Blockhütten an einem Bach in Skandinavien
Allart van Everdingen
um 1644
Allart van Everdingen war der Sohn eines Notars und der Bruder des Historienmalers #Cesar van Everdingen (1616/17-1678). Arnold Houbraken zufolge ging Allart in Utrecht bei #Roelant Savery und in Haarlem bei #Pieter de Molyn in die Lehre (De Groot Schouburgh der Nederlantsche Kunstschilders en Schilderessen, 2. Aufl., Den Haag 1753, S. 94). 1639 zog van Everdingen von Haarlem in seine Geburtsstadt Alkmaar. Sein Aufenthalt an der Südostküste von Norwegen und in Schweden in der Gegend von Göteborg in den Jahren 1644/45 ist durch eine kleine Gruppe von Aquarellen dokumentiert. 1652 zog van Everdingen mit seiner Familie von Haarlem nach Amsterdam; zwei seiner Söhne ergriffen ebenfalls den Malerberuf. Als Maler, Zeichner und Radierkünstler befasste van Everdingen sich mit der Marinethematik, mit niederländischen Landschaftsmotiven und vor allem mit der skandinavischen Landschaft, wodurch er in der Kunst des niederländischen 17. Jahrhunderts das einzige nördliche Gegenbeispiel zu den zahlreichen Italienreisenden darstellt. Auch van Everdingen ließ sich, ähnlich wie seine südlich orientierten Kollegen, noch Jahrzehnte nach seiner Rückkehr aus Skandinavien von seinen Reiseerinnerungen und den dort entstandenen Zeichnungen und Aquarellen inspirieren.
Die Zeichnung "Blockhütten an einem Bach in Skandinavien" ist eines der zahlreichen skandinavischen Landschaftsblätter van Everdingens, die sich von den frühesten, vor Ort gezeichneten Darstellungen bis zu den späten, aus der Fantasie entstandenen Kompositionen erstrecken. Alice Davies zufolge ist die vorliegende Arbeit in den 1640er-Jahren entstanden - vielleicht sogar während seines Aufenthalts in Skandinavien. In der sachlich-registrierenden Zeichenweise ist das Blatt mit der Zeichnung "Wasserfall und Sägemühle bei Mölndal" (Mölndal, Möndals Konsthall) vergleichbar, die van Everdingern 1644 in Norwegen angefertigt hat. Geht man bei der Albertina-Zeichnung von einer Entstehung während oder kurz nach der Skandinavienreise aus, so ist das vertikale Format als eine bemerkenswerte Vorwegnahme der hochformatigen Gemälde van Everdingens anzusehen, die zumeist erst ab 1650 entstanden sind; sein frühestes senkrechtes Gemälde eines Wasserfalls im Hochformat ist 1648 datiert (Hannover, Niedersächsisches Landesmuseum). Zwei weitere, allerdings viel später entstandene Blätter in Hamburg (Kunsthalle) und Paris (Institut Néerlandais, Fondation Custodia, Sammlung Frits Lugt) stimmen in der Thematik, im Hochformat und in der subtilen Ausführung mit der Wiener Zeichnung überein.
Es wird angenommen, dass van Everdingens Vorliebe für den nicht niederländischen, von wilden Gewässern und felsigen Gebirgen geprägten Landschaftstypus auf seinen Lehrmeister Roelant Savery zurückzuführen ist, der sich im frühen 17. Jahrhundert in vielen aquarellierten Zeichnungen der Tiroler Gebirgslandschaft gewidmet hatte. Die gewissenhaft beobachtende, etwas trockene Zeichenweise der frühen skandinavischen Zeichnungen van Everdingens zeigt sich mit dem "Nach dem Leben"-Charakter der Tiroler Ansichten Saverys eigentümlich verwandt.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 82, S. 182.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/30442/blockhutten-an-einem-bach-in-skandinavienImage Request