Männlicher Akt
Francesco Bartolozzi
um 1760-1764
An den Akademien gehörte das Aktstudium zum grundlegenden Bestandteil der künstlerischen Ausbildung. Die Modelle nahmen häufig ausgefallene Posen vorbildlicher Antiken oder berühmter Maler ein, wie im Falle von Francesco Bartolozzis liegendem Männerakt, der sich an einer Figur Michelangelos orientiert. Durch die gesuchte Spontaneität der Bewegung und die Veränderung der räumlichen Umgebung versucht Bartolozzi dabei alles Strenge einer akademischen Sitzung zu vermeiden Auch die den Körpern einen natürlichen Farbton verleihende Verwendung von schwarzer Kreide, Rötel und Weißhöhung, trägt zur Verlebendigung des Aktmodells bei. Bei einer als Pendant aufzufassenden zweiten Zeichnung (Inv. 14306) mit einer sich auf einen Modellstab stützenden Figur steigert der Künstler den Helldunkelkontrast, wodurch sie wie die Momentaufnahme eines Schlafenden anmutet. Bartolozzi, der meistgefragteste Reproduktionsgrafiker nach Werken führender Maler seiner Zeit, hat diese Studien vielleicht geschaffen, um sie später als Vorlageblätter für Künstler in der Druckgraphik zu verbreiten.
