Brief von Egon Schiele an Franz Hauer vom 25. Jänner 1914, Inv. Nr.: ESA101b/verso
Brief von Egon Schiele an Franz Hauer vom 25. Jänner 1914
Brief von Egon Schiele an Franz Hauer vom 25. Jänner 1914, Inv. Nr.: ESA101b/verso
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Brief von Egon Schiele an Franz Hauer vom 25. Jänner 1914

Egon Schiele

25. Jänner 1914




Verfasser:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
Adressat:in (Weißenkirchen 1867 - 1914 Wien)
erwähnte Person(en) (Charkow, Ukraine 1898 - 1951 Paris)
erwähnte Person(en) (Athen 1871 - 1948 Wien)
erwähnte Person(en) (Agram 1870 - 1935 Bilbao)
erwähnte Person(en) (Tattendorf 1894 - 1917 Sinj, Kroatien)
erwähnte Person(en) (Ungarn 1862 - 1947 Wien)
erwähnte Person(en) (Striebach bei Lienz 1868 - 1926 St. Justina bei Bozen)
erwähnte Person(en) (Elbing 1873 - 1927 Baden-Baden)
Date25. Jänner 1914
Object TypeArchivale
Object typePaper from archives
Materials / TechniquesTinte (schwarz) auf Papier
DimensionsBlatt: 17,3 × 27 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberESA101b/verso
Transkription
daß ein Mädchen mich gerne sah und es so | weit brachte, daß es selbständig zu mir kam. – | ich schickte es fort. – es kam aber am nächsten | Abend wieder und ging nicht fort. Niemand | war in der Nähe der es holen konnte. – | Und hätte ich jemanden gerufen, so mußte ich | ein Drama befürchten; also ließ ich es bei | mir und schrieb an seine Eltern. – Ihr Vater | holte es. – Man überzeugte sich daß es | unberührt war, – trotzdem kam es vor's | Gericht. – Damals wurde ich gemein erniedrigt | für meine Güte. – ich verlor jeglichen | Glauben an sonst glaubhafte Menschen, – | ich erlebte schwere, schwere Stunden, – lernte | allen Morast von Menschen kennen und | viele unverstandene wahre Menschen. – | Von meinen Nächstbekannten rührte sich niemand | außer Wally die ich damals kurz kannte und | die sich so edel benahm daß mich dies fesselte; | und Herrn Benesch. – ich begann schwer | zu denken – ich empfand Menschen mit | offener Seele und ihr heiliges Herz, und | dachte über Lügner und böse Menschen nach. | So kam ich auf den Gedanken, daß der reine || wahre Mensch ewig leben muß. – Mir | eckelte [sic] vor meiner früher so innig geliebten | melancholischen Landschaft in Neulengbach. | – es trieb mich als Gegensatz an die | Grentze [sic]; ich blieb in Bregenz 1912 - und | sah nichts als den verschieden stürmenden See | und ferne weiße sonnige Berge in der Schweiz. | – ich wollte ein neues Leben beginnen. – | Aber bis jetzt konnte ich's nicht; – nichts | gelang mir noch in meinem Leben. – | ich sehne mich nach freien Menschen. – | So lieb mir Österreich ist; ich beklage es. – | ich verstehe immer mehr die Aufsätze von | Egger-Lienz; – nur daß er ohrfeigt. | – das werde ich nie tun. – | Goltz in München schrieb mir daß ein wohlhabender | Herr mir einen längeren Aufenthalt in Paris | ermöglichen möchte; vielleicht wird dies | demnächst wahr. – wenn nicht so werde | ich alles tun um nach Paris, Berlin oder | München zu kommen, – je früher desto besser. | – Auf die Dauer geht dies nicht so. – | ich glaube an bedeutende Menschen, die mich
Catalogue raisonné
  • Nebehay 633
  • Bibliography
  • Christian M. Nebehay, Egon Schiele 1890-1918. Leben, Briefe, Gedichte, Salzburg/Wien 1979
  • Provenance
  • Max Wagner, Wien
  • 1954 Albertina (Legat Max Wagner)

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/282550/brief-von-egon-schiele-an-franz-hauer-vom-25-janner-1914Image Request
    Last edited05.10.2021