Bauerngesellschaft in einer Schenke
Adriaen van Ostade
nach 1670
Der Vater von Adriaen van Ostade und dessen jung verstorbenem Bruder #Isaac (siehe Inv. 9130) war Leinenweber. Vermutlich war van Ostade bei #Frans Hals in der Lehre. 1636 wurde er Mitglied der Bürgermiliz, und ab 1647 bekleidete er wichtige Funktionen in der Haarlemer Malergilde. Adriaen van Ostade widmete sich in erster Linie dem Bauerngenre, als dessen unbestrittene Hauptvertreter er und sein jüngerer Bruder und Schüler Isaac bis heute gelten. Adriaens Gemälde, Zeichnungen und Radierungen - sein Œuvre erstreckt sich über ein halbes Jahrhundert - zeigen allerdings nicht die ländliche Wirklichkeit. Zu sehen sind Typen, die sich durch ihr derbes Benehmen und ihre Ungehemmtheit von der Kultiviertheit des städtischen Bürgers unterscheiden. Die Darstellungen des triebhaften Verhaltens des Bauernstandes zählten zum komischen Genre. Mit seinen burlesken Darstellungen stand Ardriaen van Ostade in der Tradition der niederländischen Bauernsatire, die seit dem Mittelalter in der volkstümlichen Dichtung und im 16. Jahrhundert auch in der bildenden Kunst ihren Ausdruck fand - vor allem bei Pieter Bruegel.
Die Brüder van Ostade stellen innerhalb ihres Bereichs insofern eine Ausnahme dar, als bei ihnen die Zeichnung eine wesentliche Rolle einnimmt. Von berühmten Genremalern wie Frans Hals, #Jan Vermeer oder #Jan Steen zum Beispiel sind praktisch keine Zeichnungen bekannt. Aus dem Œuvre der Ostades dagegen ist dieses vielseitige Medium nicht wegzudenken. Wie bei #Rembrandt diente ihnen das Studium "nach dem Leben" der möglichst natürlichen Wiedergabe ihrer aus der Fantasie geschaffenen Kompositionen.
Die hier gezeigten Arbeiten (Inv. 9134, Inv. 17564, inv. 17597) von Adriaen van Ostade datieren aus der späten Zeit nach 1670, in der ungefähr die Hälfte seiner Zeichnungen entstanden ist. In dieser Phase hat das bildmäßig durchgeführte Aquarell die Funktion des Gemäldes zu einem wesentlichen Teil übernommen. Eine ganz andere Seite seines Könnens zeigt die Skizze "Bauerngesellschaft in einer Schenke", zu der kein entsprechendes Gemälde oder Aquarell bekannt ist. In dieser Arbeit aus den 1670er-Jahren zeigt sich, dass die jahrzehntelange Auseinandersetzung des Künstlers mit der gleichen Thematik seinem zeichnerischen Temperament keinen Abbruch getan hat. Mit raschen, sicheren Federlinien erfasst van Ostade die wesentlichen Elemente der Darstellung, bei einer effektvollen Verteilung von Licht und Schatten. Innerhalb der subtilen Monochromie des Interieurs wird die vorne beim offenen Herd sitzende Gruppe am stärksten beleuchtet.
vgl. Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 100.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/29999/bauerngesellschaft-in-einer-schenkeImage Request