Studienblatt. Links oben und unten Johannes Evangelista; rechts vier Studien für weibliche Heilige mit Putten; links in einer Spruchbandstudie 'ECC'; Architekturdetails
Baldassare Franceschini, gen. il Volterrano
Volterrano arbeitete in den Jahren 1653-1661 im Auftrag des Marchese Filippo Niccolini in der Cappella Niccolini in S. Croce in Florenz (Spinelli 1993, p. 83-143). In einem sich über mehrere Jahre hinziehenden künstlerischen Entwicklungsprozess entstanden eine große Anzahl von Vorzeichnungen, die hier nur insofern zusammengefasst werden können, als sie im wesentlichen den Bestand der Albertina betreffen. Zur Gesamtdarstellung der Vorzeichnungen für die Kuppel und die vier Sibyllen in den Pendentifs vgl. Spinelli 1993, p. 138-141. Dieser Zusammenfassung werden Albertina Inv. 23897, 23933, 23375 für die Kuppel und Inv. 23376 für die Sibylle mit der Schrifttafel „UNA ASSUMETUR" (Spinelli 1993, Fig. 80) hinzugefügt. Die vorliegenden Skizzen sind frühe Detailstudien für die Pendentifs der Cappella Niccolini in S. Croce in Florenz, wie die skizzierten Voluten erkennen lassen (vgl. Spinelli 1993, Fig. 73, 76, 80). Mit der Hauptgruppe des Kuppelfreskos der „Krönung Maria" der Cappella Niccolini (Spinelli 1993, Fig. 46, 47) werden Zeichnungen in Verbindung gebracht, die von verschiedenen Autoren auch mit dem wesentlich späteren Kuppelfresko in SS. Annunziata in Florenz assoziiert werden (G. Cantelli, Repertorio della Pittura fiorentina del Seicento, Florenz 1983, Fig. 400, 401—402). In der jüngsten Zusammenfassung der Studien Franceschinis zur Cappella Niccolini führt Spinelli jene Studie mit der „Krönung Maria" in der Sammlung Roberto Ferrettis (McCorquodale 1980, p. 23, Lot 24; A.K. Toronto/New York 1985/86, Nr. 42; Spinelli 1993, p. 138, Fig. 48) an, die ein Zwischenstadium zwischen den beiden Albertinastudien Inv. 23897 und 23933 zu sein scheint. Die Zugehörigkeit der beiden Wiener Studien zur Niccolini-Kapelle wird durch die Übernahme einzelner Motive ins Fresko - etwa die Weltkugel an der Seite Gottvaters oder der auf Inv. 23933 links unten skizzierte Engel mit Laute - unterstrichen. Der fliegende Engel mit Laute kehrt in zwei Zeichnungen der Albertina (Inv. 23899 und Inv. 23904 Rs.) wieder. Unerwähnt blieben in der Literatur bislang die beiden Studien für die zwei fliegenden Engel neben dem die Laute spielenden. Auf Inv. 23375 finden sich der Engel mit Violine (Vs.) und auf der Rückseite der Flöte spielende Engel, der im Fresko durch diesen halb verdeckt ist. Die der „Krönung Maria" gegenüberliegende Seite des Kuppelfreskos der Cappella Niccolini greift ein Skizzenblatt (Inv. 23902) auf, das die Gestalten Joshuas (mit Schild) und Moses' (mit den Gesetzestafeln) andeutet. Beide Figuren sind als Einzelstudien auf den Zeichnungen Inv. 23905 und 23904 detaillierter ausgeführt. Eine weitere Studie im Puschkin-Museum in Moskau (Inv. Nr. 14053; Spinelli 1993, Fig. 64) greift ebenfalls die Sequenz mit diesen beiden Figuren heraus. In den Uffizien eine Variante der Figur Christi (Inv. Nr. 15669F Rs.) sowie die Figur Abrahams und die Gruppe Abraham und Isaak (Inv. Nr. 114807 Vs. und Rs.; A.K. Florenz 1995, Nr. 55). Hinzugefügt sei die Studie eines Sitzenden im New Yorker Kunsthandel (Hill- Stone; Burlington Magazine CXXXVI, 1994, 1099, p. XIII). Zu weiteren Einzelstudien sowie zur Geschichte der Cappella Niccolini in S. Croce vgl. Spinelli 1993, p. 138ff.
zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, IV, Wien/Köln/Weimar 1997, S. 2268, Nr. 23894.
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