Cornelis Cornelisz. van Haarlem, Tityos, Inv. Nr.: 8101
Tityos
Cornelis Cornelisz. van Haarlem, Tityos, Inv. Nr.: 8101
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Tityos

Cornelis Cornelisz. van Haarlem

1588




Künstler:in (Haarlem 1562 - 1638 Haarlem)
Date1588
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun über schwarzer Kreide, Pinsel in Braun, Rosébraun und Deckweiß auf hellgrauem Papier
Dimensions36,0 x 26,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number8101
SignedAm unteren rechten Blattrand "Cor Cornelis / van / Haerlem / fecit."; unten rechts von der Mitte "A: 1588" (jeweils Feder in Braun)
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Cornelis Cornelisz. gehörte mit Karel van Mander und Hendrick Goltzius zu den führenden Köpfen des Haarlemer Manierismus. Sie widmeten sich in einer Art Zeichenakademie dem Studium der menschlichen Figur oder, wie sie es nannten, der »italienischen Manier«: Es galt, den Italienern ihren Ruf als führende Figurenmaler streitig zu machen. Ihre Themen fanden sie bevorzugt in der antiken Mythologie: muskulöse Heroen in kunstvoll verdrehten Körperhaltungen und perspektivischer Verkürzung.

Hier sehen wir den Giganten Tityos, der nach versuchter Vergewaltigung der Göttin Leto in den tiefsten Tartaros verbannt wurde. Gemäß den Metamorphosen des Ovid (IV, 456) war er eigentlich an einen Felsen gekettet. Seine Strafe bestand darin, dass ihm zwei Geier die stets nachwachsende Leber bei lebendigem Leibe verzehrten. So wurde er auch von Tizian dargestellt. Cornelis dagegen ließ den Verdammten rücklings über einen Felsen taumeln. Ein ähnliches Schicksal widerfuhr den im gleichen Jahr nach seinen Entwürfen gestochenen Himmelsstürmern (Hollstein 306–309).

Unter den wenigen Zeichnungen Cornelis van Haarlems ist das Wiener Blatt eine seiner eindrucksvollsten Arbeiten. Geschmeidige, schwellend modulierte Linien verbinden sich mit malerisch abgestuften Brauntönen; Weißhöhungen setzen die für Cornelis typischen Glanzlichter. Die grausige Thematik in ästhetisch anspruchsvollem Gewand war eines der Markenzeichen der Haarlemer Manieristen, und Sammlerstücke wie der Wiener Tityos trafen offensichtlich den Nerv der Zeit.

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 94, S. 198.

Catalogue raisonné
  • Benesch 1928, 367
  • Bibliography
  • Reznicek 1961, S. 159, Anm. 49, 160
  • Van Thiel 1965, S. 127, Nr. 19
  • Lowenthal 1983, S. 152–153
  • AK Washington/New York 1986, Nr. 39
  • McGee 1991, S. 273–274
  • A.K. Dawn of the Golden Age. Northern Netherlandisch Art 1580-1620, Rijksmuseum Amsterdam, Zwolle 1993, Nr. 4
  • P. J. J. van Thiel, Cornelis Cornelisz van Haarlem 1562-1638, A Monograph and Catalogue Raisonné, Dorrnspijk 1999, S. 11, 78, 95, 159, 176, 441–442, Nr. D 6
  • A.K. Cornelis van Haarlem (1562-1638), bearb. von J. Niessen, Haarlem 2002, S. 42
  • AK Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Nr. 94
  • Maria Harnack, Niederländische Maler in Italien. Künstlerreisen und Kunstrezeption im 16. Jahrhundert, Berlin/Boston 2018, S. 198, Abb. 104
  • Emily J. Peters, Laura Ritter (Hg.), AK Bruegel und seine Zeit, Albertina 15.2.2023 – 24.5.2023, Wien, München 2023, Kat. 83.
  • Provenance
  • Sammlung Cornelis Ploos van Amstel (1726–1798), Amsterdam (deren Auktion bei Philippus van der Schley u. a., Amsterdam, ab 3. März 1800, Kunstboek G, Nr. 8
  • Lugt Rep. 6031)
  • Philippus van der Schley (1724–1817), Amsterdam
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited24.03.2023