sollten, könnte doch ein in Maßen, Sujet und Technik verwandtes Blatt im Metropolitan Museum in New York ("Der zum Stillstand gekommene Satyrnzug", siehe New York 1999, pp. 2/3, Nr. 1) für einen umfangreicheren Zyklus oder aber für einen letztlich verworfenen Entwurf sprechen. Darüber hinaus nimmt ein technisch mit den Albertina-Blättern vergleichbares, im Format allerdings unterschiedliches Blatt in der Pierpont Morgan Library in New York (Paris 1993 [3], p.78. Nr. 33) einen weiteren, den Albertina-Blättern thematisch verwandten Zyklus von Radierungen, "Les Quatre Ages du Satyre" (Populus 1930, Nr. 390-393), vorweg, zu dem die übrigen Vorzeichnungen heute, nachdem sie noch im 19. Jahrhundert in der Paignon-Dijonval Sammlung vereint waren, verschollen scheinen (Denison, in Paris 1993 [3], Nr.33).
Zum Blatt: Vorzeichnung im Gegensinn zu "Le mariage" der aus vier Radierungen bestehenden Serie "La vie des satyres" (siehe F. 1042/Inv. 11966; Populus 1930, pp. 80/81, Nr. 7).
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 216f., Nr. 1043.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/22441/vermahlung-eines-satyrs-mit-einer-nymphe--vorzeichnung-zurImage Request