Raffaello Santi, Junger Mann, einen Alten auf dem Rücken tragend (Aeneas und Anchises) (Studie …
Junger Mann, einen Alten auf dem Rücken tragend (Aeneas und Anchises) (Studie für den "Borgobrand", Stanza dell' Incendio, Vatikan)
Raffaello Santi, Junger Mann, einen Alten auf dem Rücken tragend (Aeneas und Anchises) (Studie für den "Borgobrand", Stanza dell' Incendio, Vatikan), Inv. Nr.: 4881
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Junger Mann, einen Alten auf dem Rücken tragend (Aeneas und Anchises) (Studie für den "Borgobrand", Stanza dell' Incendio, Vatikan)

Raffaello Santi

1514




Künstler:in (Urbino 1483 - 1520 Rom)
Date1514
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesRötel
Dimensions30 x 17,3 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number4881
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die zwischen 1514 und 1517 ausgemalte Stanza dell'Incendio diente als geheimes Speisezimmer #Leos X., in dem der Papst mit Kardinälen und anderen hohen Würdenträgern tafelte. Zuweilen wurde der Raum auch für zeremonielle Anlässe wie Bischofsweihen genutzt. Die Südwand der Stanza nimmt das Fresko mit dem "Borgobrand" ein, auf dem ein im "Liber Pontificalis" geschildertes Ereignis dargestellt ist: Im Jahre 847, zu Beginn des Pontifikates #Leos IV., brach in dem unmittelbar an den Vatikan angrenzenden Stadtteil Borgo ein verheerender Brand aus, der durch das Kreuzzeichen des Papstes, der im Hintergrund auf der Benediktionsloggia erscheint, auf wundersame Weise zum Erlöschen kam.
Die vier erhaltenen Vorzeichnungen für dieses Fresko, von denen sich zwei weitere in der Albertina befinden (vgl. auch Inv. 4878), gehören alle dem fortgeschrittenen Entwurfsstadium aus der Zeit um 1514 an.
Eine Inschrift auf dem Stich von #Gian Giacomo Caraglio (Bartsch 1803-1821, 15, S. 94, Nr. 60; https://doi.org/10.11588/diglit.23183%230104§), auf dem sich zu der Darstellung auf der Zeichnung ein Kind gesellt, bezieht diese Gruppe auf die bei #Vergil beschriebene Szene, in der Aeneas, begleitet von seinem Sohn Askanius, seinen alten Vater Anchises auf den Schultern aus dem brennenden Troja trägt (vgl. auch Vasari, Ausg. Milanesi, Bd. 4, S. 359). Daher bezeichnet man die Gestalten gewöhnlich als Aeneas und Anchises.
Höchst eindrucksvoll charakterisiert Raphael den Gegensatz zwischen dem jungen Mann, der mit kurzen Schritten mühsam das Gleichgewicht hält und sich unter dem Gewicht der schweren Last beugt, und dem alten Vater mit seiner schlaffen, runzligen Haut und den müden, kraftlos herabhängenden Gliedern. Er kann sich kaum festhalten und droht vom Rücken seines Trägers herabzugleiten. Zugleich schmiegt sich sein Körper an Aeneas, und gerade durch das komplizierte Ineinandergreifen von Armen und Beinen entsteht eine untrennbare Einheit zwischen Alter und Jugend, Schwäche und rettender Kraft. Im Gegensatz zu früheren Zeichnungen Raphaels, in denen die Bewegungen noch einer von außen kommenden Dynamik folgen, geht jetzt die Energie von den Figuren selbst aus, die völlig frei im Raum stehen. Die Zeichnung ist damit ein wichtiges Beispiel für Raphaels Stilentwicklung um 1514, in der die Figuren nun aus eigener Bestimmung zu handeln beginnen.
Ein 1518 datierter Clair-obscur-Holzschnitt von #Ugo da Carpi (Bartsch 1803-1821, 12, S. 104 f., Nr. 12; https://doi.org/10.11588/diglit.23178%230112§), der Aeneas und Anchises mit den Hausgöttern vor dem brennenden Troja zeigt, geht wahrscheinlich auf einen früheren Entwurf Raphaels für diese Gruppe zurück.

Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 50.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 283
  • Stix 1932, R 75
  • Birke/Kertész III, 4881
  • Bibliography
  • gest. von G. G. Caraglio
  • B. XV, p. 94, Nr. 60
  • TIB 28, p. 199
  • lith. von J. Pilizotti in Mansfeld, Lithographirte Copien VII.
  • Weigel 7082, 7083
  • Braun 177 - Passavant, 1860, Bd. 2, S. 439, Nr. 209
  • Waagen, 1867, Bd. 2, S. 146, Nr. 217
  • Ruland, 1876, S. 209, Nr. 27
  • Springer, 1878, S. 323f.
  • Morelli, 1891/92, S. 574, Nr. 177 (Giulio Romano)
  • Wickhoff, 1892, S. XVII (Kopie nach dem Fresko)
  • Crowe und Cavalcaselle, 1895, Bd. 2, S. 206f.
  • Fischel 1898, S. 83, Nr. 195 (Kopie nach dem Fresko)
  • Stix und Fröhlich-Bum, 1932, S. 13, (Raphael oder Werkstatt)
  • Hartt, 1958, Bd. 1, S. 23f., S. 287, Nr. 7, Bd. 2, Fig. 18 (Giulio Romano)
  • Shearman, 1959, S. 457
  • Knab, Mitsch, Oberhuber, 1983, Nr. 497
  • Joannides, 1983, S. 104, Plate 36, Nr. 367
  • Birke und Kertész, 1995, Bd. 3, S. 1690
  • Mantua und Wien, 1999, Nr. 1 (A. Gnann)
  • Joannides, 2000, S. 42, fig. 9
  • Venedig, Wien und Bilbao, 2004-2005, Nr. 31 (A. Gnann)
  • Schröder 2008, Nr. 50 (A. Gnann)
  • Haarlem 201272013, Kat. 25 (A. Gnann)
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), AK, Die Gründung der Albertina. 100 Meisterwerke der Sammlung, Ostfildern 2014, S. 100-101.
  • Albertina, Meisterzeichnungen: Dürer bis Michelangelo, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.45
  • Raffael, Aust. Kat. Hg. Achim Gnann, Albertina Wien, 2017-2018, Kat.-Nr. 104.
  • Provenance
  • Fulvio Orsini
  • Kardinal Odoardo Farnese
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited04.10.2019