Panoramalandschaft mit Blick auf das Propsteihaus Maarsbergen
Aelbert Cuyp
um 1639/40
Aelbert Cuyp war das berühmteste Mitglied einer großen Dordrechter Malerfamilie; seine künstlerische Ausbildung erhielt er bei seinem Vater, dem Porträt- und Tiermaler #Jacob Gerritsz Cuyp. Ab etwa 1640 brachte Aelbert in den Gemälden seines Vaters die Landschaftshintergründe an; er spezialisierte sich fast ausschließlich auf die Landschaftsmalerei, die er nur bis zu den späten 1650er-Jahren ausübte. Während seine Bilder der frühen 1640er-Jahre von der Kompositionsweise und der monochromen Palette #Jan van Goyens geprägt sind, wird ab etwa 1645 der Einfluss des Italianisanten #Jan Both (Inv. 9122) wirksam. Cuyps holländische Landschaftsgemälde sind nunmehr durch ein goldenes, südlich wirkenden Sonnenlicht gekennzeichnet.
Die meisten Zeichnungen von Aelbert Cuyp sind der Landschaft gewidmet, wobei die Jahre zwischen 1639 und 1642 als seine produktivste Periode gelten. Aus den Jahren 1639/40 stammt eine Reihe von autonomen Zeichnungen mit Ansichten und Architekturmotiven von Utrecht, ausgeführt in schwarzer Kreide, Aquarellfarben und weißer Deckfarbe. In diesen Blättern zeigt sich die Vertrautheit des 19- bis 20-jährigen Künstlers mit den Prager Ansichten von #Roelant Savery, der die letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens zwischen 1619 und 1639 in Utrecht verbrachte.
Dass die hier ausgestellte Panoramalandschaft dieser "Utrechter Gruppe" nahesteht, wird erst seit Kurzem in Erwägung gezogen. Vor nicht langer Zeit galt das Blatt noch als eine Rheinlandschaft, die Cuyp zwischen 1640 und 1642 während einer Reise nach Kleve gezeichnet haben könnte. In jüngster Zeit jedoch wurde das architektonische Hauptmotiv der Zeichnung als das bei Utrecht gelegene Propsteihaus Maarsbergen identifiziert, was die Vermutung, dass das Blatt noch vor 1640 - gleichzeitig mit den frühesten Utrechter Ansichten - entstanden sein könnte, zu unterstützen scheint.
Von Anfang an zeigt sich die für Cuyp charakteristische Anwendung der Medien: die mit der schwarzen Kreide umrissenen Terrainschichten und Architekturformen, verbunden mit dem subtilen Auftrag der grauen Lavierungen und Aquarellfarben; eine bei Cuyp häufige Praxis ist die nachträgliche Intensivierung der schwarzen Linien mittels Gummiarabikum. Trotz der monochromen Palette ist dieses frühe Blatt bereits von einer besonderen Leuchtkraft. Auf meisterhafte Weise beherrscht der junge Cuyp das Spiel mit den weichen Übergängen der Ocker- und Brauntöne, abgewechselt mit dem Blau-Weiß der lokal aufgehellten Gegend des Gebäudes und der weiter entfernten Wasserspiegelungen. Charakteristisch für Cuyps zumeist autonome Landschaftszeichnungen ist die harmonische Art, in der die Architekturformen in ihrer natürlichen Umgebung aufzugehen scheinen. Im Unterschied etwa zu den Landschaftszeichnungen von Jan van Goyen weisen Cuyps Landschaftsblätter - anders als in seinen Gemälden - praktisch keine Figuren- oder Tierstaffage auf; der unauffällige Reisewagen links im Vordergrund unserer Zeichnung gehört zu den Ausnahmen.
In der Kompositonsweise seiner frühen Panoramalandschaften orientierte Cuyp sich vermutlich an druckgrafischen Beispielen des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts, die er aber auf höchst individuelle Art neu belebte; von großer Unmittelbarkeit ist hier der Eindruck von Licht, Luft und Weite.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, S. 232, Nr. 107.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/29620/panoramalandschaft-mit-blick-auf-das-propsteihaus-maarsbergeImage Request