Friedrich Sustris, Entwurf für eine Silberstatuette des heiligen Michael, Inv. Nr.: 3275
Entwurf für eine Silberstatuette des heiligen Michael
Friedrich Sustris, Entwurf für eine Silberstatuette des heiligen Michael, Inv. Nr.: 3275
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Entwurf für eine Silberstatuette des heiligen Michael

Friedrich Sustris

um 1600




Künstler:in (Venedig oder Amsterdam um 1540 - 1599 München)
Zuschreibung Inventar Herzog Albert
Dateum 1600
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Dunkelgrau, Aquarell, weiß gehöht, quadriert, auf teils grundiertem Papier
Dimensions35,3 x 22,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number3275
Markingsr.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Der Erzengel Michael in einem antikischen Waffenrock und mit weit ausladenden Schwingen zertritt siegreich den abtrünnigen Engel Luzifer, der sich mit der Rechten gegen den Hieb schützt, den ihm Michael mit dem erhobenen Schwert zufügen wird. Luzifer – zur Hälfte ein gehörnter Teufel, zur Hälfte Drache – krümmt sich unter der Gewalt seines Richters. Das geschwungene Podest trägt den Namen des Erzengels.

Die kunstvoll lavierte Federzeichnung, deren Zuschreibung an Sustris bereits von Karl Feuchtmayr vorgeschlagen wurde, greift ein Motiv auf, das in München am Ende des 16. Jahrhunderts eine Schlüsselrolle in der sakralen Ikonografie spielt. München wurde unter Herzog Wilhelm V. (regiert 1579–1597) zu einer Hochburg der Rekatholisierung. Unter der künstlerischen Leitung von Friedrich Sustris wurde im Auftrag des Herzogs die St.-Michaelskirche erbaut und eingerichtet – der früheste und bedeutendste Sakralbau der Gegenreformation nördlich der Alpen. Der Kampf des Erzengels Michael mit dem gefallenen Engel Luzifer zieht sich als Leitmotiv durch die gesamte Ausstattung dieser Kirche und ist als Sieg des wahren katholischen Glaubens über die ketzerische Lehre, besonders über die Reformation zu deuten. Das Motiv erscheint auch an der Kirchenfassade, in der von Hubert Gerhard ausgeführten plastischen Gruppe. Die Federzeichnung wird als Entwurf für die – mit Ausnahme des Sockels – nahezu identische Silberstatuette eines unbekannten Künstlers angesehen, die sich in der Reichen Kapelle der Münchner Residenz befindet. Der heilige Michael der Silberstatuette trägt ein Flammenschwert, der Erzengel auf der Entwurfszeichnung ein Schwert mit glatter Klinge. Der Sockel ist mit »Archangel[us]« beschriftet und hat eine andere Form.

Eine mit dem Blatt in der Albertina identische lavierte Federzeichnung, die ebenfalls Sustris zugeschrieben wird, befindet sich im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (Inv. Hz 1334).

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 61, S. 132.


Catalogue raisonné
  • Benesch 1928,150
  • Bibliography
  • Steinbart 1928, S. 122–123, Abb. 46
  • Feuchtmayr 1938, S. 311
  • Steinbart 1938, Abb. 4
  • Hock 1952, S. 142 – 143, 283
  • Geissler 1978, S. 89, Anm. 46
  • AK München 1980, S. 189, Nr. 275, mit Abb.
  • AK Salzburg 1987, S. 389, Nr. 206
  • A.K. Rom in Bayern. Kunst und Spiritualität der ersten Jesuiten, hg. von R. Baumstark, München 1997, S. 428, Nr. 122 mit Abb.
  • A.K. In Europa zu hause. Niederländer in München um 1600, hg. von T. Vignau-Wilberg, München 2005, S. 308–311, Nr. E3
  • A.K. Pieter de Witte - Pietro Candido. Ein Maler des 16. Jahrhunderts zwischen Volterra und München, Volterra 2009, Nr. 20
  • AK Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Nr. 61.
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/28606/entwurf-fur-eine-silberstatuette-des-heiligen-michaelImage Request
    Last edited20.07.2021