Alexandre Jean-Baptiste Le Blond, Frontansicht eines Wandbrunnens mit Schnitt und Grundriss (ve…
Frontansicht eines Wandbrunnens mit Schnitt und Grundriss (vermutlich hinter dem Grand Jet)
Alexandre Jean-Baptiste Le Blond, Frontansicht eines Wandbrunnens mit Schnitt und Grundriss (vermutlich hinter dem Grand Jet), Inv. Nr.: 11997
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Frontansicht eines Wandbrunnens mit Schnitt und Grundriss (vermutlich hinter dem Grand Jet)

Alexandre Jean-Baptiste Le Blond

1699




Künstler:in (Paris 1679 - 1719 St. Petersburg)
Date1699
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Schwarz, Pinsel, grau laviert, Deckweißhöhung
Dimensions41,1 x 27,3 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number11997
Inscribedr.u. "Echelle de deux Toises / 1-2-3-4-5-6------12 pied" mit Feder in Braun
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Folge von 27 Blättern mit Plänen, Aufrissen und Schnitten der Kaskade und des Brunnens (Le Grand Jet) und der umgebenden Wasserbauwerke der

 

Parkanlage von Saint-Cloud (F. 1048-F. 1074/Inv. 11973 – Inv. 11999)

 

 

 

 

 

Wie man von der vermutlich als Titelblatt anzusehenden Zeichnung  F. 1048/Inv. 11973 schließen kann, handelt es sich bei diesem Konvolut um eine Serie von Auf- bzw. Grundrißzeichnungen der Kaskade und des großen Brunnens von Saint-Cloud sowie um Abbildungen des dazugehörigen figürlichen Schmuckes. Egger (1910, p. 14, Tafel 43ff.) hat bereits festgestellt, daß es sich  dabei weder um Originalentwürfe des planenden Architekten der Parkanlage,Le Nôtre (1613-1700), noch um jene der ihm nachfolgenden  ausführenden Architekten  Le Pautre  und  Mansart,  sondern um Reproduktionen handeln  muß. Die  traditionelle Zuschreibung  der Blätter in der Albertina  an Alexandre Le Blond ist für uns, trotz des wenig gesicherten zeichnerischen Œuvres Le  Blonds, gerechtfertigt. So lassen sich einige der  Blätter stilistisch, technisch  und motivisch mit zwei Zeichnungen  im Louvre (Inv.Nr.  34.209 und 34.245; Album  Perelle) vergleichen,  die gleichfalls  die Kaskade von Saint-Cloud zeigen  und ebenfalls eine traditionelle  Zuschreibung an Le Blond tragen. Darüber hinaus besitzt auch das Schwedische Nationalmuseum in Stockholm  eine Serie von ehemals anonymen Zeichnungen mit teilweise mit den Albertina-Blättern identen Darstellungen, die von Strandberg (1961, p.125, Abb.8) dem Le Blond zugeschrieben wurden. Wir teilen allerdings mit Weber (1985,  p. 256) die Ansicht, daß es sich bei einigen der Blätter in Stockholm  nicht um eigenhändige Zeichnungen Le Blonds, sondern um Repliken von   anderer Hand handeln könnte. Strandberg (1961, p. 126/127) nimmt an, daß die Stockholmer  Blätter - ebenso wie eine vergleichbare, aufgrund eines Briefwechsels Le Blond zugeschriebene Serie zur Parkanlage im Schloß Marly - vom schwedischen Botschafter in Paris Cronström um 1700 an den schwedischen  Architekten und Sammler Tessin den Jüngeren nach Stockholm  geschickt wurden.  Unklar bleibt allerdings, für wen die Wiener Serie ausgeführt  wurde; ihre Provenienzenlage erlaubt uns keine Rückschlüsse  auf einen  Auftraggeber oder eine genaue Zweckbestimmung. Möglich wäre   es  daher, daß die Zeichnungen der Albertina von Le Blond für einen uns nicht näher bekannten Auftraggeber ausgeführt wurden und teilweise von dem von Weber (1985, p. 256) als Schöpfer der zweifelhaften Repliken im Schwedischen Nationalmuseum eingeschätzten Carl Harleman kopiert wurden.  Harleman (1700-1753) war Architekt und membre de l´Académie d'Architecture in Paris (1721-23). Nach seiner Rückkehr nach Schweden arbeitete er eng  mit Nikolas Tessin dem Jüngeren in königlichen Schlössern zusammen. Er könnte die heute in der Albertina befindlichen Zeichnungen gekannt und die Repliken für Tessin, mit dem er u. a. die  Sammelleidenschaft für  Zeichnungen teilte, angefertigt haben. Es ist anzunehmen, daß die Albertina-Zeichnungen mit den Wasserbauwerken der Parkanlage  von Saint-Cloud aus unmittelbarem Anlaß der erstmaligen  Inbetriebnahme  der Kaskade im  Juni 1699 ausgeführt worden sind und Le Blond als würdigster Nachfolger Le Nôtres der Nachfrage eines Interessenten nachkam, die Wasserspiele des Meisters festzuhalten. Da es sich aber bei einigen Blättern um genaue architektonische Details handelt, könnte die Serie für einen Architekten  bestimmt gewesen  sein. Fraglich  bleibt für uns, inwieweit die Darstellungen der Albertina dem tatsächlichen  architektonischen Bestand an Wasserbauwerken im Park von Saint-Cloud entsprachen und/oder ob sich in dieser Serie auch einige Motive befinden, die der freien Phantasie Le Blonds entsprangen und niemals im Park vorhanden waren. Es lassen sich mehrere Gruppen von Zeichnungen mit  Gesamt- und Detailansichten, mit technischen Details, mit bildhaften Darstellungen und rein architektonisch aufgefaßten Blättern unterscheiden. Die Parkanlage von Saint-Cloud und ihre Ausstattung hat eine komplizierte  Entstehungsgeschichte, ist mehrmaligen Veränderungen unterworfen worden  und  hat zuletzt, wie  auch das  Schloß(siehe  den  Kommentar  zu  F. 435/Inv. 11602 - F. 40/Inv. 11607), unter den Artillerieangriffen während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71  sehr gelitten. Der Besitz von Saint-Cloud läßt sich bis zu den Gondi zurückverfolgen. 

 

Die Reihenfolge und fortlaufende Nummerierung (F. 1048 – F. 1074) der in der Albertina  mit dem  Park von Saint-Cloud  im Zusammenhang  stehenden  Zeichnungen  haben wir nicht nach Inventarnummer,  sondern ihrer baulichen Zugehörigkeit entsprechend  vorgenommen: Nach den Grundrißzeichnungen der Anlage im Park von Saint-Cloud wird zuerst die große Kaskade und im Anschluß daran die zur Seine abfallende Brunnenanlage beschrieben. Dann  folgen einige Blätter des Grand Jet, der allerdings heute nicht mehr in jener Form, in der Le Blond ihn dargestellt hat, vorhanden ist.

Zum Blatt: Mit Ausnahme des auf dem Albertina-Blatt hinzugefügten szenischen Ambientes kehrt diese Ansicht eines Wandbrunnens auf einer Zeichnung im Schwedischen Nationalmuseum in Stockholm (Inv.Nr. THC 7777) wieder und wurde von Strandberg (1961, pp. 125/126) Le Blond zugeschrieben. Weber (1985, p. 256) meldete für die schwedischen Blätter, insbesondere für die Replik der vorliegenden Zeichnung, Vorbehalte an und hält für sie auch eine Zuschreibung an den schwedischen Architekten J. Harleman für möglich. Während wir für die Zeichnung in Stockholm keine Aussage treffen wollen, halten wir das vorliegende Blatt und mit ihm die anderen Zeichnungen dieser Gruppe in der Albertina - nicht zuletzt auch aufgrund der für Le Blond typischen bildhaften Einbindung der Architekturdarstellung in das Par.ambiente, welche auf der Zeichnung in Stockholm fehlt - für eigenhändig. Die Zeichnung in Stockholm trägt die Bezeichnung "Elevation du fond du grand Jet de St. Clou". Beide Zeichnungen beschreiben die heute nicht mehr vorhandenen baulichen Verhältnisse um den Grand Jet im Park von Saint-Cloud.

Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 219ff., Nr. 1073.

 

Catalogue raisonné
  • Widauer 2004, F 1073
  • Bibliography
  • Egger 1910, p. 14, Tf. 45
  • Strandberg 1961, p. 125, Anm 3
  • Weber 1985, p. 256
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited19.05.2014