Andrea del Sarto, Studie einer Frau mit Kopftuch, den Blick gesenkt, Inv. Nr.: 4867
Studie einer Frau mit Kopftuch, den Blick gesenkt
Andrea del Sarto, Studie einer Frau mit Kopftuch, den Blick gesenkt, Inv. Nr.: 4867
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Studie einer Frau mit Kopftuch, den Blick gesenkt

Andrea del Sarto

1523-1524




Künstler:in (Florenz 1486 - 1530 Florenz)
Date1523-1524
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesRötel, späterer mit Pinsel gemalter Bildrahmen
Dimensions19,7 x 13,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number4867
InscribedM.u. Reste einer alten Aufschrift in brauner Feder: "Di franc[...] An[...] Sartori [?]"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

F. Knapp (1907, S. 135) identifizierte erstmals den Frauenkopf mit gesenktem Blick als Entwurf für das Haupt der Madonna in der "Beweinung Christi" von San Pietro in Luco im Mugello (heute Florenz, Galleria Palatina; Natali und Cecchi 1989, Abb. 44), was die spätere Forschung nicht mehr bezweifelt hat. Andrea del Sarto malte die Tafel in den Jahren 1523 und 1524 für den Hochaltar dieses Nonnenklosters, in dem er Zuflucht vor der damals in Florenz wütenden Pest gesucht hatte. Es hatten ihn dorthin seine Angehörigen begleitet, die für einige der Heiligenfiguren in der Beweinung Modell gestanden haben sollen. So möchte man in der Muttergottes ein Porträt seiner Gattin #Lucrezia del Fede erkennen (Freedberg 1963, Bd. 2, S. 125). Die Kopfstudie ist ein charakteristisches Beispiel für den Stil des gewöhnlich mit schwarzer Kreide und Rötel zeichnenden Künstlers, der die Formen durch kraftvolle zusammenfassende Umrisslinien markant umreißt und der Oberfläche durch straffe parallele Schräglinien, die ihre Richtung wechseln, eine starke plastische Spannung verleiht. Die Modellierung von Brauen und Nase mit kurzen, kantig aneinanderstoßenden Linien und die an Splitter erinnernden Lichthöhungen unter dem Auge und auf der Oberlippe lassen das Gesicht wie gemeißelt erscheinen. Es offenbart zugleich unverwechselbare persönliche Züge, denn durch die aufeinanderstoßenden und sich überlagernden Schraffuren verleiht der Künstler dem Frauenkopf eine lebendige Mimik, die einen entschiedenen, fast strengen Charakter verrät. Durch die breiten Abstände der Strichlagen vermag das Licht zu sickern, das einen zarten Glanz auf der Haut entstehen lässt und das Antlitz einbettet in die sonnige und frische Atmosphäre des Umraumes. Die Zeichentechnik ist manchen Studien #Fra Bartolomeos verwandt, der jedoch zartere Tonabstufungen erzielt und den Körpern eine weichere Rundung verleiht als Andrea, der zu einer geometrischen Vereinfachung und skulpturalen Verhärtung der Formen tendiert. Wie O. Benesch (1964, Nr. 25) zu Recht anmerkt, ist die ernste Auffassung dieser Studie von #Michelangelos Geist überschattet. Der große Florentiner vermag seine Köpfe jedoch durch die fein abgestuften Schraffuren, die jede Muskelbewegung festhalten und den bewegten Umriss, der die Stimmung und den Charakter unverwechselbar zum Ausdruck bringt, stärker von innen heraus zu beleben. Andreas Sichtweise ist häufig von außen auf die Dinge gerichtet, die dadurch eine allgemeine Gültigkeit erhalten.
Zu dem genannten Gemälde haben sich weitere Studien und Skizzen im Louvre (AK Paris 1986/87, Nr. 39-41), im British Museum (Turner 1986, Nr. 54), in den Uffizien und im Museo Horne in Florenz erhalten (Freedberg 1963, Bd. 1, Abb. 143, 148; Shearman 1965, S. 260).

Michelangelo und seine Zeit, Meisterwerke der Albertina, Wien/Bilbao 2004/05, Abb. 53, S. 144.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SD 148
  • Stix 1932, R 162
  • Birke/Kertész III, 4867
  • Bibliography
  • Berenson 1961, Nr. 160, Fig. 831
  • S. J. Freedberg, Andrea deI Sarto, Cambridge1963, p. 127, Fig. 91
  • Benesch 1964, Nr. 25
  • J. Shearman, Andrea deI Sarto, Oxford 1965, p. 384, Taf. 128a (mit Lit.)
  • AK. Paris 1975, Nr. 23
  • AK. Andrea deI Sarto 1486-1530. Dipinti e disegni a Firenze (bearb. v. A Petrioli Tofani et al.), Florenz (Uffizien) 1986, Kommentar zu Nr. 65
  • AK Albertina/Venedig/Bilbao 2004/05, Nr. 53 (A. Gnann)
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/25571/studie-einer-frau-mit-kopftuch-den-blick-gesenktImage Request
    Last edited07.04.2025