Der Hausbau
Cuno Amiet
1908
Rahmenaußenmaß 61,5 × 67 × 4,5 cm
Der aus Solothurn stammende Cuno Amiet zählt zu den wenigen Schweizer Künstlern, die früh über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden sind. Einen Namen machte er sich vor allem als expressiver Kolorist, und so verwundert es nicht, dass er 1906 eingeladen wurde, Mitglied der expressionistischen Künstlergruppe Die Brücke zu werden.
Der Stil von Amiets expressionistischer Schaffensphase ist geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit Vincent van Gogh. 1908 erhielt der junge Maler die Gelegenheit, ein Originalgemälde des holländischen Meisters aus dem Besitz eines Sammlerfreundes auszuleihen und zu kopieren. Wie sich das auf sein eigenes Schaffen auswirkte, zeigt etwa das im gleichen Jahr entstandene Stillleben Äpfel auf Blau (Privatbesitz). Mit so kühnen Bildern wie diesem nahm Amiet endgültig Abstand von der neoimpressionistischen Malweise, die er in den Jahren zuvor gepflegt hatte.
Auch das vorliegende Werk Der Hausbau, von dem noch zwei weitere, unterschiedlich komponierte Fassungen bekannt sind1, entstand 1908. Wie auf den ersten Blick zu erkennen ist, gehört es noch in Amiets neoimpressionistische Schaffensphase; es dürfte also vor seiner Auseinandersetzung mit van Gogh gemalt worden sein. Inspirieren lassen hatte sich der Künstler zu diesem Bild durch einen wichtigen Anlass: Auf der Oschwand, einem hochgelegenen Weiler im Kanton Bern, ließ er sich damals ein eigenes Haus bauen, das später, als er zu einem der angesehensten modernen Schweizer Maler geworden war, zu einer wahren Wallfahrtsstätte für Künstler und Kunstliebhaber werden sollte.
1 Eines dieser beiden Bilder befindet sich heute im Bündner Kunstmuseum, Chur; das andere ist in Schweizer Privatbesitz.
zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 70, Nr. 1.
