Annibale Carracci, Männliches Bildnis (Der Lautenspieler Mascheroni), Inv. Nr.: 25606
Männliches Bildnis (Der Lautenspieler Mascheroni)
Annibale Carracci, Männliches Bildnis (Der Lautenspieler Mascheroni), Inv. Nr.: 25606
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Männliches Bildnis (Der Lautenspieler Mascheroni)

Annibale Carracci

um 1593




Künstler:in (Bologna 1560 - 1609 Rom)
Dateum 1593
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesRötel, mit Kreide weiß gehöht, auf rötlich-braunem Papier, teilweise abgerieben
Dimensions41,1 x 28,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number25606
Inscribedl.u. in alter Handschrift "[...]nibal Carracci del"
Markingsr.u. Jean-Denis Lempereur (Lugt 1740, beschädigt)
Text

Annibale Carracci lernte gemeinsam mit seinem Bruder #Agostino bei seinem Vetter #Lodovico in Parma, wo ihn vor allem die Kunst #Correggios in ihren Bann zog. Bei einem späteren Aufenthalt in Venedig studierte er die Werke #Tizians, #Tintorettos und #Veroneses. In Bologna führte er mit Agostino und Lodovico eine gemeinsame Werkstätte, die zunehmend mit Aufträgen überhäuft und im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts immer bekannter wurde. 1595 berief ihn #Kardinal Odoardo Farnese nach Rom, wo Annibale mit der Galleria Farnese sein Hauptwerk schuf. Durch seine intensive Auseinandersetzung mit der Antike und der Malerei der Hochrenaissance und den starken Naturalismus vor allem in seinen genreartigen Darstellungen setzte er sich bewusst vom Manierismus ab. Neben #Caravaggio zählt Annibale Carracci zu den Begründern der Barockmalerei in Italien.
Verglichen mit seinem anderen künstlerischen Aufgabenbereich, stellen Aufträge für Porträts eine relative Seltenheit dar, obgleich sich Annibale seit seiner Bologneser Zeit wiederholt mit der Bildnismalerei befasst hat, nicht zuletzt aufgrund seiner Lehre bei #Bartolomeo Passarrotti. Anfänglich konzentrierte sich sein Interesse bei der Porträtwiedergabe weniger auf die soziale Stellung und das Ansehen des Dargestellten, sondern eher auf das Studium der Gesichter und Charaktere gewöhnlicher Menschen aus seinem unmittelbaren Lebensumfeld. Erst ab den 1580er-Jahren begann Annibale, an "offiziellen" repräsentativen Porträts zu arbeiten. Um 1593/94 schuf er das Bildnis des Lautenspielers Mascheroni, mit dem sowohl die Zeichnung der Albertina als auch eine Federstudie in Windsor Castle (Inv. Nr. 2277, https://www.rct.uk/collection/search#/5/collection/902277/giulio-mascheroni§) eng verbunden sind. #Carlo Cesare Malvasia, der Verfasser von Lebensbeschreibungen Bologneser Künstler, identifizierte das Gemälde, das er in der Sammlung des Herzogs von Modena gesehen hatte. Später wurde es von #Friedrich III. von Sachsen gemeinsam mit anderen Bildern aus Modena erworben und befindet sich heute in den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden (https://skd-online-collection.skd.museum/Details/Index/242888§).
Während die Vorzeichnungen in Wien und Windsor Castle nur Antlitz und Büste des Musikers zeigen, ist dieser auf dem Gemälde als Halbfigur, die Laute spielend und mit Feder und Noten im Bildvordergrund dargestellt. Man nimmt an, dass die skizzenhafte Studie in Windsor Castle dem detaillierter ausgeführten Blatt der Albertina vorangeht, das in der subtilen Modellierung mit dem Rötelstift und der meisterhaften Herausarbeitung der Lichteffekte modelloartigen Charakter hat. Möglicherweise hat der Künstler die Zeichnung geschaffen, um seinem Auftraggeber einen Eindruck zu vermitteln, wie das ausgeführte Werk aussehen würde. Er könnte die Zeichnung aber auch für sich selbst geschaffen haben, um sich das Aussehen des Dargestellten für die Wiedergabe im Bild genau zu vergegenwärtigen. Wenngleich das Porträt der Albertina nahezu mit dem des Gemäldes in Dresden übereinstimmt, mutet es unmittelbarer und direkter an, zumal die Zeichnung in stärkerer Nahansicht wiedergegeben ist. Dadurch, dass das Brustbild das gesamte Papierformat ausfüllt, bringt es die Persönlichkeit des Musikers viel stärker zum Ausdruck als das Bildnis auf dem Gemälde, das distanzierter und zurückhaltender anmutet.

Heinz Widauer, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 103.

 

Catalogue raisonné
  • Stix 1941, 109
  • Birke/Kertész IV
  • Bibliography
  • Aukt.Kat. 'Nachlaß Friedrich von Amerling', Dorotheum, Wien 3.-6. Mai 1916, Nr. 90
  • Voss 1924, p. 490
  • A.K. Die Musik in den graphischen Künsten (bearb. v. E. Knab et al.), Wien (Albertina) 1951, Nr. 141
  • Wittkower 1952, Kommentar zu Nr. 279
  • A.K. Bologna 1956, Nr. 103
  • Benesch 1964, Nr. 46
  • K.O.K. 1971, Nr. 71
  • D. Posner, Annibale Carracci, 2 Bde., London 1971, II, p. 32, Kommentar zu Nr. 76
  • A.K. Paris 1975, Nr. 64
  • A.K. Dresden 1978, Nr. 31 (mit Lit.)
  • A.K. Italian Portrait Drawings, 1400-1800 from North American Collections (bearb. v. A. M. Gealt), Bloomington, Indiana (Indiana University Art Museum) u.a.O. 1983/84, p. 48, Kommentar zu Nr. 17, Anm. 6
  • AK Albertina/Washington/New York 1984-1986, Nr. 57 (E. Knab)
  • A. Walther et al., Gemäldegalerie Alte Meister Dresden, Dresden 1987, p. 128, Kommentar zu Inv. 308
  • J. Winkler, La vendita di Dresda, Modena 1989, p. 102
  • AK Sydney 2002, Nr. 44 (H. Widauer)
  • Schröder 2008, Nr. 103 (H. Widauer)
  • Albertina, Rubens bis Rembrandt, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb. 1
  • Provenance
  • Jean-Denis Lempereuer
  • Friedrich Amerling
  • 1916 erworben durch Erzherzog Friedrich von Österreich (Inv. 22013)
  • 1919 getilgt
  • 1929 zurückerworben
  • Online resources
    zum verwandten Werk

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    Last edited18.03.2021