Brief von Paul Wengraf an Egon Schiele vom 19. Oktober 1917
Paul Wengraf
19. Oktober 1917
[Briefanfang rechts:] Wien 19. Oktober 1917. | Lieber Herr Schiele, |Nach langer Zeit wieder einmal die Stimme des "ewig | jammernden Juden", die auch diesmal klagt und ruhlos ist. Ich | sehne mich nach dem Blatt, das doch hoffentlich schon aus Stock | holm, der Stadt der Verheissungen und Enttäuschungen zurück | gekehrt ist und nun friedsam bei Ihnen ruht? Soweit ich es in | der Erinnerung habe, ist es die denkbar beste Darstellung | meines Inneren und Äußeren [http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/egon-schiele/portrait-of-the-art-dealer-paul-wengraf-IrcW8BhrPoS0o_2OP8NatA2&]; die Hände an die Stirn gelegt, | der Beschauer kann mutmaßen, daß ich mir in peinlichster | Verlegenheit an den Kopf griff und nicht wußte, no[ch] ein | noch aus - und aus der Verlegenheit dieses zum Schicksal ge | wordenen Ungeschickes der Rede nach irgendwohin ausschaute. | So werde ich - wenn je - der Nachwelt erhalten bleiben. | Sie begreifen, daß ich begierig bin, mein Konterfei zu sehen | und werden mir die neue Belästigung verzeihen.
[Briefende links:] Ich erwarte recht bald Antwort von Ihnen, danke im voraus | bestens dafür | und bleibe | in gewohnter Hochschätzung | Ihr ergebener | Paul Wengraf | Wien. I. Maysederg. 5/II.
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