Brief von Egon Schiele an Franz Hauer vom 11. Juni 1913
Egon Schiele
11. Juni 1913
[rechts Anfang des Briefes:] 11. Juni 1913. | Lieber Herr Hauer! | Ich will Ihnen heute einen Vorschlag machen | worinnen ich Ihnen bis an die letzte Grenze | wahr und recht entgegen kommen will. | – Gestern glaubte ich weil Sie nicht gekommen | sind daß Sie auf das große Bild verzichtet haben; | das hätte mich allgemein enttäuscht. Gestern | hatte ich auch einen kleinen Kampf zu bestehen, | weil Herr Reininghaus das II. Steinerbild das | er bei mir fertig sah unbedingt haben wollte; | ich erzählte aber daß ich es Ihnen schon versprochen | habe und da Sie zuerst Sich [sic] darum bewarben | Ihnen das Recht zu dem zusteht; endlich, nach | 2 Stunden brachte ich Herrn R. [Reininghaus] so weit daß | er einsah. – Hinzufügen will ich, daß ich von | Herrn R. wenigstens für dieses 500 K[ronen] bekommen | hätte. Daraus müssen Sie erseh[e]n wie wenig | ich habsüchtich [sic] bin. – Mit dem großen geht's ebenso, | das schrieb ich Ihnen schon, auch gestern mehr. | – Auf unsere Angelegenheit zurückzukommen | bitte ich Sie folgende Preise von Bildern, ich | nenne ganz wenige, zu berücksichtigen.| "Herbstbaum" 1912. 80 cm x 80 cm zahlte Herr | Waerndorfer 600 K. | war im Hagenbund, auch das nächste | "Winterbaum" selbe Größe, Mauthner-Markhof | 600 K. ||
[links Briefende:] Ich lege Ihnen an's Herz das Bild | besitzen müssen; ich habe das | Gefühl daß es ein ganz bedeutendes | ist und ich niemals wieder ein so | ähnliches malen würde darum hätte | ich die doppelte Freude wenn es in | Wien bei Ihnen bliebe. Sie werden | erst darauf kommen, weil Sie Sich [sic] | hineinleben müßten wenn Sie es | oft sehen – man opfert wenn man liebt. | Soll es so kommen so hielte ich es für notwendig | wenn ich bei der Ausstellung dieses mitsprechen | möchte. | Mit herzlichsten Grüßen | Egon Schiele.
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