Giambattista Piazzetta, Selbstbildnis, Inv. Nr.: 1771
Selbstbildnis
Giambattista Piazzetta, Selbstbildnis, Inv. Nr.: 1771
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Selbstbildnis

Giambattista Piazzetta

10. Dezember 1735




Künstler:in (Venedig 1682 - 1754 Venedig)
Date10. Dezember 1735
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze und weiße Kreide auf grauem Papier
Dimensions35 x 24,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number1771
Signedl.u. eigenhändig mit Feder "Io Gio: Batta. Piazzetta disegnai di prop:a mano / in ettà d'Anni 52"; rechts unten: "Adi 10 Dece [abgeschnitten] / 1735"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Giambattista Piazzetta zählt neben #Guardi und #Tiepolo zu den größten venezianischen Malern des 18. Jahrhunderts. In seiner Malerei verschmilzt das leuchtende venezianische Kolorit mit einem kontrastreichen Helldunkel, das auf ein Studium der Malerei Bolognas zurückgeht, wo er sich zwischen ca. 1703 und 1711 aufgehalten hat. Auch als Zeichner hat der Künstler eine Meisterschaft entwickelt, die bereits von seinen Zeitgenossen gerühmt wurde.
Sein Selbstporträt in der Albertina überliefert uns das Aussehen des Künstlers im Alter von 52 Jahren und ist damit eines seiner wenigen Blätter mit gesicherter Datierung. Es entstand in dem Jahr, in dem sich ein einschneidender stilistischer Wandel im Schaffen des Künstler hin zu einer aufgelockerten, helleren Farbgebung und zu einer offeneren, freieren Pinselführung vollzogen hat.
Zu den außerordentlichen Fähigkeiten, die Piazzetta als Porträtist auszeichnen, zählen die scharfe Beobachtungsgabe, das Festhalten wesentlicher Charakterzüge, das Einfangen des spontanen Ausdrucks sowie die Wiedergabe einer intimen Ausstrahlung. In dem Selbstbildnis ist sein Blick zwar selbstbewusst nach außen gerichtet, doch wirken die Augen versonnen, nachdenklich, was den ängstlichen, bisweilen melancholischen Wesenszug des Künstlers offenlegt. Dies wird in der Zeichnung trotz des selbstgefälligen Auftretens auf subtile Weise offenbar.
Piazzetta modellierte den Kopf mit großzügig aufgesetzten Strichlagen in schwarzer Kreide, die von breiteren Flecken am Rock zu zarten Schraffuren im Gesicht fein abgestuft sind. Alles gewinnt Gestalt durch den lebendigen Wechsel von lichten und verschatteten Partien, mit denen der Künstler zudem größte Unterschiede im Stofflichen festzuhalten vermag. Mit zeichnerischen Mitteln nimmt er hier die lebendigen Farbvariationen und das atmosphärische Helldunkel in seinen Gemälden vorweg.

Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 123.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1891, SV 365
  • Stix 1926, 253
  • Birke/Kertész II
  • Bibliography
  • Aukt.Kat. Catalogue des tableaux et dessins ... qui composent le cabinet de feu Mr. J. M. de Birckenstock etc., Artaria, Wien März 1811, p. 103, Nr. 38 (?)
  • A. Ravà, G. B. Piazzetta, Florenz 1921, Titelbild und p. 71
  • R. Pallucchini, L'Arte di Giovanni Battista Piazzetta, Bologna 1934, p. 100, Fig. 79
  • Blunt/Croft-Murray 1957, p. 28 (Einführung)
  • A.K. Venedig 1961, Nr. 88
  • Benesch 1964, Nr. 55
  • R. Pallucchini, Miscellanea piazzettesca, in: Arte Veneta XXII, 1968, p. 111
  • A.K. Wien 1969, Nr. 269
  • Koschatzky/Oberhuber/Knab 1971, Nr. 91
  • A. Morassi, A 'Scuola del Nudo' by Tiepolo, in: Master Drawings IX, 1971, 1, p. 46, Fig. 2
  • A.K. Dresden 1978, Nr. 48
  • U. Ruggeri, Nuovi disegni del Piazzetta, in: Itinerari 1979, 1, p. 177, Anm. 11
  • M. Levey, Painting in eighteenth century Venice, London 1989, p. 57, Fig. 23
  • U. Ruggeri, The Drawings of Giambattista Piazzetta, in: A.K. Masterpieces of 18th Century Venetian Drawings/Dessins vénitiens du dix-huitième siècle, Brüssel (Palais des Beaux-Arts) 1983, p. 94, Fig. 47
  • A.K. G. B. Piazzetta. Disegni- incisioni-libri-manoscritti (übersetzt von G. Knox), Venedig (Fondazione Giorgio Cini) 1983, p. 28, Fig. 16
  • A.K. Piazzetta (bearb. v. G. Knox), Washington (National Gallery) 1983, p. 30, Fig. 16 und p. 52, Kommentar zu Nr. 6, Anm. 1
  • Birke 1991, p. 200, Abb. 238
  • Binion 1994/95, S. 149, 168, Nr. 67
  • A.K. Passion and Commerce. Art in Venice in the 17th and 18th centuries, Barcelona (Fundació Caixa Catalunya) 2007, Kat.Nr. 83, S. 276/277
  • Schröder 2008, Nr. 123 (A. Gnann)
  • Provenance
  • Johann Melchior Edler von Birkenstock (1738-1809), Wien (?)
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/24358/selbstbildnisImage Request
    Last edited01.10.2019

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