Arachne am Webstuhl im Wettkampf mit Minerva
Friedrich Sustris
um 1586-1588
Die Darstellung ist ein Entwurf für das Fresko an der Nordwand der Osthalle des Grottenhofs der Münchner Residenz. Die Halle wurde zwischen 1586 und 1588 mit Fresken nach Entwürfen von Friedrich Sustris von verschiedenen Malern aus der Hofwerkstatt ausgestattet, die jeweils Szenen aus den Metamophosen des Ovid zeigen. Arachne, berühmt wegen ihrer unübertrefflichen Webkunst, hatte in ihrem Hochmut verkündet, der Göttin Minerva in der Meisterschaft zur Herstellung kostbarer Stoffe überlegen zu sein (Ovid, Metamorphosen VI, 1–145). Dargestellt ist der Moment, in dem Arachne der Göttin, die hoch aufgerichtet links vom Webstuhl steht, ihr Werkstück präsentiert. Die Kammerjungfern – vornehm gekleidete junge Frauen, keine Mägde – verrichten Tätigkeiten, die mit dieser Fertigkeit zusammenhängen: Sie haspeln, spinnen, weben und sticken.
Die Vorzeichnung zum Fresko gehört zu den besten Zeichnungen aus Friedrich Sustris’ früher Münchner Zeit. Sowohl die zarte, aber bestimmte Linienführung, die jede Gewandfaltung und jede Körpermodellierung festhält, als auch die Lavierung, die der filigranen Federzeichnung Fülle verleiht, sind dafür charakteristisch. Das feste Gefüge der Komposition mit dem bildbeherrschenden Webstuhl wirkt im bogenförmig ausgeführten Fresko aufgelockert. Hier wurde außerdem die Figur mit dem Spinnrocken weiter nach rechts gerückt.
Das Fresko mit der Weberin Arachne lässt sich mit anderen Darstellungen des Webens verbinden, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts am bayerischen Hof entstanden, so die Arachne-Darstellungen in der Burg Trausnitz und in der Stadtresidenz zu Landshut oder das monumentale Ölgemälde des gleichen Themas, das Abraham del Hele 1563 im Auftrag von Herzog Albrecht V. malte (München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Inv. 2420). Das tatkräftige Interesse für die Webkunst bestand unter Herzog Wilhelm V. und unter Herzog Maximilian I. unvermindert weiter. Letzterer gründete 1604 die herzogliche Teppichwirkerei, die von dem Flamen Hans van der Biest geleitet wurde. Die Münchner Gründung erfolgte nach dem Vorbild der Medici in Florenz. Dort war 1546 eine Teppichwirkerei eingerichtet worden, in der Peter Candid, der später eine Schlüsselrolle in der Münchner Wirkerei spielen sollte, als Entwerfer gearbeitet hatte. Auch Sustris war in Florenz tätig.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 62, S. 134.
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