Arnulf Rainer, Botanisches Handgemenge, Inv. Nr.: GE168DL
Botanisches Handgemenge
Arnulf Rainer, Botanisches Handgemenge, Inv. Nr.: GE168DL
Credit: ALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner Image: ALBERTINA, Wien Copyright: © Estate Arnulf Rainer

Botanisches Handgemenge

Arnulf Rainer

1986




Künstler:in (Baden 1929 - 2025)
Date1986
Object TypeGemälde
Object typePainting
Materials / TechniquesÖl, Kreide auf Fotografie auf Holz
Dimensions80 x 121 cm
Rahmenaußenmaß: 84 x 124 cm
CreditALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner
Object numberGE168DL
SignedBez. l.o. "R."; r.u. "A R."; verso: "Botanisches Handgemenge / A. Rainer 1986"
Text

Ausgehend vom französischen Surrealismus, insbesondere von Andre Bretons Theorie des psychischen Automatismus, widmet sich der in Wien lebende österreichische Maler Arnulf Rainer seit 1950 einer eigenwilligen schöpferischen Methode, die unter dem Begriff «Übermalungen» bekannt geworden ist. Hatte Rainer dafür anfangs vorwiegend alte Gemälde oder Graphiken benutzt, die billig zu erwerben waren, so übermalte er später, wie die beiden vorliegenden Bildbeispiele aus der Sammlung Batliner zeigen, am liebsten eigene Photographien, die er zuvor auf eine Holzplatte aufgezogen hatte. Seit 1973 verlieh er seinen Übermalungen noch größere Unmittelbarkeit, indem er die Farbe, wie dies auch Kinder gerne tun, direkt mit den Fingern über die Photographie strich. Auf dieses im wörtlichen Sinn handgreifliche Vorgehen spielt wohl auch das Wort «Handgemenge» im Titel des rechts abgebildeten Werkes an. Was aber bedeutet das Wort «botanisch»? Mitte der achtziger Jahre beschäftigte sich Rainer auffallend oft mit Blumen und Reptilien. Wie das Beispiel Die Schlange und die Blume (Inv. GE220DL) zeigt, treten die beiden Themen gelegentlich auch vermischt auf. Seine Vorlagen fand er vor allem in alten naturwissenschaftlichen Lehr- oder Handbüchern, aus denen er meist skrupellos die Seiten herausriss und künstlerisch bearbeitete. Das querformatige Botanische Handgemenge von 1986 ist ein sehr typisches Beispiel aus Rainers umfangreicher Bilderserie der Botanik. Auf einer sehr blass abgezogenen Schwarzweissphotographie, die eine Blumenwiese wiedergibt, verwischte er mit den Fingern zuerst ein kräftiges Zinnober, dann ein stumpfes Braun und schließlich ein stark verdünntes Dunkelblau, wobei er trotz aller Spontaneität darauf achtete, dass die Übermalung die Form eines Blumenstraußes annahm. Ernst-Gerhard Güse deutet diese Serie von Übermalungen, die natürlich auch immer Akte der willentlichen Zerstörung und Auslöschung sind, mit folgenden Worten: «In den Übermalungen naturkundlicher Motive ereignet sich die Ausweitung nekrophiler Tendenzen ins Kosmische. Alles, was lebt, Mensch, Tier, Pflanze, wird im Bild der Zerstörung, dem Tod überantwortet.»1

1 Ernst-Gerhard Güse, Arnulf Rainer, Malerei 1980-1990, Stuttgart 1990, S. 28.  


zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 392, Nr. 180.

Catalogue raisonné
  • Koella/Billeter 2005, 180
  • Bibliography
  • R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 392, Nr. 180, Abb. S. 393
  • AK: Kunst nach 1970 in der Albertina, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Wolkersdorf: Holzhausen Druck 2007, Abb.114 S.190
  • AK: Arnulf Rainer, hrsg. von Antonia Hoerschelmann und Helmut Friedel, Wien: Verlag Walther König 2014, S.171 Abb.105
  • Online resources
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    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/305537/botanisches-handgemengeImage Request
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