Anthonis van Dyck, Die Anbetung der Hirten, Inv. Nr.: 8624
Die Anbetung der Hirten
Anthonis van Dyck, Die Anbetung der Hirten, Inv. Nr.: 8624
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Anbetung der Hirten

Anthonis van Dyck

um 1618-1621




Van Dycks erste Antwerpener Periode näherte sich ihrem Ende, als sich der bei Rubens beschäftigte Künstler ausgiebig dem Thema der Geburt Christi widmete. Zwei Gesamtkompositionen und drei Detailstudien, die eines oder mehrere Gemälde vorbereiten halfen, spielen das Thema (wie so oft im Werk des Meisters) in unterschiedlicher Komposition durch: Operiert das eine Blatt mit breit angelegtem Querformat (Vey 1962, Nr. 28), arbeitete Van Dyck in der Wiener Studie an einer leicht hochformatigen Lösung. Er gelangte schließlich aber zu keiner entsprechenden Gemäldefassung.

Maria sitzt rechts vor einer Säule und deckt sachte das schlummernde Kind auf, über das sich zwei Hirten voll Ehrfurcht und Staunen beugen: kniend, ganz auf das Jesuskind konzentriert und mit demutsvoll vor der Brust gekreuzten Händen der eine, der andere hinter ihm stehend, weit vornüber gebeugt, aber seitwarts blickend (die Blickrichtung des erst im Profil gegebenen Kopfes wurde einmal korrigiert). Zunächst beabsichtigte Van Dyck, das Decktuch sehr weit zu lüften (Marias zartgliedrige Finger dieser ersten Version sind oberhalb ihres Unterarmes noch zu sehen), entschied sich dann aber fur eine diskretere Präsentation des Neugeborenen. Hinter den Hirten erscheinen schemenhaft und nur mit zartester Lavierung angedeutet zwei Frauen, die beiden in apokryphen Kindheitsevangelien erwähnten Hebammen Zelomi und Salome. Der greise Nährvater Joseph halt Gleichgewicht an der Säule, die Maria als Rückenlehne dient, und deutet auf das Kind. Die Geste und mehr noch sein ernstes Antlitz fordern die Zeugen des Wunders zu gebührender Ehrerbietung auf. Nichts von alledem bemerkt der Esel, der zuvorderst links ruht und den Ort des Geschehens, einen einfachen Stall in Bethlehem, ins Bewusstsein ruft.

Die meisten Motive sind aus Werken des Rubens entlehnt, doch ganz frei variierend neu komponiert. Zwei um 1617 entstandene Bilder stehen seinem Lehrmeister noch um einiges naher und zollen zudem im caravaggesken Helldunkel dem Großmeister des italienischen Frühbarocks Tribut. So zeigt sich Van Dyck mit dem Wiener Blatt im freieren Umgang mit seinen Vorbildern auf dem besten Weg zum bald selbstständigen Künstler.



Künstler:in (Antwerpen 1599 - 1641 London-Blackfriars)
Dateum 1618-1621
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, Feder und Pinsel in Braun, laviert, weiß gehöht
Dimensions22,8 x 19,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number8624
Inscribedr.u. von fremder Hand mit Feder: "Van Dyk"
Markingsr.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Bibliography
  • Schönbrunner/Meder 1896-1908, 8, Nr.907, Abb.
  • O. Benesch, Zur Frage der frühen Zeichnungen van Dycks, in: Die graphischen Künste, N.F. 3, 1938, 30
  • Vey 1962, Nr.30, Abb.39
  • AK Antwerpen/ Rotterdam 1960, Nr.16
  • AK New York/Fort Worth 1991, Nr. 23
  • AK Köln/Antwerpen 1992, Nr. 127.2 (H. Robels).
  • Albertina, Rubens bis Rembrandt, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb. 35
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/29491/die-anbetung-der-hirtenImage Request
    Last edited21.12.2020