Der Tod reitet nach rechts über ein Schlachtfeld; rechts oben Gewand- und Pferdestudien
Stefano della Bella
zwischen 1639 und 1650
"Der Tod auf dem Schlachtfeld" gehört durch die packende Schilderung und die grauenerregende Fantastik zu den ausdrucksstärksten Zeichnungen von Stefano della Bella. Mit stolzer Erhabenheit reitet der Todesbote auf den Kriegsschauplatz, auf dem seine Gehilfen schon ihre Opfer niedermetzeln. Kalt und mit unerbittlicher Bestimmtheit thront er auf einem Pferdegerippe, das er am schlaffen Zügel wie eine Marionette hält, wenngleich das Ross ungestüm, wie von einer gespenstischen Kraft getrieben, fortgaloppiert. Der Künstler steigert durch die skizzenhaften Linien, die sich in freier, spielerischer Manier überlagern, die Dynamik der Bewegungen und verleiht der Darstellung durch die wässrige, das gesamte Papier bedeckende Lavierung eine äußerst malerische Wirkung. Der fahle graue Farbton und das drahtige Liniengerüst vermögen eindrucksvoll den schaurigen Zustand der halb verwesten, halb als Skelett erscheinenden Körper wiederzugeben.
Die Zeichnung diente als Vorlage für eine seitenverkehrte Radierung des Künstlers, auf der das Schlachtgetümmel ausführlicher geschildert ist (Vesme 1971, Nr. 93). Eine französische Inschrift beschreibt darauf die schrecklichen Folgen des Todes, der triumphierend über die Schlachtfelder zieht und fruchtbare Landstriche in Flüsse aus Blut verwandelt. Stefano della Bella war der bedeutendste italienische Radierer des 17. Jahrhunderts. In seinem über 1000 Blätter zählenden druckgrafischen Werk schloss er an #Jacques Callot und in seinen späteren Werken an #Rembrandt an, den er vielleicht sogar persönlich kennen gelernt hat.
Das todesallegorische Thema des Wiener Blattes ist eng mit einer Serie von Einzeldarstellungen in ovalem Format verbunden, in denen der Tod in ganz ähnlichem halb verwesten Zustand Frauen, Kinder, alte und junge Menschen fortrafft oder mit der Trompete in der Hand auf einem Pferd reitet (vgl. AK Karlsruhe 2005, Nr. 50). Die ältere Literatur hat vermutet, der Künstler habe den "Tod auf dem Schlachtfeld" gegen Ende seines Lebens (um 1663) geschaffen, doch sprechen die französischen Verse sowie das königliche Privileg auf der Radierung unzweifelhaft für eine Entstehung in Frankreich, wo sich der Künstler von 1639 bis 1650 aufgehalten hat.
Die schrecklichen Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges könnten einen Anstoß für die Erfindung dieser Darstellung gegeben haben. Das Thema steht in Zusammenhang mit dem Wiederaufleben der Totentänze der Spätgotik und der deutschen Renaissance, wie sie u. a. eine Holzschnittserie von #Hans Holbein zeigt, an der sich Stefano della Bella in einem Skizzenbuch in der Albertina inspiriert hat.
Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 117.
Vorzeichnung für die Radierung. Weitere makabre Motive Stefanos in der Albertina (Inv. 11260, Inv. 11261), in der Eremitage in St. Petersburg (lnv. Nr. 42238 - 42240), im Ashmolean Museum in Oxford (Parker 1956, Nr. 790), in Hamburg (lnv. Nr. 1967.113, 1967.114), in den Uffizien (lnv. Nr. 7980F); außerdem bewahrt die Bibliotheque Nationale in Paris im Fond Destailleur einen Entwurf für einen "Tod, der ein Kind entführt" und zwei makabre Grotesken; verwandt schließlich die Entwürfe zu Emblemen für das Begräbnis von Francesco de'Medici, die 1634 entstanden.
zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, I, Wien/Köln/Weimar 1992, S. 496, Nr. 961.
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