Raffaello Santi, Apostelkopf (Studie für die "Transfiguration"), Inv. Nr.: 242
Apostelkopf (Studie für die "Transfiguration")
Raffaello Santi, Apostelkopf (Studie für die "Transfiguration"), Inv. Nr.: 242
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Apostelkopf (Studie für die "Transfiguration")

Raffaello Santi

1519-1520




Künstler:in (Urbino 1483 - 1520 Rom)
Date1519-1520
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide über Spuren einer Metallgriffelvorzeichnung, Übertragungsspuren
Dimensions24 x 18,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number242
Inscribedr.u. mit Feder "31"
Markingsl.u. Pierre-Jean Mariette (Lugt 2097); l.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die "Transfiguration" (Pinacoteca Vaticana, Rom) ist Raphaels letztes großes Tafelbild und gilt als sein künstlerisches Testament. Es wurde um 1516/17 von Kardinal Giulio de' Medici, dem späteren #Papst Clemens VII., für seine Bischofskirche in Narbonne in Auftrag gegeben und war nahezu vollendet, als Raphael am 6. April 1520 starb. Auf dem Gemälde sind zwei in den Evangelien getrennte, aber aufeinander folgende Ereignisse dargestellt, und zwar die "Verklärung Christi auf dem Berg Tabor" und die "Heilung des besessenen Knaben", die Raphael zu einer grandiosen formalen und geistigen Einheit verbunden hat.
Die Zeichnung der Albertina ist ein so genannter Hilfskarton für den Kopf eines Apostels im Hintergrund. Nachdem Raphael den Karton zur Übertragung der gesamten Komposition auf das Bild angefertigt hatte, übertrug er von diesem nochmals wichtige Details wie Hände und Köpfe auf andere Blätter. Er durchstach die Konturen und klopfte darauf mit einem Kohlesäckchen, wodurch sich eine punktierte Umrisslinie auf dem darunter liegenden Blatt ergab, die er dann als Ausgangspunkt für eine sorgfältig ausgeführte Zeichnung verwenden konnte. Mit diesen Hilfskartons verdeutlichte er sich die Lichtführung sowie Form und Charakterzüge der Köpfe.
Der "Apostelkopf" der Albertina ist gegenüber den anderen erhaltenen Studien Raphaels für das Gemälde verhaltener im Ausdruck und erhält sein ganzes Leben durch den Gegensatz zwischen großen hellen und dunklen Partien. Wie bei den anderen Häuptern verwendet Raphael gleichmäßig schräge Schraffenlagen, die er in Aufdruck und Dichte stark variiert und so das Fallen des Haares, die leichte Drehung des Kopfes und die kräftige Form des Halses bis hin zu einzelnen Runzeln differenziert wiederzugeben vermag. Die plastische Wirkung wird durch den kräftigen und mehrfach nachgezeichneten Kontur an Hals und Gesicht und die dichte Schattenzone links gesteigert. Anhand der Kreidepunkte, die von der Übertragung herrühren, ist zu erkennen, dass der Karton in einigen Bereichen anders ausgesehen haben muss. Vor allem sollten die Haare fülliger gestaltet sein und lockig in die Stirn fallen. Das Spontane und Lebensnahe im Ausdruck und die detaillierte Ausarbeitung lassen uns den Kopf nah und real erscheinen. Die makellos gezeichneten Augen mit ihren sanft geschwungenen Lidern, die zarte, von Raphael noch begradigte Nase und die als Kreislinie weiterzuführende Rundung der Stirn geben ihm aber zugleich ein idealisiertes Aussehen. Die Wärme, die aus den Augen strömt, und das Mitfühlende und Verständnisvolle seines Blicks machen diesen Apostel zu einem Ideal stiller christlicher Nächstenliebe.

Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 52.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 294
  • Stix 1932, 79
  • Birke/Kertész I
  • Bibliography
  • Weigel 6981 - Mariette, 1741, S. 11, Nr. 112
  • Basan 1775, Nr. 695
  • Bartsch, 1794, S. 9, Nr. 32?
  • Ruland, 1876, S. 29, Nr. 82
  • Waagen, 1867, S. 152 (nach dem Bild)
  • Fischel, 1898, S. 141, Nr. 346 (G. F. Penni oder Kopie nach ihm)
  • Wickhoff, 1892, S. XXVIII (nach dem Bilde)
  • Stix und Fröhlich-Bum, 1932, S. 14, Nr. 79
  • Fischel, 1937, S. 168 (wahrscheinlich G. F. Penni)
  • Parker 1956, p. 311, Kommentar zu Nr. 568
  • Pouncey und Gere, 1962, S. 34
  • Oberhuber, 1962 (1), S. 145, Abb. 23
  • Paris, 1967, Nr. 125 (Text v. K. Oberhuber)
  • Dussler, 1966, S. 69
  • Koschatzky, Oberhuber, Knab, 1971, Nr. 41
  • Oberhuber, 1982 (1), S. 72, Abb. 36
  • Wien, 1983, Nr. 45 (Raphael)
  • Knab, Mitsch, Oberhuber, 1983, Nr. 615
  • Joannides, 1983, Nr. 438
  • New York, 1987, S. 145
  • Birke und Kértesz, 1992, Bd. 1, S. 143 (Raphael)
  • New York, 1997, S. 64f., Nr. 20 (Text v. A. Gnann)
  • Mantua und Wien, 1999, Nr. 174 (Text v. A. Gnann)
  • Venedig, Wien und Bilbao, 2004-2005, Nr. 47 (Text von A. Gnann)
  • Bernhart-Königstein, 2007, S. 155, Abb. 107
  • Schröder 2008, Nr. 52 (A. Gnann)
  • Haarlem 2012/2013, Kat. 60 (Text von A. Gnann)
  • AK Raphaël. Les dernières années, Tom Henry und Paul Joannides, Madrid, Museo Nacional del Prado und Paris, Musée du Louvre, 2012 - 2013, Fig. 84.
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), AK, Die Gründung der Albertina. 100 Meisterwerke der Sammlung, Ostfildern 2014, S. 102-103.
  • Albertina, Meisterzeichnungen: Dürer bis Michelangelo, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.50
  • Raffael, Aust. Kat. Hg. Achim Gnann
  • Albertina Wien, 2017-2018, Kat.-Nr. 146.
  • Historical Attributions
  • traditionelle Zuschreibung, Fischel, Stix, Joannides
  • Raffaello Santi nach (Wickhoff).
  • Provenance
  • Pierre Crozat
  • Pierre-Jean Mariette
  • Beaufort
  • Charles Antoine Prince de Ligne (1759–1792), Brüssel (Auktion bei Aloys Blumauer, Wien, ab 4. November 1794
  • Lugt Rep. 5245) (?)
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    zum verwandten Werk

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    Last edited04.12.2023