Brief von Erwin Osen aus München an Egon Schiele vom 15. August 1913, Inv. Nr.: ESA139
Brief von Erwin Osen aus München an Egon Schiele vom 15. August 1913
Brief von Erwin Osen aus München an Egon Schiele vom 15. August 1913, Inv. Nr.: ESA139
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Brief von Erwin Osen aus München an Egon Schiele vom 15. August 1913

Erwin Dominik Osen

15. August 1913




Verfasser:in (Wien 1891 - 1970 Dortmund)
Adressat:in (Tulln 1890 - 1918 Wien)
erwähnte Person(en) (Lemberg 1861 - 1938 Wien)
erwähnte Person(en) (Krumau, Böhmen 1862 - 1935 Wien)
erwähnte Person(en) (Tulln 1894 - 1981 Wien)
erwähnte Person(en) (Tattendorf 1894 - 1917 Sinj, Kroatien)
erwähnte Person(en) (Wien 1885 - 1940 Wien)
Date15. August 1913
Object TypeArchivale
Object typePaper from archives
Materials / TechniquesSchreibmaschine und Tinte (schwarz) auf Papier
DimensionsBlatt: 29 x 22,5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberESA139
Transkription
Lieber Egon Schiele! | Leider ist es schon am 1. Sept. zu kommen | mir unmöglich, da ich in Wien furchtbar viel zu erledigen habe. Du weisst | ich hatte das Atelier in der Grünbergstrasse ein halbes Jahr und wurde am | 7. Mai nach München berufen und hatte das Atelier schon bis August, bezahlt. | Bei der Uebernahme, wurde mit mir ausgemacht, dass ich das Atelier nur mit | vierteljähriger Kündigung verlassen könnte und im Falle ich Zahlungsunfähig [sic] | werde, so steht dem Inspektor das Recht zu, mich in vierzehn Tagen hinaus | zuwerfen [sic]. Ich erwiederte [sic]: All right! Guttgutt! Nun erklärte ich dem Inspekto[r] | von München aus, dass ich Zahlungsunfähig [sic] sei und in vierzehn Tagen könne Er [sic] | im Atelier Cackeswalces tanzen. Nun will das Ungeheuer noch 200Kr.[Kronen] von mir | und behält meinen ganzen Kram als Pfand. Nu da muss ich doch nach Wien und | den Kerlen zeigen dass der Wind aus Süd-Ost bläst und Sie [sic] die Backen an= | ständig voll kriegen, aber nicht mit Kronen. Ich bin überhaupt jetzt ent= |  setzlich wild, dass Theater hatt [sic] meine Nerven ganz ruiniert, ich kann gar | nirgents [sic] hingehen, in den Restaurants fliegt nur alles wo ich hin komme da= | mit ich nur keinen Krawall mache, ich hau den Kerlen alles nach. Im Theater | dankt die ganze Bagagge [sic; Bagage Wienerisch für Gesindel] Gott dass ich am ersten wieder fort gehe. Willst DU | denn Besuch rieskieren [sic]? Dann muss ich in Wien, noch ein Porträt fertig mach= | en und einige Zeichnungen auf dem Steinhof für den Naturforscher Tag, wo | Dr. Kronfeld spricht, über den pathologischen Ausdruck im Porträt. Alles | das gibt auch Geld noch und von meinen 400Mk.[Mark] bleibt nicht viel übrig, da | ichs Auto von meinem Onkel hier habe, ich simmuliere [sic] schon Alle [sic] Krankheiten | damit ich früher los komme, aber die Hunde wollen die Gage nicht früher zah= | len, als am 31. Ich möchte im Auto zu Euch kommen und am 1. soll ich den | Wagen in Wien abgeben sonst gibts wieder Krach und ich bin froh dass der | alte behoben. Wir werden schon sehen! Also jetzt kommt der Alte Pump auf | Deine Weltbekannte Menschenfreundlichkeit: Ich kann mir in Wien kein Atelir [sic] | soffort [sic] nehmen weil ich dann nach Prag und Berlin in kurzer Zeit muss und | auch das Subjekt das ich noch malen muss, nur bis 14.Sept. in Wien bleibt. | Da bitte ich Dich, möchtest Du mir erlauben, dass ich im Vorzimmer, am Clos.[Klosett] | oder wo in Deiner Gotterburg [Götterburg], das Ungeheuer porträtiere, da bei der in der | Wohnung es nicht geht, da sie in der Schweiz wohnt und mit der Elektrischen [Eisenbahn] | ists mir zu weit. Ich bitte Dich sende mir Bescheid und verzeih' dass ich | immer Maschien geschriebenes [sic] sende, aber es geht schneller und ich bin sehr, | Du weisst schon. Handkuss an Deine liebe Frau, Mamma, Frl. Gerta, Miss ---- | Neoschiel [Anm.: Wally Neuzil], Die Andern und besonders Peschka, den Bauernklinz! | Herzlichst Dein | Osen | Erwin | 1913. | München, August 15. Künstler Theater, Theresienhöhe.
Catalogue raisonné
  • Nebehay 570
  • Bibliography
  • Christian M. Nebehay, Egon Schiele 1890-1918. Leben, Briefe, Gedichte, Salzburg/Wien 1979
  • Provenance
  • Max Wagner, Wien
  • 1954 Albertina (Legat Max Wagner)

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/282952/brief-von-erwin-osen-aus-munchen-an-egon-schiele-vom-15-augImage Request
    Last edited15.04.2021