Waldinneres
Gillis van Coninxloo
um 1610
Neben fantastischen Gebirgslandschaften in der Nachfolge Pieter Bruegels d. Ä. waren sorgfältig komponierte Walddarstellungen um 1600 sowohl in den Südlichen wie in den Nördlichen Niederlanden sehr beliebt. Gillis van Coninxloo, in dessen Nachfolge diese Zeichnungen entstanden, flüchtete als Protestant von seiner Heimatstadt Antwerpen über Frankenthal (Rheinland-Pfalz) nach Amsterdam und prägte eine ganze Generation holländischer Landschaftsmaler. Charakteristisch für den Spätmanierismus sind die raffinierte Komposition mit tunnelartigen Durchblicken und das Kolorit aus Braun- und Blautönen.
Die drei Blätter (Inv. 8055, Inv. 8056, Inv. 8057) eines anonymen Künstlers aus der Nachfolge Gillis van Coninxloos III. führen zwei unterschiedliche imaginäre Landschaftstypen vor Augen, die um 1600 in den Südlichen wie in den Nördlichen Niederlanden sehr beliebt waren: das nahsichtige Waldinterieur und die von Baumrepoussoirs gerahmte, gebirgige Fernlandschaft. Wie in den Gemälden van Coninxloos, die den Typus der nahsichtigen Waldlandschaft idealtypisch vertreten, beruht der scheinbar wilde Charakter der vorliegenden Landschaftszeichnungen auf festen Ordnungsprinzipien: Die äußeren, vom oberen Bildrand überschnittenen Baumpartien rahmen die Komposition wie Kartuschen ein. Charakteristisch für den Spätmanierismus ist die Mehrachsigkeit – der Blick des Betrachters wird durch zwei tunnelartige, geheimnisvoll endende Öffnungen und einen diagonal verlaufenden Waldweg in die Tiefe gelenkt. Häufig dargestellte Motive sind der gebrochene, schräg herunterhängende Ast im Vordergrund – oft als Memento mori gedeutet – sowie der wasserreiche, mit Sumpfpflanzen bedeckte Boden.
Die höchst verfeinerte Ausführung der drei Blätter weist auf das Phänomen hin, dass sich neben den zahllosen druckgrafischen Blättern mit Wiedergaben von imaginären Gebirgs- und Waldlandschaften eine kommerziell ausgerichtete Produktion von attraktiven, anspruchsvollen Zeichnungen entfaltet haben muss. Es ist gut denkbar, dass die drei Arbeiten während der Blüte dieser spezifischen Landschaftsgattung, nämlich vor oder nach 1610, angefertigt wurden.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 54, S. 118.
Die gezeigten Blätter (Inv. 8057, 8055, 8056) führen zwei unterschiedliche imaginäre Landschaftstypen vor Augen, die um 1600 in den Südlichen wie in den Nördlichen Niederlanden sehr beliebt waren: das nahsichtige Waldinterieur (Inv. 8057) und die von Baumrepoussoirs gerahmte, gebirgige Fernlandschaft (Inv. 8055, 8056). Die intensivsten Diskussionen hat das erstgenannte Blatt ausgelöst, das verschiedenen spätmanieristischen Künstlern zugeschrieben wurde: Raphael Sadeler, #Gillis van Coninxloo und #Jan Brueghel. Am meisten überzeugt die Hypothese, dass es sich um einen anonymen Künstler aus der weitverzweigten Nachfolge Gillis van Coninxloos handelt. Wie in den Gemälden Gillis van Coninxloos (z.B. Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz-Wien; Kunsthistorisches Museum, Wien), die den Typus der nahsichtigen Waldlandschaft idealtypisch vertreten, beruht der scheinbar wilde Charakter der vorliegenden Landschaftszeichnung auf festen Ordnungsprinzipien. Die äußeren, vom oberen Bildrand überschnittenen Baumpartien rahmen die Komposition wie Kartuschen ein. Charakteristisch für den Spätmanierismus ist die Mehrachsigkeit: Der Blick des Betrachters wird durch zwei tunnelartige, geheimnisvoll endende Öffnungen und einen diagonal verlaufenden Waldweg in die Tiefe gelenkt. Häufig dargestellte Motive sind der gebrochene, schräg herunterhängende Ast im Vordergrund – oft als Memento mori gedeutet – sowie der wasserreiche, mit Sumpfpflanzen bedeckte Boden. Im Gegensatz zu vielen anderen vergleichbaren Beispielen fehlt hier jede Andeutung von Architektur im Hintergrund. In der hermetischen Geschlossenheit steht die Zeichnung dem Gemälde des Wiener Kunsthistorischen Museums besonders nahe. Trotz unverkennbarer Qualitäten kommt der anonyme Künstler über ein gewisses dekoratives Niveau nicht hinaus; der Gesamteindruck bleibt der eines Gobelins, der von wohldosierten Abstufungen der traditionellen Braun-blau-Palette geprägt ist. Die abwechselnd weiß ausgesparten und farbig voneinander abgesetzten Stämme und Äste werden durch Striche und Pinseltupfen dekorativ belebt. Während vorne die Federakzente dominieren, kommt im Hintergrund vor allem der Pinsel zum Einsatz. In den rhythmischen Wohlklang der weich gerundeten Stämme und Äste fügen sich im Vordergrund sogar die elegant zugespitzten Bruchstellen der dunklen Baumgruppe ein.
Die höchst verfeinerte Ausführung der drei Blätter (Inv. 8055, 8056, 8057) weist auf das Phänomen hin, dass sich neben den zahllosen druckgrafischen Blättern mit Wiedergaben von imaginären Gebirgs- und Waldlandschaften eine kommerziell ausgerichtete Produktion von attraktiven, anspruchsvollen Zeichnungen entfaltet haben muss. So besitzt eine nahezu gleichformatige Zeichnung in Brüssel (Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique) sowohl motivisch als auch in der Ausführung eine weitgehende Ähnlichkeit mit unserem Blatt, in dem das mysteriöse, dunkle Waldinterieur zu einem hellen, freundlichen Mikrokosmos mutiert. Es ist gut denkbar, dass die drei Arbeiten während der Blüte dieser spezifischen Landschaftsgattung produziert wurden, möglicherweise vor oder nach 1610.
