Brief von Egon Schiele an Franz Hauer vom 25. Jänner 1914
Egon Schiele
25. Jänner 1914
[links letzte Briefseite:] erkennen werden, die mir abgesehen von dem | Maler, – dem Künstler das Werkzeug | geben werden, damit er bilden kann. | ___________ | – ich wünsche Herr Hauer von Ihnen | den erhabenen Eindruck zu behalten; | darum erweisen Sie Sich [sic]. | | ___________ | Herzliche Grüße | Egon Schiele.
[rechts Briefanfang:] Sonntag, 25. Jänner 1914. | Sehr geehrter Herr Hauer! | ich erwarte von Ihnen daß Sie mich am Dienstag | oder Mittwoch 2-4 h nachmittags besuchen werden | um eines oder beide Städte zu kaufen; – | Kommen Sie nicht wenn Sie Sich [sic] irgendwie miß- | trauisch zu mir oder meinen Vorschlag verhalten. | ich wünsche das darum von Ihnen, weil ich um die | Wahrheit zu gestehen, seit Sommer 1913 – 2500 K [Kronen] | Schulden habe, – ganz erklärlich, weil ich in der | langen Zeit vom August bis jetzt ein ganzes Bild | für 350 K [Kronen] verkauft habe. – Woher und auf | welche Art soll ich mich also fortbringen? – | Mit dem 19ten Jahre wurde ich selbständig. ich | hatte unzählige Hindernisse zu passieren, wie | keiner vielleicht, – das schwächt. – Diese | Hemmungen kamen in Bildern zum Ausdruck. | – Von den Kollegen waren alle Feinde; ich | begann Wien zu hassen, wollte in Krummau | einsam bleiben, – konnte aber nicht, weil | ich kein Geld zur Verfügung hatte. – ich brauchte | Wien und zog nach Neulengbach um einsam | zu sein und doch dabei Wien in nächster Nähe zu | haben. – ich wurde keusch! und das Schicksal | wollte es ./.
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